Geopolitik-Experte Fischer ordnet ein:Trumps Drohung gegen Kuba: "Versuch eines Befreiungsschlags"
Droht Kuba ein Eingreifen der USA? Geopolitik-Experte Klemens Fischer ordnet Trumps Motive ein und erklärt, warum die Lage brisant bleibt.
Während Trump eine mögliche Übernahme Kubas andeutet, steckt der Karibikstaat tief in der Krise. Welchen Plan verfolgt der US-Präsident? ZDFheute live ordnet ein.
17.03.2026 | 13:49 min"Übernehmen" die USA den benachbarten Inselstaat Kuba? Diese unverhohlene Drohung hat Donald Trump im Weißen Haus selbst ausgesprochen. Er glaube, dass er die "Ehre haben werde, Kuba zu übernehmen", sagte der US-Präsident. "Ich glaube, ich könnte damit machen, was ich will."
Nach dem militärischen Eingreifen in Venezuela und dem Krieg in Iran fürchten Beobachter eine weitere Eskalation "im Hinterhof" der Vereinigten Staaten. Oder ist das einmal mehr nur Säbelrasseln?
Im Interview mit ZDFheute live analysiert Klemens Fischer, Professor für internationale Beziehungen und Geopolitik an der Uni Köln, die aktuelle Lage.
Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge daraus.
Das sagt Fischer...
... über Trumps Kuba-Absichten
Die Andeutungen des US-Präsidenten zu einer "Übernahme" Kubas sei "die klassische Rhetorik von Trump", betont Fischer. Die angedrohte Übernahme als "große Ehre" zu bezeichnen, sei darüber hinaus "schon sehr zynisch". Diese Rhetorik solle man zwar nicht auf die Goldwaage legen. Der Experte glaubt aber auch nicht, dass es nur leere Worte des US-Präsidenten sind:
Auf der anderen Seite ist es strategisch für ihn in der derzeitigen Lage möglicherweise der Versuch eines Befreiungsschlags, nachdem es gerade im Iran nicht so läuft, wie er wollte.
Klemens Fischer, Uni Köln
Trump suche eine Möglichkeit, "sich doch als siegreicher Kriegsherr darzustellen". Zudem sei es "natürlich immer schon ein Dorn im Auge der USA gewesen", mit Kuba eine Insel direkt "im Hinterhof" zu haben, die Amerika trotze. "Dass ein amerikanischer Präsident ein kommunistisch-ähnliches System nicht als gut bezeichnen kann, ist völlig klar", so Fischer.
Ende Februar hatte es vor der Küste Kubas einen Schusswechsel mit mehreren Toten gegeben. Laut Kubas Innenministerium soll ein in den USA registriertes Schnellboot den kubanischen Grenzschutz angegriffen haben.
26.02.2026 | 0:27 minAndererseits habe sich Kuba unter den vergangenen Regierungen "langsam in eine liberalere westliche Ordnung" bewegt. So könne sich die Bevölkerung beispielweise freier bewegen. Das aus US-Sicht erfolgreiche Vorgehen in Venezuela bestärke Trump dennoch, bei Kuba auf einen ähnlichen Erfolg hoffen zu können.
... ist Professor für internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität Köln. Er hat jahrzehntelange Erfahrung als Diplomat in der internationalen Politik und war von 1993 bis 2022 für die österreichische EU-Botschaft in Brüssel tätig. Fischer publiziert unter anderem zu europäischem und internationalem Recht, internationalen Beziehungen, Sicherheitspolitik und Lobbying.
Quelle: Austrian Institute for European and Security Policy (AIES)
... die Optionen der kubanischen Regierung
Kuba kämpft mit einer massiven Energiekrise. Innerhalb kürzester Zeit erlebte die Insel jüngst drei große Stromausfälle. Das liegt vor allem an der schlechten Öl-Versorgung: Venezuela als wichtiger Lieferant ist weggebrochen, die Sperre der Straße von Hormus vor der iranischen Küste verschlechtert die Lage weiter. Und Kuba kann derzeit auf dem freien Markt kein Öl kaufen - unter anderem wegen des hohen Preises und der US-Blockade.
In Kuba ist landesweit der Strom ausgefallen - der dritte große Blackout innerhalb weniger Monate. Das Land braucht Öl zur Stromerzeugung und leidet unter der US-Blockade für Öl-Importe.
17.03.2026 | 0:23 min"Wenn Kuba bald mehr oder weniger auf dem Trockenen sitzt, was Öl anbelangt, wird auch die Energiekrise immer stärker werden. Das heißt, die Regierung wird auch Handlungsbedarf haben", so Fischer.
Hier bekommt Trump einen Hebel (...). Das ist aber auch der einzige Vorteil, den diese Sperre (der Straße von Hormus) derzeit für Trump hat.
Klemens Fischer, Uni Köln
Zwar würde es bei einem Eingreifen auf Kuba aufgrund des Säbelrasselns keinen Überraschungseffekt mehr geben. Doch es sei ohnehin denkbar, dass sich die kubanische Regierung, ähnlich der venezolanischen, aufgrund des wirtschaftlichen Drucks "sehr stark nach der Pfeife Amerikas richten" und so den USA eine Invasion ersparen könnte.
Für Trump sei die Kuba-Frage also ein Spagat:
Er muss zeigen, dass er ein starker Präsident ist. Auf der anderen Seite muss er sich aber auch ersparen, einen weiteren Krieg zu führen.
Klemens Fischer, Uni Köln
US-Präsident Trump hat angekündigt, sich nach Ende des Iran-Konflikts mit Kuba befassen zu wollen. Das Land, das unter US-Sanktionen und massiven Stromausfällen leidet, wolle unbedingt einen Deal.
06.03.2026 | 0:20 min... die Haltung der kubanischen Bevölkerung
Die kubanische Bevölkerung warte derzeit ab, "wie dieses Spiel ausgeht". Grundsätzlich lehne keine Bevölkerung die Chance auf mehr Freiheiten ab. "Auf der anderen Seite aber bedeutet mehr Freiheit auch mehr Unsicherheit", sagt Fischer. Die Trump-Administration müsse den Kubanerinnen und Kubanern "ein Angebot machen", um sie nicht gegen sich aufzubringen.
Wenn es also gelingt, diesen angeblichen 'American Dream' auch auf Kuba zu übertragen, dann kann man damit rechnen, dass die Bevölkerung mitgeht.
Klemens Fischer, Uni Köln
Doch auch, wenn dies nicht gelingt: Letztendlich werde die Bevölkerung wenige Möglichkeiten haben, eine Kontrollübernahme durch die USA zu verhindern.
Das Interview bei ZDFheute live führte Jessica Zahedi, zusammengefasst wurde es von Torben Heine.
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