AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Wie Trump und Europa reagieren

Trump und Europas Rechtspopulisten :"Politische Mitte steht auf Treibsand"

von Narîn Şevîn Doğan

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Das AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt verschärft die Diskussion über Rechtspopulismus und Europas politische Zukunft. Die Debatte der ZDF-Korrespondenten im auslandsjournal Podcast.

Donald Trump mit erhobener Faust als Schattenriss vor US-Flagge, darunter Schriftzug: "Der Trump Effekt - Angriff der Rechtspopulisten", rechts im Bild Nahaufnahme von Putin

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der weltweite Zuwachs rechtspopulistischer Kräfte erschüttert die demokratische Mitte. Die internationalen Reaktionen.

09.09.2026 | 61:45 min

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ist die AfD mit 43,8 Prozent als stärkste Kraft hervorgegangen. Wahrscheinlich noch nie wurde ein Ergebnis einer deutschen Landtagswahl in dieser Breite international so schnell kommentiert und bewertet. Die Dimension des Wahlergebnisses freut die einen und besorgt die anderen. In der aktuellen Folge des auslandsjournal-Podcasts "Der Trump-Effekt" ordnen die ZDF-Korrespondenten Katrin Eigendorf, Elmar Theveßen und Ulf Röller die Reaktionen und das Ergebnis ein.

Trump und sein Umfeld gratulieren der AfD

In den USA sei die Wahl von großen Medien besprochen worden, sagt Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter in Washington: "In der Tat haben wir hier gesehen, dass der Beifall natürlich vor allem aus den Kreisen der Trumpisten in den USA kam." Auch Trump hatte sich auf seiner Plattform Truth Social positiv geäußert und geschrieben, dass die AfD "einen wirklich großen Abend hinter sich" habe.

Elon Musk im Wahlkampf der AfD

Der AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt löst im Ausland unterschiedliche Reaktionen aus. Es gibt zum einen Glückwünsche, aber auch Sorgen und Warnungen.

07.09.2026 | 1:51 min

Theveßen führt den Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte auf mehrere Krisen und Enttäuschungen zurück. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 seien Ängste vor Zuwanderung gewachsen. Die Finanzkrise 2008, 2009 habe bei vielen Menschen das Gefühl verstärkt, im Stich gelassen zu werden. Später seien die Migrationskrise und die Corona-Pandemie hinzugekommen. Daraus sei die Überzeugung entstanden, die politisch Verantwortlichen handelten nicht im Interesse der Bevölkerung. Die Behauptung eines jahrzehntelangen umfassenden Staatsversagens bezeichnet Theveßen dennoch als "puren Blödsinn".

Aber wir haben es nicht mit einem Deutschland am Abgrund zu tun oder einem Europa am Abgrund.

Elmar Theveßen, Leiter ZDF-Studio Washington

"Die AfD sind die rechtspopulistischen Schmuddelkinder in Europa"

In Europa äußerten sich insbesondere Rechtspopulisten positiv über den Wahlsieg der AfD. Für die rechtspopulistische Bewegung sei das Ergebnis nach Ansicht des Brüsseler ZDF-Korrespondenten Ulf Röller wie ein "Vitaminstoß".

Extremistische Parteien kommen über die Emotionen. Ich habe Emotionen und damit gewinne ich den Wahlkampf.

Ulf Röller, ZDF-Leiter Studio Brüssel

Herbert Kickl von der FPÖ sagte in einem Interview: "Es war gestern ein großartiges Lebenszeichen der Demokratie in Deutschland. Es war fantastisch, dass sich so viele Menschen für die AfD entschieden haben." Gratuliert hat auch Viktor Orbán.

Montage: frontal-Design, Timo Chrupalla, Ulrich Siegmund, Alice Weidel

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und dem Siegesrausch der AfD beschäftigt sich "frontal" mit dem politischen Wahlbeben, den Folgen - und der Frage nach möglichen Machtoptionen.

08.09.2026 | 45:24 min

Gleichzeitig könne man nicht von einem einheitlichen Block der Rechtspopulisten in Europa sprechen. Die rechten Parteien verbünden zwar einige Themen wie Migration und die Ukraine-Politik, aber bei Wirtschafts- und Europafragen gebe es dagegen Unterschiede. Mit der AfD wollten nicht alle in Verbindung gebracht werden. Röller verweist auf die FPÖ und den französischen Rassemblement National, die Abstand zur AfD hielten und sagt: "Die AfD sind die rechtspopulistischen Schmuddelkinder in Europa, mit denen die anderen Rechtspopulisten, die an die Macht kommen wollen, wirklich nichts zu tun haben wollen, weil sie glauben, eine gewisse Radikalität, vielleicht noch made in Germany, ist schädlich in ihrer populistischen Bewegung."

Auch in Russland freut man sich über die Entwicklungen in Deutschland. Die internationale Sonderkorrespondentin Katrin Eigendorf erklärt im Podcast: "Teile der russischen Elite sind jetzt schon sehr schnell dabei, darüber nachzudenken, wie man mit der AfD sehr schnell wieder zu wirtschaftlichen Vereinbarungen kommen kann."

Ich bin überzeugt, dass jeder, der der russischen Elite angehört, sehr gebannt verfolgt hat, wie diese Wahlen verlaufen sind.

Katrin Eigendorf, internationale Sonderkorrespondentin des ZDF

Dennis Radtke (CDA): Zäsur für gesamte politische Mitte in Deutschland

Dennis Radtke, der Bundesvorsitze der CDA, spricht in einem Statement zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt von einer Zäsur für die gesamte politische Mitte in Deutschland.

07.09.2026 | 4:13 min

Die politische Mitte gerät ins Wanken

Besonders die Parteien, die politisch in der Mitte stehen, verlieren Stimmen an die Ränder. Katrin Eigendorf fragt, ob es nicht an der Zeit sei, darauf zu gucken, wo die etablierten Parteien Kurskorrekturen vornehmen müssten. Bisher stehe die politische Mitte aus der Sicht von Ulf Röller "auf Treibsand", weil sie noch keine überzeugende Antwort auf den Aufstieg dieser Parteien gefunden habe.

Sie müssen mit besseren Konzepten daherkommen und das haben die großen Parteien in den letzten Jahren meiner Meinung nach versäumt.

Elmar Theveßen, Leiter ZDF-Studio Washington

Gleichzeitig gebe es aber auch eine ganze Menge Belege dafür, dass das Untergangsbild, das die AfD zeichnet, so nicht stimmt, erklärt Elmar Theveßen. Nach Ansicht Theveßens enthält das AfD-Programm auch "eindeutig demokratie- und verfassungsfeindliche und grundrechtefeindliche" Elemente. Am Ende erklärt Theveßen, was für die USA, Europa und Deutschland vor allem wichtig ist: "Es braucht eine Vision, eine Strategie, Maßnahmen und ein überzeugendes Narrativ, das adressiert, dass die Grundbedürfnisse der Wähler, der Menschen im Land tatsächlich mit einer guten Politik abgedeckt werden."

Narîn Şevîn Doğan ist Redakteurin und Reporterin der ZDF-Sendung auslandsjournal.

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Über dieses Thema berichtete der Podcast "Der Trump-Effekt" online ab 9.9.2026 um 19:00 Uhr.

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