Steuererhöhungen in Russland:Wie ein Bäcker Putins Steuerreform kritisiert
von Felix Klauser
Nach vier Kriegsjahren leeren sich die Kreml-Kassen zunehmend. Die Reaktion: Steuererhöhungen. Ein Bäcker aus einem Moskauer Vorort bemängelt das - und wird berühmt.
Russlands Wirtschaft spürt die Belastung durch hohe Staatsausgaben und Sanktionen. Der Unmut in der Wirtschaft wird größer und auch viele russische Bürger beschweren sich über gestiegene Preise.
11.02.2026 | 6:20 minDie kleine Bäckerei "Maschenka" in einem Vorort von Moskau hat es zu Berühmtheit gebracht - genauer gesagt: ihr Inhaber. Denis Maximow hat wohl einen Nerv getroffen, als er vergangenen Dezember in der (wohlinszenierten) Jahrespressekonferenz von Präsident Putin über die Steuerreformen sprach. Für russische Verhältnisse: im Klartext.
"Ab nächstem Jahr müssen wir Einkommensteuer und Mehrwertsteuer zahlen", klagt er. "Dafür müssen wir einen professionellen Buchhalter beauftragen, was für zusätzliche Kosten sorgt."
Ehrlich gesagt, schauen wir nicht mit viel Optimismus in die Zukunft. Viele Geschäfte könnten schließen.
Denis Maximow, Bäckerei "Maschenka"
Zwei Monate später erzählt Maximow im ZDFheute-Interview, die Bäckerei sei nach dem Auftritt überrannt worden: von neuen Kunden - und von Unternehmern, die ähnliche Probleme mit der Steuerlast haben.
Früher haben wir für die Steuer 120.000 Rubel pro Jahr gezahlt. Und jetzt sind es ungefähr 400.000 Rubel - in einem Monat.
Denis Maximow, Bäckerei "Maschenka"
Das bedeutet eine Vervierzigfachung - und lässt Maximows Marge bedenklich schrumpfen.
Der Verlust Russlands sei eher geostrategischer Struktur und weniger wirtschaftlich, sagt Militärökonom Dr. Marcus M. Keupp. Russland habe keine Handlungsspielräume.
15.01.2026 | 45:08 minPutin verspricht Besserung
In seiner Jahrespressekonferenz verspricht Putin, sich des Problems anzunehmen. Und probiert tags darauf medienwirksam die Köstlichkeiten der Bäckerei.
Im Kreml weiß man, wie Inszenierung funktioniert: Putin, ganz der Kümmerer, schickt gute Wünsche gen Bäckerei - und eine religiöse Ikone gleich mit. Bei all der Freundlichkeit geht ein entscheidender Punkt aber unter: dass es eine echte Steuersenkung kaum geben wird. Weil der Kreml Geld braucht - für den Krieg.
In St. Petersburg wurde eine Straßenmusikerin verhaftet, die eine Menschenmenge dazu animierte, ein Putin-kritisches Lied zu singen. Es gab Folgeproteste, vor allem von der jungen Bevölkerung.
22.10.2025 | 5:40 minVier Jahre nach Kriegsbeginn: Russlands Wirtschaft unter Druck
Vier Jahre nach dem Angriff auf die Ukraine ächzt Russlands Wirtschaft. Zu den immensen Staatsausgaben fürs Militär kommen die Sanktionen sowie der niedrige Preis für russisches Öl.
Russland plante seinen Staatshaushalt einst mit einem Preis von 70 Dollar pro Barrel der Ölsorte "Urals". Mittlerweile sollen es 59 Dollar sein - knapp unter dem Preisdeckel, den die EU und G7-Staaten wenige Monate nach Russlands Angriff auf die Ukraine einführten.
Zwar gelang es Russland lange Zeit, Preisdeckel und Sanktionen mit seiner Schattenflotte zu umgehen. Allerdings steigt - insbesondere durch Donald Trump - auch der Druck auf die Käufer von russischem Öl und Gas. Mittlerweile hat insbesondere Indien den Import russischen Öls reduziert.
Die EU-Länder wollen russische Gasimporte schrittweise bis 2027 einstellen. Angesichts des Ukraine-Kriegs soll die Abhängigkeit von Russlands Energielieferungen beendet werden.
03.12.2025 | 1:01 minÖkonom: Geld für Krieg in der Ukraine geht nicht aus
Das Resultat: Allein im Januar sollen sich die Einnahmen aus dem russischen Öl- und Gasgeschäft im Vergleich zum Vorjahr halbiert haben. Der Ökonom Alexander Koljandr, der in London forscht, erwartet deshalb, dass Russlands Defizit in diesem Jahr deutlich höher als erwartet ausfällt.
Dass Russland das Geld für den Krieg ausgehen könnte, glaubt Koljandr trotzdem nicht - weil Putins Priorität klar auf dessen Finanzierung liege.
Allerdings muss die Regierung neue Wege finden, den Krieg zu finanzieren.
Alexander Koljandr, Ökonom
Nach der Zusage von EU-Milliarden für die Ukraine im Dezember sind die Menschen dort erstmal erleichtert. Russlands Präsident Putin kommentiert den EU-Entschluss mit Genugtuung.
19.12.2025 | 2:12 minMehrwertsteuer und Unternehmenssteuern in Russland erhöht
Das Mittel der Wahl: Steuererhöhungen. Zum Jahresbeginn wurde die Mehrwertsteuer auf 22 Prozent erhöht. Auch die Regeln für Unternehmen wurden verschärft.
Die Folgen der Reform werden in Moskau sichtbar: Restaurants und Bars müssen schließen. Angeblich mehr als während der Corona-Pandemie.
Dazu kommen höhere Abgaben auf Produkte aus "unfreundlichen Ländern", berichtet Andrej Serjogin. Der Betreiber eines Moskauer Pubs wollte seine Gäste mit Bier aus Deutschland, Belgien und Irland erfreuen - das mittlerweile ziemlich kostspielig ist.
Putin will vielleicht sprechen, aber vor allen Dingen weiter in der Ukraine angreifen, sagt Sicherheitsexperte Nico Lange. Ergebnisse gebe es nur durch Druck auf Russland.
04.02.2026 | 4:00 min"Die Steuer auf Bier aus "unfreundlichen Ländern" ist innerhalb eines Jahres um das 13-Fache gestiegen", erzählt Serjogin. Natürlich steige da auch der Preis für die Gäste massiv. Aufgeben will der Pub-Betreiber trotzdem nicht. Eine Schnapsbar soll es richten. In der aktuellen Lage, meint er, sei das vielversprechender.
Felix Klauser berichtet als Korrespondent über Russland, den Kaukasus und Zentralasien.
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