Debatte um Online-Jugendschutz :Merz signalisiert Offenheit für Social-Media-Verbot
Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt Überlegungen zu strengeren Regeln für Jugendliche im Umgang mit sozialen Medien. Er sieht Potenzial in Vorschlägen aus CDU und SPD.
Eine immer ausgedehntere Social-Media-Nutzung sei "für viele Kinder und Jugendliche mit negativen Konsequenzen, vor allem für die psychische Gesundheit, verbunden" und deshalb "ein Verbot die richtige Wahl", erklärt Psychologin Isabel Brandhorst.
17.02.2026 | 8:53 minBundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich offen für ein mögliches Social-Media-Verbot für Minderjährige. Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten von jungen Menschen dürften keine Verwunderung auslösen, "wenn Kinder heute im Alter von 14 Jahren bis zu fünf Stunden und mehr Bildschirmzeit haben am Tag, wenn die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet", sagte Merz dem Politik-Podcast "Machtwechsel".
Für den am Freitag beginnenden CDU-Parteitag liegt ein Antrag aus dem Landesverband Schleswig-Holstein vor. Der empfiehlt, das Mindestalter für die Nutzung von Instagram, Tiktok, Facebook und Co. auf 16 Jahre festzusetzen, "begleitet von einer verpflichtenden Altersverifikation".
10- bis 17-Jährige verbringen täglich mehrere Stunden in sozialen Medien. Über 1,3 Millionen von ihnen zeigen laut Studie bereits ernsthafte Probleme im Alltag.
17.02.2026 | 1:59 minMerz unterstützt Idee der Altersgrenze für soziale Medien
Der CDU-Chef sagte, er habe viel Sympathie für den Vorschlag und auch für jenen aus der SPD. Führende Sozialdemokraten hatten ein Papier mit konkreten Vorschlägen zur Umsetzung eines Verbots vorgelegt. Kern ist ein nach Altersgrenzen abgestuftes Modell, das ein vollständiges Verbot für Kinder unter 14 Jahren beinhaltet.
Eigentlich sei er bei Verboten sehr zurückhaltend, sagte Merz. Aber:
Im Vordergrund muss stehen, wie schütze ich die Kinder in einem Alter, in dem sie auch Zeit haben müssen, zu spielen, zu lernen, sich in der Schule zu konzentrieren.
Friedrich Merz, Bundeskanzler
Er sei zwar der Meinung, Kinder sollten in der Schule den Umgang mit elektronischen Medien lernen: "Aber das Argument, man muss Kinder heranführen, damit sie es können, trägt ehrlich gesagt nicht", betonte Merz. Er argumentierte: "Dann müssten sie auch Alkohol schon in der Grundschule ausgeben, damit sie sich daran gewöhnen."
Die SPD fordert in einem Impulspapier ein Social-Media-Verbot für Kinder. Die Partei schlägt darin eine Altersabstufung und ein vollständiges Verbot für unter 14-Jährige vor.
16.02.2026 | 0:24 minKanzleramtschef Frei: "Das Thema treibt uns um"
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) rechnet beim CDU-Parteitag in Stuttgart mit einer breiten Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Jugendliche.
"Das Thema treibt uns um. Wir müssen eine gesunde Balance finden, um auf der einen Seite Heranwachsende vor Hass, Desinformation und psychischen Belastungen zu schützen und ihnen auf der anderen Seite die Möglichkeit bieten, die Medienkompetenz zu stärken und digitale Chancen zu nutzen", sagte Frei der "Rheinischen Post".
Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt: Mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen nutzen soziale Medien in riskantem oder krankhaftem Ausmaß. Hunderttausende gelten als suchtkrank.
16.02.2026 | 0:42 minMehr zum Thema Social Media Verbot
- Interview
Erfahrungen mit Altersgrenze in Australien:"Sozialen Medien den Zugang zu unseren Kindern verbieten"
mit Video2:38 Kein TikTok, Instagram und Snapchat:Fünftklässler ohne Social Media: Solingen zieht Bilanz
von Nina Feldmannmit Video2:52Ein Lehrer mit Herz und Hashtags:Lehrer Reff zwischen Klassenzimmer und Social Media
von Marina Fuhrmit Video28:36