Ausbreitung schneller als je zuvor:Ebola-Epidemie im Kongo droht zu eskalieren
Ebola breitet sich im Ostkongo so schnell aus wie nie zuvor: Mehr als 1.500 Menschen sind innerhalb von drei Monaten gestorben. Helfer warnen vor einer dramatischen Eskalation.
Die Ebola-Epidemie im Kongo breite sich schneller als jede Welle zuvor aus, warnt die afrikanische Gesundheitsorganisation Africa CDC. Gegen die aktuelle Virusvariante gibt es bisher keinen Impfstoff.
10.07.2026 | 1:31 minDie aktuelle Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist bereits nach wenigen Monaten der drittschwerste jemals bekannt gewordene Ausbruch. Das Virus breitet sich so schnell aus wie noch nie zuvor. In nur drei Monaten sind mehr als 1.500 Ebola-Erkrankte gestorben.
Die Lage sehe derzeit wesentlich dramatischer und dynamischer aus als zu Beginn der bislang schlimmsten Ebola-Epidemie in Westafrika 2014, sagt der Berliner Epidemiologe Maximilian Gertler von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF). Damals starben binnen zwei Jahren mehr als 11.000 Menschen.
Die Zahl der Ebola-Toten in der Demokratischen Republik Kongo ist auf 304 gestiegen. Mehr als 1.100 Infektionen sind bestätigt. Für den Erreger gibt es keinen Impfstoff und keine Medikamente.
26.06.2026 | 0:20 minAusbruch im Ostkongo: Hohe Dunkelziffer
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Mitte Mai den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Der erste nachgewiesene Ebola-Patient starb Ende April in der ostkongolesischen Grenzprovinz Ituri, in der schätzungsweise etwa acht Millionen Menschen leben. Doch Experten gehen mittlerweile davon aus, dass das Virus schon seit Februar in der Region grassierte. Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hoch ansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus.
Bislang sind mehr als 3.400 Fälle im Labor nachgewiesen worden. Die tatsächliche Zahl der Infizierten könnte nach Schätzungen der WHO zwei- bis viermal so hoch liegen.
Die Zahl der Neuerkrankungen steigt wöchentlich an. Die Epidemie breitet sich auch räumlich immer weiter aus. Mittlerweile gibt es Fälle in fünf Provinzen, darunter direkt an der belebten Grenze zum armen und instabilen Südsudan.
Das Ebola-Virus breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer ernsten Lage. Seit Mai wurden über 230 Todesfälle registriert.
21.06.2026 | 0:21 minImpfstoff noch im Test
Nach Behördenangaben liegt die Todesrate derzeit bei etwa 44 Prozent - das bedeutet, fast die Hälfte aller nachgewiesenen Infizierten sind gestorben. Für die im Kongo grassierende Bundibugyo-Variante des Virus gibt es noch keine gezielten Impfstoffe oder Medikamente. Nach Angaben der WHO lag die Todesrate bei den beiden letzten Bundibugyo-Ausbrüchen 2007 in Uganda und 2012 im Kongo bei 30 beziehungsweise 50 Prozent.
An der Universität Oxford laufen Impfstoff-Tests gegen die Variante, nach Angaben der Entwickler liegen bereits 620.000 Dosen bereit. Allerdings dürfte es selbst im besten Fall noch Monate dauern, bis großflächig geimpft werden kann. Auch zwei antivirale Therapieverfahren sind derzeit in der Testphase.
MSF-Helfer berichten, dass viele Erkrankte erst mit kritischen Symptomen in die Behandlungszentren kämen, wenn die Überlebenschancen gering seien. Todesfälle in Familien sind besonders gefährlich, weil sich pflegende Angehörige leicht anstecken können.
Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums gibt es in Frankreich den ersten Ebola-Fall. Der Arzt, der aus dem Kongo zurückkehrte, wurde ins Krankenhaus gebracht und isoliert.
24.06.2026 | 0:21 minWarum scheitert die Eindämmung weiterhin?
Nach Angaben der WHO gibt es mittlerweile knapp 950 Betten in Isolations- und Behandlungszentren im Krisengebiet - je nach Region teils überbelegt, teils sind Betten frei. Doch mangelnde Aufklärung und Misstrauen zählen zudem weiterhin zu den größten Problemen. Die Menschen hätten Angst davor, Erkrankte in Behandlungszentren abzugeben, von denen sie nur Gerüchte kennen würden, sagt Gertler. Vielen fehle das Vertrauen in das Gesundheitssystem sowie die Bildung, um Übertragungswege nachvollziehen zu können. Helfer werden immer wieder angegriffen.
Auch die Sicherheitslage im Osten des zentralafrikanischen Landes ist ein großes Problem. Hunderttausende Vertriebene leben teils seit Jahren in Behelfslagern mit schlechten sanitären Verhältnissen und kaum medizinischer Versorgung.
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