Trumps unvorhersehbare Zollpolitik:US-Zölle: Drei Probleme, mit denen ein Maschinenbauer kämpft
von Max Schwarz
Vor einem Jahr startete Donald Trump am "Liberation Day" einen wirtschaftlichen Rundumschlag. Seine Zölle treffen fast alle, Deutschland besonders. Ein Fall aus Baden-Württemberg.
Seit Trumps Zollpolitik geraten Exporte spürbar unter Druck. US-Zölle treiben Maschinenpreise nach oben. Hersteller berichten von Unsicherheit, weniger Aufträgen und wachsender Bürokratie.
30.03.2026 | 3:33 minFamilienunternehmen, mehr als 100 Jahre Tradition, Weltmarktführer: Die Firma Arburg aus Baden-Württemberg steht sinnbildlich für das deutsche Wirtschaftsmodell. Im Schwarzwald baut das Unternehmen Spritzgussmaschinen und verkauft sie weltweit. Die USA waren lange der wichtigste Auslandsmarkt und Wachstumstreiber - mit einem Anteil von 20 Prozent.
Doch seit Donald Trump vor einem Jahr die Welt mit Zöllen überzog, hat sich das Geschäft spürbar verändert. Wie genau, erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung ZDFheute an drei Punkten.
Maschine kostet bis zu 11.200 Euro mehr
Viele amerikanische Kunden seien durch die Zollpolitik extrem verunsichert, berichtet Volker Nilles.
Projekte werden verschoben, Entscheidungen nicht getroffen, weil die Unternehmen in den USA hoffen, dass sich die Situation wieder verbessert.
Dr. Volker Nilles, Vorsitzender der Geschäftsführung Arburg
Vor einem Jahr verkündete Trump seine Zoll-Offensive gegen fast die ganze Welt. Was sie unterm Strich erreicht hat.
29.03.2026 | 9:59 minManche Vorhaben seien nicht mehr wirtschaftlich und würden ganz gestrichen. Nilles erklärt das an einer Maschine seines Unternehmens: Sie kostet normalerweise zwischen 60.000 und 70.000 Euro. "Aktuell haben wir eine Zollbelastung in den USA von 16 Prozent. Davon sind 10 Prozent direkte Zölle und nochmal 50 Prozent auf alles, was aus Stahl und Aluminium ist", so Nilles. Das heißt: Trumps Zölle verteuern diese Maschine in den USA um bis zu 11.200 Euro. Ein Preisaufschlag, den Weltmarktführer Arburg komplett an seine US-Kunden weitergibt.
Aus diesem Grund würden vor allem die Amerikaner selbst unter den Zöllen leiden, erklärt der Ökonom Achim Wambach gegenüber ZDFheute:
Die Politik funktioniert nicht. Die ganzen Zolleinnahmen von mehr als 200 Milliarden tragen fast alle die amerikanischen Kunden. Die Inflation ist immer noch recht hoch.
Prof. Achim Wambach, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
Das EU-Parlament unterstützt die zeitweise Abschaffung von Zöllen auf US-Industrieprodukte. Im Gegenzug sollen US-Zölle auf EU-Waren maximal 15 Prozent begrenzt werden.
26.03.2026 | 0:32 minWachsende Bürokratie für Zollnachweise
Noch schwerer als die Zölle selbst wiegen für Volker Nilles die ständigen Drohungen, Änderungen und Ausnahmen - und die wachsende Bürokratie. Denn die USA verlangen strenge Nachweise für Stahl und Aluminium. Das treibt die Kosten nach oben.
Warum, zeigt Nilles erneut an einer Maschine seines Unternehmens: Sie besteht aus 15.000 Teilen, darunter 2.000 verschiedene.
Wir müssen für jedes Teil klären: Wie hoch ist der Stahlanteil? Woher kommt der Stahl? Dafür brauchen wir Zertifikate - und müssen die ständig wechselnden Zollsätze berechnen.
Dr. Volker Nilles, Vorsitzender der Geschäftsführung Arburg
Wie treffen Trumps Strafzölle deutsche Mittelständler in den USA?
20.01.2026 | 2:31 minVerschärfter Wettbewerb, Rückforderungen von Kunden
Seit einem Urteil des Supreme Courts gilt seit Februar für die meisten Importe in die USA nur noch ein Basiszoll von 10 Prozent.
Das klingt nach Entlastung für deutsche Unternehmen wie Arburg. Im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern setzt es sie jedoch unter Druck - denn die Konkurrenz produziert deutlich günstiger. "Zudem sind wir jetzt mit Rückforderungen unserer Kunden konfrontiert, obwohl wir noch selbst gar keine Erstattung der Zölle erhalten haben", so Nilles.
Nach acht Jahren haben sich die EU und Australien geeinigt - ein geopolitischer Schachzug gegen Trumps Zölle und Chinas Einfluss, ergänzt durch eine neue Sicherheitspartnerschaft.
24.03.2026 | 2:46 minUmso wichtiger seien daher nun die neuen Handelsabkommen der EU - etwa mit Australien, Indien oder Südamerika.
Und der Ökonom Achim Wambach ergänzt:
Europa ist endlich aufgewacht und hat verstanden, dass es sich nicht alleine auf die USA und China verlassen kann.
Prof. Achim Wambach, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)
Bei der Suche nach neuen Handelspartnern habe Europa gute Chancen, sagt Wambach, denn: "Südamerika handelt doch lieber mit Europa als mit den USA. Dort müssen Länder jederzeit mit Strafzöllen rechnen, wenn es amerikanischen Präsidenten nicht passt."
Max Schwarz ist Reporter im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
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