Proteste gegen irreguläre Einwanderung :Nach Messerangriff in Belfast: Ausschreitungen in Nordirland
In Belfast sind Proteste gegen Einwanderung nach einem Messerangriff eskaliert. Der mutmaßliche Täter ist angeklagt. Fragen zu seinem Aufenthaltsstatus beschäftigen das Parlament.
In Belfast kam es nach einem Messerangriff zu gewaltsamen Ausschreitungen im Rahmen von Protesten gegen Einwanderung. Rechtsextreme haben zu den Demonstrationen aufgerufen.
10.06.2026 | 0:19 minIn Teilen Großbritanniens ist es bei Protesten gegen irreguläre Einwanderung zu Ausschreitungen gekommen. Auslöser war eine Messerattacke in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Der Verdächtige stammt laut Polizei aus dem Sudan. In Belfast zündeten Demonstranten am Donnerstag auch einen Bus und mehrere Autos und Mülltonnen an, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten. Auch Gebäude wurden in Brand gesteckt. Bewohner mussten von der Feuerwehr aus brennenden Häusern geholt werden.
Die nordirische Regierungschefin Michelle O'Neill verurteilte die Proteste scharf und rief zur Ruhe auf. "Gruppen maskierter Männer, die Familien aus ihren Häusern vertreiben, indem sie diese niederbrennen - das ist nichts anderes als widerliche Feigheit", schrieb sie im Onlinedienst X.
Michelle O'Neill auf X
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In Southampton versammelten sich Menschen mit britischen Flaggen unter dem Motto "Enough is Enough" (Genug ist genug). Dort war es im Zusammenhang mit einem tödlichen Messerangriff auf einen Studenten erst vergangene Woche zu Ausschreitungen gekommen.
Ein Polizeivideo zeigt, wie Beamte einem sterbenden Studenten Handschellen anlegen, statt zu helfen. Bei Protesten in Southampton werden Polizisten mit Steinen, Flaschen und Mülltonnen beworfen.
03.06.2026 | 2:33 minAngriff ist mitgefilmt worden
Der brutale Angriff in Belfast hatte sich am Montag ereignet und war mitgefilmt worden. Die Aufnahmen verbreiteten sich in den sozialen Medien und lösten landesweit Empörung und Bestürzung aus. Premier Keir Starmer sprach von einer abscheulichen Attacke. Für solche Szenen der Gewalt "auf unseren Straßen" gebe es keine Toleranz, hieß es in der Mitteilung aus seinem Büro. Er rief aber dazu auf, Ruhe zu bewahren und die Polizei ermitteln zu lassen.
Auch andere Politiker und die Polizei appellierten an die Öffentlichkeit, Bilder des Angriffs nicht weiterzuverbreiten, keine Falschinformationen zu streuen und nicht gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu hetzen.
Die EU-Rückführungsverordnung soll Abschiebungen besser koordinieren. Mitgliedstaaten können dafür "gemeinsam Rückführungszentren mit Drittstaaten vereinbaren." - Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration.
02.06.2026 | 6:22 minMutmaßlicher Täter inzwischen angeklagt
Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 30 Jahre alten Mann aus dem Sudan. Er wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt. Das Motiv war zunächst unklar. Es gebe aber keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund, sagte der stellvertretende Polizeichef Ryan Henderson.
Das männliche Opfer im Alter zwischen 40 und 50 Jahren war am späten Montagabend mit schweren Verletzungen im Gesicht, am Hals und am Rücken in ein Krankenhaus gebracht worden. Am Tatort in einem Wohnviertel von Belfast wurde ein Küchenmesser sichergestellt.
Nach dem Angriff kamen umgehend Fragen zum Aufenthaltsstatus des Angreifers auf. Laut der nordirischen Polizei erhielt er im September 2023 ein Visum für fünf Jahre. Er sei vom Sudan erst nach Paris und Dublin gekommen und habe dann in Belfast Asyl beantragt. Der Staatssekretär für Nordirland, Hilary Benn, sagte auf Nachfragen im Parlament, er könne nicht bestätigen, dass der Verdächtige illegal ins Land gekommen sei. Gavin Robinson, Chef der Partei DUP, forderte dennoch eine Eindämmung "unkontrollierter Einwanderung".
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