Schwerste Krise seit Jahrzehnten :Kuba im Durchhaltemodus: Folgen des US-Embargos
von Steffanie Riess
Das Leben auf Kuba steht weitgehend still. Tagelange Stromausfälle, Treibstoffmangel, Nahrungsmittelknappheit. Die USA unter Trump erhöhen den Druck weiter. Eine Nation am Limit.
Kuba befindet sich in einer schweren Krise - geprägt von Stromausfällen, Treibstoffmangel und Lebensmittelknappheit. Gleichzeitig erhöhen die USA den politischen und wirtschaftlichen Druck.
25.03.2026 | 6:08 minKurz nachdem die USA im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro gefangen und die Kontrolle über die Ölexporte des Landes übernommen hatten, erklärte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform "Truth Social", dass auch Kuba bald fallen werde. Er forderte das kubanische Regime auf, "einen Deal zu machen, bevor es zu spät ist". Und kündigte gleichzeitig das Ende aller Öllieferungen nach Kuba an.
Schwerste Krise in Kuba seit Jahrzehnten
Seither erreicht praktisch kein Öl den Inselstaat, denn Venezuela war Kubas wichtigster Öllieferant. Anderen Ländern droht Trump mit der Verhängung von Strafzöllen, sollten sie die Sanktionen umgehen.
Politisch liegen Welten zwischen den Staaten am Golf von Mexiko. Kuba leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Das Grafikvideo erklärt die schwierige Lage dort.
24.03.2026 | 1:21 minDie Auswirkungen sind weitreichend: Der Treibstoffmangel führt zu tagelangen Stromausfällen, an den Tankstellen gab es zunächst kaum, jetzt praktisch gar kein Benzin. Der öffentliche Verkehr ist zum Erliegen gekommen, auch der Transport von Waren ist gestört, was die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln erschwert.
Der Müll wird nicht mehr eingesammelt und verrottet in stinkenden Haufen auf den Straßen. Es gibt Engpässe bei der Wasserversorgung und im Gesundheitssystem. Das Land ist im Ausnahmezustand.
Auswirkungen auch auf den Tourismus
Auch der Tourismus - eine wichtige Einnahmequelle sowohl für den Staat als auch viele Kubaner - ist von den Stromausfällen und Versorgungsengpässen betroffen; die Besucherzahlen gehen stetig zurück. Am 3. März sprach das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus: Von Reisen nach Kuba "wird derzeit dringend abgeraten".
Die Trump-Regierung will das Regime in die Knie zwingen. Das sozialistische Kuba, nur 150 Kilometer von der Küste Floridas entfernt, ist den Vereinigten Staaten schon lange ein Dorn im Auge. Zudem ließ Trump die sogenannte "Monroe Doktrin" wieder aufleben, welche auf die US-Vorherrschaft in der "westlichen Hemisphäre" abzielt.
US-Außenminister Marco Rubio ist der Sohn kubanischer Einwanderer und der Hauptarchitekt der jetzigen Kuba-Politik. Laut US-Regierung führt er Verhandlungen mit der kubanischen Führung, Details sind allerdings bisher nicht bekannt.
US-Präsident Trump hat angekündigt, sich nach Ende des Iran-Konflikts mit Kuba befassen zu wollen. Das Land, das unter US-Sanktionen und massiven Stromausfällen leidet, wolle unbedingt einen Deal.
06.03.2026 | 0:20 minOffiziell geben sich beide Regierungen kämpferisch. Während Donald Trump davon spricht, dass er wohl die "Ehre haben werde, Kuba zu übernehmen" und "alles damit machen könne, was er wolle", verkündet der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel auf X: "Jeder äußere Aggressor wird auf unerschütterlichen Widerstand stoßen."
Kubaner sind Umgang mit Mangel gewohnt
Doch wie lange der jetzige Zustand tatsächlich aufrechterhalten werden kann, ist offen. Kubaner sind es gewohnt, mit Mangel umzugehen - die Menschen passen sich an die Umstände an. Wenn der Strom ausfällt, wird auf dem Holzfeuer gekocht, Pferdekarren werden für den Transport genutzt, und wer kann, baut selbst Nahrungsmittel an.
Es gibt bereits erste Proteste gegen die prekäre Versorgungslage. Mitte März schlug ein lokaler Protest östlich von Havanna in Gewalt um - wütende Demonstranten verwüsteten ein Büro der Kommunistischen Partei. In einem Land, in dem Dissens rigoros unterdrückt wird, ist es unwahrscheinlich, dass es zu großen Massenprotesten oder gar einem Umsturz durch das Volk kommt. Dennoch: Die Unzufriedenheit der Menschen ist bemerkbar und es ist davon auszugehen, dass auch das Regime den Druck spürt.
In Kuba hat es am 22. März einen landesweiten Stromausfall gegeben, den zweiten binnen einer Woche. Kubas Stromnetz ist marode, das Land leidet zudem unter der US-Blockade für Öllieferungen.
22.03.2026 | 0:16 minDurchhalteparolen für das Volk
Bisher soll das Volk mit den alten Durchhalteparolen an der Stange gehalten werden. "Aquí no se rinde nadie" - "Hier gibt niemand auf" - ein Schlachtruf aus den Zeiten der Revolution steht nach wie vor auf riesigen Plakaten im ganzen Land. Wie lange die kubanische Regierung den Spagat zwischen "Bravado" ("Unerschrockenheit") nach außen und sich immer weiter verschlechternden Bedingungen im Inneren noch hinbekommt, ist die eine Frage.
Die andere ist, ob der Iran-Konflikt Trumps Appetit auf weitere "foreign entanglements" eher stärkt oder schwächt - denn auch er bekommt von seiner Basis verstärkt zu hören, dass er doch eigentlich ein Ende solcher Einmischung in Angelegenheiten anderer Länder in Aussicht gestellt hat. Die Zukunft Kubas könnte davon abhängen.
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