Putins Schattenmänner im Geheimdienst:Russische Ex-Agenten packen aus
von Florian Huber
Wladimir Putins Geheimdienste überziehen ganz Russland mit einem Netz der Unterdrückung. Wie weitreichend die Befugnisse von FSB und Co. sind, zeigen Berichte ehemaliger Agenten.
Putins Schattenmänner erzählen von Gewalt und Gewissensnot, von Unterwanderung und Cyber-Attacken. Es sind Geschichten über Niedergang und Wiederaufstieg eines Herrschaftssystems.
24.02.2026 | 43:51 minRusslands Präsident Wladimir Putin herrscht mit den Geheimdiensten als zentralem Machtinstrument. An die Stelle des 1991 aufgelösten KGB traten neue Nachrichtendienste, für die laut Schätzungen rund eine halbe Million Offiziere arbeiten. Eine Entwicklung, die der Journalist Ilja Roschdestwenski beobachtet:
In den letzten 30 Jahren haben die Geheimdienste nicht nur ihre Macht wie zu Sowjetzeiten wiedererlangt, sondern noch ausgebaut.
Ilja Roschdestwenski, Journalist
Offiziell ist das Direktorat von Alexander Fedotow für Verfassungsschutz zuständig. In Wirklichkeit ist es für die Verfolgung von Oppositionellen zuständig.
22.02.2026 | 29:35 minAufgabe beim FSB: Inoffizielle Agenten anwerben
Der größte ist der Inlandsgeheimdienst FSB. Der Ex-Offizier Alexander Fedotow, dessen Vater dort Karriere gemacht hatte, stieß 2003 dazu: "Ich wollte etwas Nützliches für die Gesellschaft tun. Ich hatte meinen Vater zum Vorbild." Zu Fedotows Aufgaben gehörte es, inoffizielle Agenten anzuwerben: "Die Rekrutierung von Agenten ist eine der Hauptaufgaben des operativen Personals der Sicherheitsdienste."
Ein solcher informeller Mitarbeiter war der Computerexperte Semjon Ryschakow: "Es war immer mein Traum, für den FSB zu arbeiten. Ich habe zu viele Serien gesehen wie 'Akte X'."
Unfreiwillig erfüllte sich dieser Traum 2024, als Ryschakow mit einem Sympathisanten des Regimekritikers Alexej Nawalny chattete, den FSB-Offiziere überwachten. Sie kamen auf Wohnungsdurchsuchung zu Ryschakow. Ilja Roschdestwenski hat dazu recherchiert: "Sie schlugen ihn, drohten ihm Folter an und zwangen ihn so, für den FSB zu arbeiten. Eine übliche Art, Agenten zu rekrutieren."
Ein Agent Provocateur wie Ryschakow dient als Instrument des Geheimdienstes im Kampf gegen die Feinde im Inneren. Es geht um den Machterhalt der politischen Elite.
22.02.2026 | 35:32 minZu strafbaren Handlungen verleitet
Von da an sollte Ryschakow über den Messaging-Dienst Telegram Verdächtige anschreiben, die Interesse am ukrainischen Geheimdienst gezeigt hatten. Indem er sich selbst als ukrainischer Agent ausgab, verleitete er seine Chatpartner zu strafbaren Handlungen, denn der Kontakt mit fremden Diensten gilt in Russland als Straftat.
Was ich gemacht habe, waren Provokationen. Ich habe Leute dazu provoziert, Verbrechen zu begehen.
Semjon Ryschakow, Computerexperte und informeller FSB-Mitarbeiter
Die Dokumentation "Putins Schattenmänner" ist am 24. Februar um 20:15 Uhr im ZDF zu sehen sowie jederzeit im ZDF-Streaming-Portal.
Im ZDF-Streaming-Portal können Sie zusätzlich die dreiteilige Serie "Putins Agenten" über drei russische Ex-Agenten anschauen.
Geheimdienste in Russland setzen Provokationen ein
Der frühere KGB-Offizier Sergej Schirnow kennt die Methode: "Der Einsatz von Provokationen ist bei den Geheimdiensten völlig normal", sagt Schirnow. Einige von Ryschakows Kontaktpersonen wurden verhaftet, wie der Computerexperte von Menschenrechtsaktivisten erfuhr: "Das war wie eine Jagd. Ich fühlte mich wie ein Cyber-Detektiv", erzählt Ryschakow. Da er jedoch vom FSB nie wie vereinbart bezahlt wurde, sah er sich getäuscht und setzte sich aus Russland ab.
Putins Geheimdienstkampf gegen seine Gegner ist effektiv. Kaum ein Tag vergeht ohne Verhaftungen. Allein 2025 gab es laut dem Online-Portal "Meduza" 468 Urteile wegen Verrats und Spionage. Die Opposition in Russland ist heute in weiten Teilen ausgeschaltet.
Der junge Wladimir Putin wächst auf in den rauen Hinterhöfen Leningrads. Doch ihm gelingt der Sprung an die Universität und an die Kaderschmiede des KGB.
21.09.2025 | 43:49 minZweites Direktorat als eine Art politische Polizei
Das Zweite Direktorat des FSB, in dem Alexander Fedotow arbeitete, kennt Roman Dobrochotow vom Investigativmedium "The Insider": "Das Zweite Direktorat ist so was wie die russische Gestapo, eine Art politische Polizei." Hier erlebte Fedotow, wie Oppositionelle überwacht und verfolgt wurden.
Auf den Bürofluren begegnete er Mitgliedern jener Spezialkommandos, die für Mordanschläge abgestellt sind. Der Kremlkritiker Wladimir Kara-Mursa war eines ihrer Opfer. "Das ist eine Sondereinheit, die politische Gegner von Wladimir Putin persönlich eliminieren soll", sagt Dobrochotow. Kara-Mursa entging bei einem Giftanschlag 2015 nur knapp dem Tod. Das Rechercheteam um "The Insider" ermittelte die Attentäter im Zweitem Direktorat.
Gemeinsam mit Kollegen legt Ex-Agent "BadB" Wladislaw Chorochorin 2008 Georgiens Cyber -Infrastruktur lahm. Mit ihrer Aktion bereiten die Hacker den Boden für die Invasion der russischen Truppen.
22.02.2026 | 28:27 minFür Fedotow besteht kein Zweifel: "Die Entscheidung, ob ein führender Oppositioneller eliminiert wird, trifft Putin selbst." Nach zwölf Jahren verließ er den FSB und später Russland. Im Lauf seiner Karriere ging ihm auf, dass viele Einsätze nicht der Sicherheit Russlands dienten: "Für Putin und seinen inneren Kreis geht es allein darum, an der Macht zu bleiben, sich Geld und Einfluss zu sichern."
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