Machtkampf um Amt des Premierministers:Andy Burnham: In Sneakern Richtung Downing Street?
von Wolf-Christian Ulrich, London
Der Machtkampf in Großbritannien spitzt sich zu. Der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, wurde ins Parlament gewählt: Ist das eine Sprungschanze für das Amt des Premier?
Großbritanniens Premier Keir Starmer gerät parteiintern unter Druck. Nach seinem Wahlsieg könnte Andy Burnham als Parlamentsabgeordneter eine Führungswahl bei Labour erzwingen.
19.06.2026 | 0:19 minTrägt der nächste Premierminister des Vereinigten Königreichs T-Shirt und Sneaker? Davon träumen zumindest die Unterstützer von Andy Burnham, der sich offenbar anschickt, Premierminister Keir Starmer das Amt streitig zu machen.
Der bisherige Bürgermeister von Manchester wurde in der Nacht ins britische Unterhaus gewählt. Ein Sitz im Parlament ist die Voraussetzung für ein Labour-Mitglied, um den Premierminister aus dem Amt zu vertreiben. Der charismatische 56-Jährige gilt als Liebling des moderat-linken Parteiflügels und (laut Umfragen) als aussichtsreichster Kandidat, um den unbeliebten Keir Starmer zu stürzen.
"Jeder spürt, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte", sagte Burnham nach der Bekanntgabe seines Wahlsiegs in Makerfield.
Ich werde alles geben, was ich kann, um dafür zu sorgen, dass der Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen, den dieses Land braucht.
Andy Burnham, Bürgermeister Manchester
Bemerkenswert an Burnhams Sieg sind drei Punkte:
- Burnham hat mit großem Abstand gewonnen, mehr als zuvor vermutet. "Das gibt ihm einen großen Schub Richtung Downing Street," sagt "Financial Times"-Journalistin Lucy Fisher. Offenbar haben sich diejenigen, die auf keinen Fall den Kandidaten der Rechtspopulisten von Reform UK wollten, hinter Burnham versammelt; darunter Wähler der Konservativen, der Liberaldemokraten und der Grünen, die alle völlig untergingen. Dies zeigt auch die begrenzten Chancen der Reform-Partei von Nigel Farage. Sein Populismus, seine Flirts mit der extremen Rechten, mobilisieren scheinbar auch diejenigen Briten, die diese Art von Politik nicht mögen.
- Die Reform-Partei des Brexit-Aktivisten Nigel Farage stößt an ihre Grenzen in einem Gebiet, in dem Reform sich große Chancen einräumte. Ein sehr englischer, traditionell industriell geprägter Wahlkreis mit mehrheitlich weißer Bevölkerung. Rund 63 Prozent stimmten vor zehn Jahren für den Brexit. In der Gegend sind sie vor allem unzufrieden mit der Immigration. Mit der wirtschaftlichen Lage. Mit den hohen Lebenshaltungskosten. Aber diese Stimmung konnte Reform nicht für sich nutzen. Ein Sympathie-Träger, "Einer von hier", ein hemdsärmeliger Optimismus-Verbreiter setzte sich durch: Burnham. "Wie solide die starken Umfragewerte von Reform im Land am Ende wirklich sind?", fragt sich Lucy Fisher.
- Reform UK konnte die aufgeheizte Stimmung im Land nach dem Mord am Studenten Henry Nowak und nach dem versuchten Mord in Belfast mit anschließenden Ausschreitungen nicht für sich nutzen. Farage hatte nach dem Mord an Nowak gesagt: "Ich schlage vor, der Rest von uns sollte mit purer, kalter Wut reagieren."
Die schweren Unruhen in Belfast haben das Vereinigte Königreich erschüttert. Doch was sind die Hintergründe der Krawalle?
18.06.2026 | 11:38 minEr hatte auch die englische Polizei kritisiert. Beides scheint ihm im konservativen Spektrum mehr geschadet als genutzt zu haben. Heute Morgen reagierte Farage so auf Burnhams Sieg: "Reform ist nach wie vor die große nationale Partei der Mitte-rechts-Strömung. Ein enttäuschender Vormittag, aber wir machen weiter."
Premierminister Keir Starmer ist nach Burnhams Sieg zunehmend geschwächt.
Sogar Starmer-Loyalisten glauben nicht mehr, dass Starmer die Labour-Partei in die nächste Wahl führen wird.
Lucy Fisher, Journalistin
Ungeschickte Regierungsführung und die Umstände um die Berufung des Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Botschafter in Washington führten zu einer Führungsdebatte, die ihn arg bedrängt. Die Kommunal- und Regionalwahlen im Mai gerieten für Labour deswegen zum Desaster. Manche sagen, seine Tage als Premierminister seien gezählt.
Großbritanniens Premier Starmer kämpft um seine Autorität. In Makerfield wird die Nachwahl zur Machtprobe für seine Labour-Partei und zum Stimmungstest für die rechtspopulistische "Reform UK".
27.05.2026 | 6:39 minNun stellt sich die Frage, wie Burnham Starmer angreift. Ob er eine offene Konfrontation wagt. Denn Burnham muss die vielen Labour-Abgeordneten davon überzeugen, dass er wirklich eine Wahl gewinnen kann. Er wolle einen stillen Coup versuchen, heißt es, Starmer hinter den Kulissen dazu zu bringen, von sich aus aufzugeben.
Doch bisher hat Starmer nicht klein beigegeben. Am Morgen gratulierte er Burnham. Und sagte: "Wenn es zu einem Wettbewerb kommt, dann werde ich antreten. Ich habe wiederholt gesagt, dass ich davor nicht zurückschrecken werde."
Hinter den Kulissen spitzt sich der Machtkampf in der Labour-Partei jetzt zu. In der kommenden Woche, so raunt man in London, könnte der Showdown offen beginnen.
Der britische Premierminister Keir Starmer und seine Regierung stehen unter Druck. Mehrere Minister sind nach den schlechten Ergebnissen bei den Kommunalwahlen zurückgetreten.
15.05.2026 | 1:36 minWolf-Christian Ulrich ist ZDF-Korrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland.
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