Prozess um Social-Media-Sucht:Zuckerberg räumt Schwächen ein, aber verteidigt Meta-Konzern
Im Prozess um die Gefährdung Minderjähriger gestand Meta-Chef Zuckerberg Mängel bei der Alterskontrolle ein. Suchtvorwürfe gegen Instagram und Co. wies der Konzern zurück.
Eine Nutzerin klagt, Tech-Konzerne gestalteten soziale Medien absichtlich auf eine Weise, die User abhängig macht. Dazu sagt in Los Angeles Meta-Chef Zuckerberg vor Gericht aus.
18.02.2026 | 2:06 minFacebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte zum Prozessauftakt um eine mutmaßliche Gefährdung von Kindern durch soziale Medien aus. Er beantwortete am Mittwoch vor Gericht in Los Angeles Fragen über die Vorgehensweise seines Unternehmens. Ein Überblick:
Zuckerberg räumt Mängel bei Alterskontrolle auf Instagram ein
Zuckerberg räumte vorübergehende Mängel bei der Alterskontrolle in sozialen Netzwerken seines Konzerns ein. Der Meta-Chef sagte aus, dass die Foto- und Videoplattform Instagram minderjährige Nutzerinnen und Nutzer in der Vergangenheit nur schleppend identifiziert habe.
Als erstes Land der Welt hat Australien im Dezember 2025 ein Social-Media-Mindestalter von 16 Jahren eingeführt. Rund 4,7 Millionen Nutzerkonten wurden deaktiviert.
23.01.2026 | 1:35 minEr bedauerte, dass auf Instagram zum Teil auch Kinder unter 13 Jahren zugreifen, obwohl das gegen die Nutzungsbedingungen verstößt. Ihre Accounts würden entfernt, wenn dies auffalle, sagte er dem Fernsehsender CNBC zufolge. Inzwischen sei alles "auf dem richtigen Stand", so Zuckerberg.
Im Prozess waren Zuckerberg Beweise vorgelegt worden, die darauf hindeuten sollen, dass Kinder unter 13 eine wichtige Zielgruppe für das Unternehmen seien. Zuckerberg verwies bei dem Vorwurf auf die Nutzungsbedingungen.
Klägerin wirft Meta und Google gezielte Suchtmechanismen vor
In dem Prozess wirft die 20-jährige Klägerin, die nur unter den Initialen KGM auftritt, Online-Plattformen vor, sie hätten ihre Dienste absichtlich so gestaltet, dass Nutzende süchtig danach werden.
Dabei geht es zum Beispiel um die Funktion, bei der man immer weiter zum nächsten Beitrag weiterscrollen kann. Die Frau fing ihren Angaben zufolge bereits als Kind an, die Plattformen zu nutzen - und führt ihre Depressionen und Angstzustände darauf zurück.
Sucht-Symptome seien Kontrollverlust, Unbelehrbarkeit und die komplette Ausrichtung des Alltags auf Social Media, sagt Psychologe Christian Montag bei ZDFheute live.
18.02.2026 | 12:01 minDer Anwalt der Klägerin, Mark Lanier, hatte zum Auftakt des Zivilverfahrens argumentiert, Internetkonzerne wie Meta und Google hätten mit Social-Media-Apps "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Ihnen sei es darum gegangen, sie möglichst lange auf den Plattformen zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern.
Meta-Anwälte: Probleme der Klägerin gingen auf Misshandlungen und Familienverhältnisse zurück
Meta wies bereits zu Beginn des Verfahrens jegliche Verantwortung von sich. Die Geschworenen stünden in Los Angeles vor der Frage, ob Instagram ein wesentlicher Faktor für die psychischen Probleme der Klägerin gewesen sei, hieß es in einer Stellungnahme des Konzerns. Zu Prozessbeginn hatten die Meta-Anwälte argumentiert, die psychischen Probleme der Klägerin gingen auf Misshandlungen und instabile Verhältnisse in der Familie zurück.
Vor Zuckerberg hatte bereits der Chef von Instagram, Adam Mosseri, ausgesagt. Er bestritt, dass bei Menschen eine Suchterkrankung durch Social Media möglich sei. Instagram bemühe sich sehr um den Schutz junger Nutzerinnen und Nutzer, sagte er. Meta verweist auch auf über die Jahre eingeführte Maßnahmen zum Schutz junger Nutzer wie spezielle Accounts für Teenager und Aufsichtsfunktionen für Eltern.
Auf EU-Ebene soll eine Kommission Vorschläge für ein Social-Media-Verbot vorlegen, so ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers. Das heiße aber nicht, dass ein Verbot auch kommt.
18.02.2026 | 1:34 minGoogle-Dienst Youtube hält sich nicht für soziales Netzwerk
Die Klage richtet sich auch gegen Googles Videoplattform Youtube. Ein Anwalt der Google-Videoplattform Youtube wies die Vorwürfe zurück. Die Klägerin sei nicht süchtig nach Youtube - und die Plattform gehöre auch nicht zur Kategorie soziale Medien, sondern sei eher ein Streaming-Dienst wie Disney+ oder Netflix, sagte er Medienberichten zufolge.
Auch gebe es keine Hinweise auf exzessiven Konsum von Youtube-Videos durch die Klägerin. Von 2020 bis 2024 habe sie im Schnitt 29 Minuten pro Tag die Plattform genutzt, sagte er der Website "Courthouse News Service" zufolge.
Die Unternehmen hinter den ursprünglich ebenfalls verklagten Konkurrenten Snapchat und Tiktok waren durch einen Vergleich dem Prozess entgangen. Meta und Google müssen sich erstmals vor einer Jury vor Gericht verantworten.
Plattformen gehe es um Gewinnmaximierung. Deshalb sei es nötig, Social Media gesetzlich zu regulieren. Zusätzlich brauche es Medienkompetenzunterricht, sagt Suchtexperte Manfred Patzer-Bönig.
18.02.2026 | 13:19 minProzess gegen Meta und Google könnte Signalwirkung haben
Der Ausgang des Verfahrens könnte wegweisende Wirkung für Hunderte weitere Klagen ähnlicher Art haben. Auch das Geschäft der Plattformbetreiber und ihr Umgang mit minderjährigen Usern könnte dadurch beeinflusst werden.
Experten sehen Parallelen zu bahnbrechenden Prozessen um die Tabakindustrie, die 1998 zu einer Einigung führten, wonach Zigarettenhersteller Milliarden Dollar zahlen und Schritte unternehmen mussten, damit sich ihr Marketing nicht an Minderjährige richtete.
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