Ukraine: Selenskyjs Ex-Vertrauter Jermak in U-Haft

Ex-Präsidialamtschef Andrij Jermak:Korruption? Früherer Selenskyj-Vertrauter in U-Haft

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Andrij Jermak galt als rechte Hand von Selenskyj, verhandelte auch um Frieden für die Ukraine. Wegen Korruptionsvorwürfen sitzt er nun in U-Haft. Der Fall erschüttert das Land.

Andrij Jermak (r), früherer ukrainischer Präsidialamtschef, ist während einer Gerichtsverhandlung in einem Gerichtssaal in Kiew zu sehen.

Der frühere ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak muss in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem Geldwäsche vorgeworfen.

14.05.2026 | 0:16 min

Das Oberste Anti-Korruptions-Gericht in der Ukraine hat gegen den früheren Präsidialamtschef Andrij Jermak wegen Vorwürfen der Geldwäsche Untersuchungshaft für zunächst 60 Tage angeordnet. Der 54-Jährige war bis zu seiner Entlassung im November die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er beteuert seine Unschuld.

Er soll als Angehöriger einer organisierten Gruppe an Geldwäsche von umgerechnet fast neun Millionen Euro im Zusammenhang mit einem Luxusbauprojekt in der Nähe Kiews beteiligt gewesen sein. Jermak weist das kategorisch zurück.

Der ehemalige Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros Andrij Yermak nimmt am 13. Mai 2026 an einer Anhörung vor dem Hohen Antikorruptionsgericht der Ukraine in Kyiv teil.

Andrij Yermak bei einer Anhörung vor dem Hohen Anti-Korruptions-Gericht der Ukraine in Kiew.

Quelle: Imago

Rückschlag für Selenskyjs Kampf gegen die Korruption?

Der Fall des nach Selenskyj einst zweitmächtigsten Mannes in Kiew erschüttert die Ukraine. Selenskyj will das Land in die Europäische Union führen und hat nach einer Vielzahl von Finanzskandalen den westlichen Geldgebern einen kategorischen Kampf gegen die Korruption sowie Reformen zugesichert.

Jermak war als Vertrauter Selenskyjs auch lange maßgeblich an den internationalen Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges beteiligt. Seit langem halten sich in Kiew Gerüchte, er lasse sich in der Nähe von Kiew neben anderen eine Residenz bauen in dem Villenviertel "Dynastia" in dem Ort Kosyn.

Nahaufnahme von Jermaks reigniertem Gesichtsausdruck

Die Korruptionskrise in Kiew weitet sich in die höchsten Kreise aus: Nach neuen Durchsuchungen ist Selenskyjs Büroleiter zurückgetreten.

29.11.2025 | 2:03 min

Jermak: Millionen-Kaution wegen Fluchtgefahr

Jermaks Anwalt, Ihor Fomin, warf dem Gericht bei den Anhörungen in dieser Woche vor, es gebe keine Beweise für die Anschuldigungen. Er hatte beantragt, Jermak gegen eine bezahlbare Kaution auf freien Fuß zu setzen. Das Gericht setzte aber umgerechnet 2,72 Millionen Euro an. Im Gerichtssaal gab Jermak an:

Ich habe dieses Geld nicht.

Andrij Jermak

Sollte er die Kaution aufbringen und auf freien Fuß kommen, darf er laut Gerichtsbeschluss Kiew nicht verlassen und muss auch eine elektronische Fessel tragen. Zudem besteht ein Kontaktverbot. Die Staatsanwaltschaft hatte die Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr beantragt. Jermak verfüge über viele Kontakte und habe mehrere diplomatische Pässe, hieß es.

Ukraine-Präsident Selenskyj an einem Tisch mit Regierungsmitgliedern.

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28.11.2025 | 17:32 min

Illegale Gelder für eine luxuriöse Residenz?

Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) berichteten, sie hätten Jermak als Mitglied einer organisierten Gruppe enttarnt. Sie haben demnach 16 Aktenordner mit je 250 Seiten zusammengetragen.

Nach Auffassung des NABU und der SAP soll Jermak gemeinsam mit Geschäftsleuten, darunter dem früheren Selenskyj-Vertrauten Tymur Minditsch und Ex-Vizeregierungschef Olexij Tschernyschow, umgerechnet rund neun Millionen Euro gewaschen haben. Zwischen 2021 und 2025 soll das Geld illegaler Herkunft in den Bau von vier Villen geflossen sein. Eine Residenz war demnach für Jermak gedacht.

Gökdemir-SGS-Lange

Nach dem Rücktritt von Selenskyjs Büroleiter Jermak gelte es, "schnell einen Nachfolger zu finden und wieder Vertrauen aufzubauen", so Sicherheitsexperte Nico Lange.

29.11.2025 | 4:38 min

Durchsuchung bei Andrij Jermak im November

NABU und SAP hatten bereits im November mitgeschnittene Gespräche zu Schmiergeldzahlungen im Energiesektor veröffentlicht. Es gab mehrere Festnahmen. Jermak hatte sich - anders als von vielen erwartet - nach den Durchsuchungen bei ihm im November und seiner Entlassung nicht ins Ausland abgesetzt. Er arbeitet seit März in der Nationalen Vereinigung der Rechtsanwälte.

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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress im Beitrag "Ukraine: Ex-Präsidialamtschef in U-Haft" am 14.05.2026 um 14:35 Uhr.
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