Abdul B. bereits als Schüler auffällig:CSD-Attentäter radikalisierte sich offenbar über Jahre
Der Täter hinter dem CSD-Anschlag hatte sich offenbar über Jahre hinweg radikalisiert. Trotz Überwachung sah die Polizei keine rechtliche Grundlage für ein früheres Eingreifen.
Nach dem Attentat auf den Berliner CSD geht die Suche nach Antworten und Hintergründen zum Täter Abdul B. weiter.
29.07.2026 | 2:04 minDer islamistische Attentäter von Berlin, Abdul B., hatte sich offenbar über mehrere Jahre hinweg radikalisiert. Seit 2021 sei bei ihm ein zunehmender Prozess der Radikalisierung festzustellen gewesen, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.
Dem Berliner Verfassungsschutz war Abdul B. demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Er habe hier zeitweise einer Gruppe angehört, die missionierend unterwegs gewesen sei - ihr ging es also um Anwerbung weiterer Anhänger. Bei der Polizei fiel Abdul B. demnach seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.
Opposition: Weiterhin zahlreiche offene Fragen
Die Oppositionsfraktionen von Grünen, Linke und AfD kritisierten, trotz einer stundenlangen Befragung seien viele Fragen noch offen. Man wisse von Senat und Polizei immer noch nicht viel mehr als das, was Medien schon berichtet hätten. Die Frage sei, warum der Anschlag nicht verhindert wurde.
Bei der Sondersitzung des Innenausschusses zum Berliner CSD geht es vor allem um eine Frage: Wie konnte die Tat trotz Überwachung geschehen? ZDF-Studioleiter Stefan Merseburger berichtet vor Ort.
29.07.2026 | 2:16 minBei dem Terroranschlag am Samstag am Rande des Christopher Street Days (CSD) hatte der 21-jährige Attentäter mit einem Auto mehrere Menschen angefahren, bevor er - vermutlich mit einer Machete - weitere Menschen verletzte. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt, sieben davon schwer. Der Islamist wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen.
Attentäter als "Hochrisikofall" eingestuft
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel berichtete, die Polizei habe Abdul B. Mitte Mai nach dem Urteil seiner Entlassung aus U-Haft als "Hochrisikofall" eingestuft. Dann sei er observiert und mit einer Kamera überwacht worden, sein Telefon sei abgehört worden.
"Wir haben nichts, aber auch gar nichts gefunden, was uns zu einer Prognose gebracht hätte, die zu einer Fußfessel oder Präventivhaft geführt hätte", beteuerte sie.
Das war für uns so nicht erkennbar.
Barbara Slowik Meisel, Polizeipräsidentin Berlins
Eine durchgehende Observation rund um die Uhr sei kaum möglich und werde nur gemacht, "wenn man sehr klare und konkrete Hinweise auf eine Straftat hat".
In Berlin wird die Zahl der Verletzten nach oben korrigiert. Viele Fragen zur Tat sind noch offen. Politik und Behörden bemühen sich um Antworten.
28.07.2026 | 3:07 min"Observation kein Allheilmittel"
Slowik Meisel sagte weiter: "Aber wir haben diesen Mann überhaupt nicht aus dem Blick gelassen, in keiner Weise und schon gar nicht aus Ressourcengründen." Observationen hätten das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen und Bewegungsbilder zu erstellen und nicht, Taten zu verhindern. "Selbst wenn man jemanden ganz eng begleitet, wenn der in einen Bus steigt, ist das LKA im Auto dahinter und könnte eine Tat in einem Bus nicht verhindern. Das ist also kein Allheilmittel."
Der Mann habe aber selten die Wohnung verlassen, daher habe man ihn später nur tageweise mit Fahndern überwacht. Die Polizei habe ihm die Ausreise untersagt und seinen Pass eingezogen. Mehrfach sei mit ihm gesprochen worden. LKA-Vizechef Stefan Redlich betonte:
Den Eindruck, wir haben ihn uns durch die Finger gleiten lassen, den habe ich nicht.
Stefan Redlich, stellvertretender Leiter des LKA
Nach dem Attentat auf den Berliner CSD vergangenen Samstag bleiben viele offene Fragen – auf die Trauer folgen Forderungen nach umfangreicher Aufarbeitung.
28.07.2026 | 2:30 minAggressiver Schüler ohne Abschluss
Nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" fiel Abdul B. schon als junger Schüler mit aggressivem Verhalten auf. Den Recherchen zufolge wurden bereits ab der ersten Klasse Vermerke wegen seines Verhaltens gefertigt. Die Eltern hätten nicht mit den Lehrern kooperiert. Die Grundschule wechselte er demnach zweimal, danach besuchte er eine weiterführende Schule in einem Förderzentrum.
Die Senatsverwaltung für Bildung bestätigte auf Anfrage den "Morgenpost"-Bericht hinsichtlich der Fakten zur Schulzeit.
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