Jürgen Habermas: Philosoph im Alter von 96 Jahren gestorben

Weltbekannter Philosoph und Soziologe:Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren gestorben

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Der bekannte Denker, Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Das teilte der Verlag Suhrkamp mit.

Jürgen Habermas 2018

Der weltbekannte Philosoph und Soziologe ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Er hat die Debatten der alten Bundesrepublik wie kaum ein anderer geprägt. Ein Nachruf.

14.03.2026 | 6:27 min

Jürgen Habermas ist tot. Der Philosoph und Soziologe starb am Samstag im Alter von 96 Jahren in Starnberg, wie eine Sprecherin des Suhrkamp-Verlags mitteilte. Sie berief sich auf Angaben von Habermas' Familie.

Wichtigster deutscher Philosoph der Gegenwart

Habermas galt als wichtigster deutscher Philosoph der Gegenwart und genoss internationale Anerkennung. Bekannt war er auch als streitbarer Intellektueller, der sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder in politische Debatten einschaltete. "Öffentliches Engagement" sei "die wichtigere Aufgabe der Philosophie", stellte Habermas einmal klar.

Der Philosoph Jürgen Habermas bei einer Pressekonferenz im Heinrich-Heine-Institut.

Er galt als einflussreichster deutscher Philosoph der Gegenwart: Jürgen Habermas ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Als Hauptwerk gilt seine "Theorie des Handelns".

14.03.2026 | 2:00 min

Bekannt wurde Habermas 1962 mit seiner Habilitationsschrift "Strukturwandel der Öffentlichkeit", in der er sich mit der frühbürgerlichen Gesellschaft auseinandersetzte. Großen Anklang fanden seine Thesen bei der antiautoritären 68er-Studentenbewegung, zu deren radikalen Vertretern er jedoch bald auf Distanz ging.

Merz: "Seine Stimme wird fehlen"

Von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hieß es zum Tod von Habermas:
"Deutschland und Europa haben einen der bedeutendsten Denker unserer Zeit verloren. Jürgen Habermas hat mit Weitblick und historischer Größe politische und gesellschaftliche Entwicklungen begleitet."

Seine analytische Schärfe prägte weit über die Grenzen unseres Landes hinaus den demokratischen Diskurs und wirkte wie ein Leuchtfeuer in tosender See.

Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler

Weiter hieß es: "Seine soziologische und philosophische Arbeit prägte Generationen von Forschern und Denkern. Für unser Gemeinwesen war Habermas' intellektuelle Eindringlichkeit und seine Liberalität unersetzlich - sein Wort war Maßstab und Herausforderung in einem. Seine Stimme wird fehlen."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in einer Kondolenz an die Familie des Wissenschaftlers:

Mit Jürgen Habermas verlieren wir einen großen Aufklärer, der die Widersprüche der Moderne durchmessen hat.

Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er "maßgeblich dazu beigetragen, dass die intellektuelle Öffnung unseres Landes für die politische Kultur des Westens nach dem Zweiten Weltkrieg gelang". Damit sei der Weg zu einer gefestigten Demokratie geglückt." Leidenschaftlich hat er sich für die Überwindung von Nationalismus, für die europäische Einigung als Lehre aus Krieg, Völkermord und totalitärer Herrschaft eingesetzt", schrieb Steinmeier. Zuletzt habe er Europa angesichts der bedrückenden weltpolitischen Lage eindringlich gemahnt, als weltpolitischer Akteur handlungsfähiger zu werden.

Porträtfotografie des Publizisten und Philosophen Wolfram Eilenberger.

Kulturzeit-Gespräch mit dem Philosophen Eilenberger über Werk und Wirken des Philosophen und Soziologen Habermas.

18.06.2019 | 5:25 min

Habermas: Singularität des Holocaust

1986 löste Habermas den so genannten Historikerstreit mit aus. Er verteidigte damals die historische Singularität des Holocausts gegen Relativierungsversuche rechtskonservativer Historiker. Aus dem bayerischen Starnberg, wo er seit Jahrzehnten lebte, meldete sich Habermas bis zuletzt regelmäßig zu Wort.

Im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stießen zwei Beiträge in der "Süddeutschen Zeitung" auf Beachtung, in denen der emeritierte Frankfurter Professor für eine rechtzeitige Verhandlungslösung plädierte.Neben zeitgeschichtlichen Ereignissen wie dem Kosovo-Krieg oder der Migrationskrise 2015 war es immer wieder auch der Zustand Europas, der Habermas zu Kommentaren, Zwischenrufen oder Mahnungen anregte.

Mit Blick auf die Europäische Union kritisierte er wiederholt deren "politische Eliten" und sprach sich für eine stärkere Einbeziehung der Bevölkerung in den europäischen Einigungsprozess aus. Zudem setzte er sich früh für eine europäische Verfassung ein und unterstrich die Notwendigkeit einer europäischen Öffentlichkeit.

Geboren wurde Habermas 1929 als Bürgersohn in Düsseldorf, er wuchs in Gummersbach auf. 1949 begann der knapp 20-Jährige sein Philosophiestudium in Göttingen. Die von ihm als autoritär bis lähmend empfundene Nachkriegsgesellschaft ließ ihn früh von einem demokratischen Neuanfang träumen. "Für mich war Demokratie das Zauberwort", sagte er mit Blick auf seine Studienzeit in einer 2014 beim Suhrkamp-Verlag erschienenen Biografie.

Wichtige Werke










Quelle: ZDF, epd, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 14.03.2026 ab 15:10 Uhr.

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