Mutmaßlicher CSD-Täter von LKA gefilmt:Dobrindt: Risiko kann "nie komplett" ausgeschlossen werden
Der mutmaßliche CSD-Täter wurde vom LKA per Kamera überwacht. Anschläge könne man "nie komplett" ausschließen, sagt Innenminister Dobrindt im ZDF. Er sieht dennoch Handlungsbedarf.
Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) kritisiert, dass der mutmaßliche Attentäter aus Berlin auf freiem Fuß war. Für Gefährder fordert Dobrindt nun unter anderem eine Präventivhaft.
27.07.2026 | 5:52 minTrauer und Wut herrschen in Berlin nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD). Mittlerweile ist bekannt: Der mutmaßliche Täter war polizeibekannt, mehrfach vorbestraft und wurde überwacht. Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung zeigen nun: Abdul B. wurde noch kurz vor der Tat von einer Kamera gefilmt, die das Berliner Landeskriminalamt nahe seines Hauseingangs angebracht hatte.
Diese Kamera soll am Samstagabend um 20:58 Uhr aufgezeichnet haben, wie B. das Haus verließ - nur rund eine Stunde vor dem Anschlag mit einer Toten und 29 Verletzten. Im heute journal erklärt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, wie er zu Überwachungsmaßnahmen durch Kameras steht und welche politischen Entscheidungen aus seiner Sicht auf den Anschlag folgen sollten.
Sehen Sie oben das gesamte Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Dobrindt: "Risiko immer weiter minimieren"
Fehlten dem Berliner LKA Ressourcen und Geld, um den als Gefährder eingestuften Abdul B. ausreichend engmaschig zu beobachten? Eine Maßnahme wie eine Überwachung gehe immer "mit einer ganzen Reihe an Elementen einher", so Alexander Dobrindt. "Die Aufarbeitung wird zeigen, was an diesen Elementen richtig oder vielleicht auch nicht hundertprozentig gelaufen ist."
"Klar ist, dass es eine technische Überwachung gegeben hat. Das ist auch nachvollziehbar und richtig bei Gefährdern", erklärt Dobrindt weiter.
Ob diese technische Überwachung ausreichend war, die das Land Berlin da angewandt hat - auch das wird betrachtet werden.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister
Aber: Alle Überwachungsmöglichkeiten "verhindern nicht abschließend dann, dass Menschen, die vorhaben, schwerste Anschläge zu begehen, die vielleicht auch begehen können", so der Innenminister.
Wir können das Risiko immer weiter minimieren, darum geht es auch, aber man kann es nie komplett ausschließen.
Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister
Beim Berliner Christopher Street Day fuhr Abdul B. mit einem Auto in die Menschenmenge, eine Frau kam dabei ums Leben. Doch der Attentäter war bereits zuvor als islamistischer Gefährder bekannt.
27.07.2026 | 2:06 minKein Jugendstrafrecht für Gefährder, Fußfessel, Präventivhaft?
Für ihn sei klar, sagt der Innenminister, dass die Politik jetzt etwas ändern müsse - und zwar unter anderem im Strafrecht.
Ich bin sehr dafür, dass wir uns darüber unterhalten in der Politik, ob wir nicht bei Gefährdern das Jugendstrafrecht einfach nicht mehr anwendbar machen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
Außerdem solle diskutiert werden, "dass wir bei Gefährdern die Fußfessel zur obligatorischen Regel machen" und "dass Gefährder auch in Präventivhaft genommen werden können, damit mehr Sicherheit entsteht".
Der CSD-Attentäter hätte keine Bewährung bekommen sollen, sagt Terrorismusexperte Peter Neumann. Um solche Taten zu verhindern, brauche es harte Strafen, aber auch Prävention.
26.07.2026 | 5:08 minDobrindt: Entscheidung des Gerichts "inakzeptabel"
Dass das Gericht Abdul B. auf Bewährung freigelassen habe und mit dem Jugendstrafrecht gearbeitet wurde, findet Dobrindt "inakzeptabel". Die Ängste und das Bedürfnis vieler Menschen nach mehr Sicherheit seien "nicht unbegründet".
Warum politische Forderungen immer erst nach Anschlägen laut würden, erklärt sich der Bundesinnenminister so: "Es gibt immer wieder, nach jedem Anschlag, neue Erkenntnisse". So gebe es dann eben auch immer "politische neue Entscheidungen".
Speziell nach dieser Tat seien neue Entscheidungen notwendig, "um Gefährdungen zu reduzieren". Denn "wenn Gefährder da sind, wenn wir sie überwachen, aber trotzdem nicht dafür gesorgt werden kann, dass hundertprozentige Sicherheit entsteht", müsse alles dafür getan werden, "um die Sicherheit zu mehren". Mit Blick auf die Abschiebung von Gefährdern sagt der Innenminister:
Gefährder, die deutsche Staatsbürgerschaften haben, die kann man nicht abschieben. Gefährder, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben, die werden abgeschoben.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
"Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen im Islamismus, das Problem reicht bis tief in diese Gesellschaft hinein." - so Andre Lehmann, Bundesvorstand LSVD⁺.
27.07.2026 | 4:48 minDobrindt: Menschen ohne Bleiberecht "außer Landes schaffen"
Gegen eine Radikalisierung von Menschen müsse Deutschland sich besser rüsten, fordert Dobrindt. Manche würden sich allein radikalisieren oder gerieten in die Fänge von "falschen Freunden". Oder sie würden von Menschen radikalisiert, die "Destabilisierungsinteressen in Deutschland haben".
Um dagegen anzukommen, braucht es laut Dobrindt ein scharfes Schwert: "Scharfes Schwert heißt Überwachung, scharfes Schwert heißt Kontrolle, scharfes Schwert heißt auch schärfere Strafen und heißt natürlich auch immer wieder: Menschen außer Landes schaffen, die hier kein Bleiberecht haben."
Das Interview führte heute journal-Moderator Christian Sievers. Autorin der Zusammenfassung ist ZDFheute-Redakteurin Annika Heffter.
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