OLG Stuttgart: Prozess gegen mutmaßliche Agenten für Russland

Prozess in Stuttgart gestartet:Brandsätze per Post? Mutmaßliche Agenten Moskaus vor Gericht

Charlotte Greipl

von Charlotte Greipl

|

Drei Ukrainer sollen Sabotageakte in Deutschland mit Brandsätzen in Paketen geplant haben. Handelten sie im Auftrag des russischen Geheimdienstes?

Der 30-jährige Angeklagte Jewhen B. im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Stuttgart-Stammheim ein.

Brandanschläge im Auftrag eines russischen Geheimdienstes? In Stuttgart stehen drei mutmaßliche Agenten vor Gericht. Sie sollen Sabotageakte auf den Güterverkehr geplant haben.

17.03.2026 | 1:44 min

Drei unscheinbare Männer im Alter zwischen 22 und 30 Jahren betreten mit Aktenordnern vor dem Gesicht den Gerichtssaal, hineingeführt von Wachpersonal: Ukrainische Männer, die nach Deutschland und in die Schweiz geflohen sind, hier einer Arbeit nachgehen und unwissentlich vom russischen Geheimdienst instrumentalisiert wurden, oder Agenten im Auftrag Russlands, die schwere Sabotageakte planten.

Das jedenfalls ist der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Sie beschuldigt Yevhen B., Daniil B. und Vladyslav T. der Agententätigkeit zu Sabotagezwecken und Verabredung zur schweren Brandstiftung. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Russische Flagge

Die Bundesregierung wirft Russland hybride Angriffe auf Deutschland vor und hat den Botschafter einbestellt. Es geht um Cyberangriffe, Spionage, Sabotage und Wahlkampf-Einmischung.

13.12.2025 | 2:49 min

Versandroute sollte ausgekundschaftet werden

Daniil B. und Vladyslav T. sollen im März 2025 zwei Pakete in Richtung Ukraine aufgegeben haben - mit aktivierten GPS-Trackern. Ziel sei es gewesen, mit zunächst harmlosen Paketen die Versandroute und die zeitlichen Abläufe des Transports beim ukrainischen Postdienstleister Novapost auszukundschaften.

Später hätten sie geplant, Pakete mit Brandsätzen aufzugeben, die sich noch in Deutschland oder in der Ukraine entzündet hätten. Das Ziel: größtmöglicher Schaden und eine Verunsicherung der Bevölkerung.

Doch dazu kam es nie. Die drei Ukrainer wurden im Mai des vergangenen Jahres festgenommen und sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Schild der Bundesanwaltschaft

Der Generalbundesanwalt hat drei Ukrainer festgenommen. Sie sollen - wohl in russischem Auftrag - Anschläge geplant haben mit Paketen in die Ukraine, die Sprengsätze enthielten.

14.05.2025 | 16:12 min

Wer steckt hinter dem Auftrag?

Aus Sicht der Bundesanwaltschaft kam der Auftrag vom russischen Nachrichtendienst, über Mittelsmänner in Mariupol. Yevhen B. soll Daniil B. angeworben und die GPS-Tracker besorgt haben. Dieser soll die Geräte von Konstanz nach Köln geschickt haben. Denn dort gibt es, anders als in Konstanz, eine Filiale der ukrainischen Novapost.

Auf diese Weise kam wohl Vladyslav T., der bis zu seiner Festnahme in Köln lebte, ins Spiel. Er soll die Test-Pakete aufgegeben haben.

Yevhen B. war laut Anklage derjenige, der mit dem russischen Geheimdienst in Kontakt stand und zusagte, in einem zweiten Schritt Pakete mit Brandsätzen zu versenden. Doch gerade in Bezug auf Daniil B. und Vladyslav T. stellt sich die Frage, ob sie wirklich wussten, was es mit den Paketen auf sich hatte.

Waren die Angeklagten bloße "Low Level Agents"?

Martin Heising, Verteidiger von Vladyslav T., wirft der Bundesanwaltschaft vor, keine unmittelbaren Beweise gegen seinen Mandanten zu haben. Aus dem Chatverlauf zwischen T. und Yevhen B. gehe nur hervor, dass T. Pakete verschicken sollte, nicht aber, dass er damit Teil einer konspirativen, geheimdienstlichen Sabotageaktion würde:

Das ist nicht lebensnah, das ist absurd.

Martin Heising, Verteidiger von Vladyslav T., zu Beginn der Verhandlung

Sollte T. tatsächlich nur aus Gefälligkeit für einen Bekannten Pakete verschickt haben, würde er perfekt in das Bild eines Wegwerfagenten oder auch "Low Level Agents" passen. Damit werden Personen ohne geheimdienstlichen Hintergrund bezeichnet, die kleinere Aufträge ausführen, häufig ohne den dahinterstehenden Plan oder Auftraggeber zu kennen.

Hacker anonymisiert

Die deutsche Wirtschaft ist vermehrt Spionage und Sabotage ausgesetzt. Ermittler vermuten Russland dahinter. Wie reagieren die Unternehmen darauf? frontal inside blickt hinter die Kulissen.

26.11.2025 | 5:27 min

Die anderen beiden Angeklagten wollten sich zu Prozessbeginn nicht äußern. Auch ihre Rolle ist völlig unklar. Was sie wussten, und was nicht, wird das Gericht in den mehr als 30 angesetzten Prozesstagen herausfinden müssen.

Sicherheitsbehörden: Gefahr durch russische Sabotage

Deutsche Sicherheitsbehörden haben in den vergangenen Monaten immer wieder vor russischer Sabotage gewarnt, auch durch Brandsätze in Luftfracht. Im Juli 2024 wäre fast ein Flugzeug wegen eines mutmaßlich von Russland initiierten Brandes eines Luftfrachtpakets abgestürzt. Dass es nicht dazu kam, ist wohl einem Zufall zu verdanken. Eine Verspätung des Flugzeugs verzögerte die Verladung und das Paket begann schon im Logistikzentrum zu brennen.

Über dieses Thema berichtete die Sendung "heute in Deutschland" am 17.03.2026 ab 14 Uhr.

Mehr zu Spionage und Sabotage

  1. Hafen in Hamburg bei Nacht, Container-Kräne im Hintergrund

    Generalstaatsanwaltschaft Hamburg:Festnahmen nach versuchter Sabotage an Marineschiffen

    mit Video1:14

  2. Polizisten führen bei einem Probelauf mit Bodycams eine gestellte Festnahme durch

    Geheimdienstliche Agententätigkeit?:Mutmaßliche Russland-Spionin in Berlin festgenommen

    mit Video0:35

  3. Vizeadmiral Jan Christian Kaack

  4. Anonymisiertes Gesicht eines Mannes

    Hybride Angriffe:Wer greift Deutschlands Unternehmen an?

    von Joachim Bartz und Julia Klaus
    Video10:04

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine