Ärzte ohne Grenzen helfen im Kongo:Eindämmung von Ebola "noch nicht in Sicht"
Die Zahl der Ebola-Fälle im Kongo steigt: Täglich gebe es neue Verdachtsfälle, berichtet Theresa Berthold von "Ärzte ohne Grenzen". "Die Kapazitäten reichen einfach nicht aus."
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeiten im Kongo im Einsatz gegen die Ebola-Epidemie.
Quelle: dpaDas Ebola-Virus breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter aus. Mittlerweile wurden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den betroffenen Gebieten 1.561 Ebola-Fälle bestätigt, 506 Menschen seien gestorben.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen will Ebola-Behandlungszentren im Kongo aufbauen. Projektkoordinatorin Theresa Berthold berichtet im Interview mit ZDFheute über die Herausforderungen, gegen die Ausbreitung des Virus anzukämpfen.
Die Zahl der Ebola-Toten in der Demokratischen Republik Kongo steigt weiter. Mehr als 1.100 Infektionen sind bestätigt.
26.06.2026 | 0:20 minZDFheute: Mit Ihrem Team leisten Sie seit fünf Wochen Hilfe im Ebola-Epizentrum in der Demokratischen Republik Kongo. Wie blicken Sie jetzt auf diese humanitäre Notlage?
Theresa Berthold: In den vergangenen Wochen ist mir vor Augen geführt worden, wie groß diese Krise wirklich ist, und wie schwer es sein wird, sie einzudämmen. In unserem Projekt in der Stadt Beni arbeiten wir eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen und haben kürzlich in zwei lokalen Gesundheitszentren zwölf Zimmer für Patientinnen und Patienten fertiggestellt, die mit Ebolafieber-Symptomen zu uns kommen. Am Tag der Eröffnung der beiden Zentren waren direkt alle Zimmer belegt. Der Bedarf ist also enorm.
... ist in Deutschland als Projektmanagerin in Kliniken tätig. Für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitet sie seit mehr als einem Monat daran, im Epizentrum der Ebola-Epidemie medizinische Infrastruktur aufzubauen. Für Ärzte ohne Grenzen war die 39-Jährige bislang in Sierra Leone, Afghanistan, Nigeria, Syrien, Tschad und Jemen tätig.
Die international tätige humanitäre Organisation leistet Nothilfe in Krisen- und Konfliktgebieten - unabhängig von politischen Interessen. Teams aus lokalen und internationalen Fachkräften versorgen Menschen dort, wo nationale Gesundheitssysteme zusammengebrochen sind oder Gewalt den Zugang zu Behandlung erheblich erschwert. Für ihr Engagement erhielt die Organisation 1999 den Friedensnobelpreis.
Wir renovieren aktuell ein weiteres Gesundheitszentrum und sind auch dabei, ein Ebola-Behandlungszentrum aufzubauen.
Wir kommen aber nicht gegen die Entwicklungen an, denn es gibt täglich zwischen 15 und 30 neue Verdachtsfälle und die Kapazitäten reichen einfach nicht aus.
Theresa Berthold, Projektkoordinatorin
Diese Woche wurde aber die erste Person, die in Beni die Infektion mit dem Bundibugyo-Virus überstanden hat, aus dem Krankenhaus entlassen. Das macht natürlich Hoffnung.
Ebola ist eine schwere Viruserkrankung, die häufig tödlich verläuft. Erste Symptome sind Fieber, Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen. Später können Durchfall, Erbrechen und innere Blutungen auftreten. Übertragen wird das Virus durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Verstorbener - etwa Blut, Speichel oder Erbrochenem. Eine Übertragung über die Luft gilt als ausgeschlossen. Beim aktuellen Ausbruch im Kongo handelt es sich um die seltenere Bundibugyo-Variante des Virus, gegen die bislang kein zugelassener Impfstoff existiert.
In Zentralafrika gibt es einen Ebola-Ausbruch. Die gefährliche Virusinfektion löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.
21.05.2026 | 1:00 minZDFheute: Hilfseinsätze in der Region gelten als logistische Albträume - schlechte Infrastruktur, abgelegene Orte und oft auch Sicherheitsrisiken durch bewaffnete Konflikte. Wie erleben Sie die Situation?
Berthold: In Beni gibt es für uns einige Herausforderungen. In den Randgebieten der Stadt und den Dörfern kommt es beispielsweise immer wieder zu Angriffen durch bewaffnete Gruppen auf die Zivilbevölkerung. In diesen Gebieten können wir wegen der Unsicherheit nur schwer Hilfe anbieten.
Auch die Lieferung unserer Medikamente und der medizinischen Schutzausrüstung dauert sehr lange, weil die Lastwagen Frontlinien überqueren müssen, um zu uns zu gelangen. Zuletzt saßen sie mehrere Tage an einem Kontrollpunkt fest.
Theresa Berthold, Projektkoordinatorin
In Beni selbst gibt es ein einziges Labor des Gesundheitsministeriums, das auf das Bundibugyo-Virus testen kann - dem Labor fehlt aber Diesel für den Generator. Nur so kann der Strom produziert werden, um überhaupt testen zu können. Wir haben die Versorgung mit Diesel jetzt sichergestellt, aber uns begegnen täglich weitere Herausforderungen wie diese.
Der Alltag der Menschen im Kongo wird vom Virus stark eingeschränkt. Trotz Abstandsregeln steigt die Zahl der Toten. Und doch hält sich mancherorts das Gerücht, Ebola sei "Fake".
10.06.2026 | 2:34 minZDFheute: In Ihrem Einsatzgebiet werden Sie täglich mit Krankheit und Tod konfrontiert. Wie gehen Sie mit der mentalen Belastung um?
Berthold: Ich bekomme natürlich die Schicksale unserer Patientinnen und Patienten mit - und das geht einem sehr nahe. Vor einigen Tagen wurde beispielsweise eine schwangere Frau mit Ebola-Symptomen in eines unserer Gesundheitszentren überwiesen. Sie kam sehr spät, das ungeborene Baby war bereits verstorben und sie selbst war in einem extrem kritischen Zustand. Leider hat auch sie nicht überlebt. Was uns im Team hilft, ist darüber zu sprechen und sich Zeit füreinander zu nehmen.
Abgebrannte Behandlungszelte und Misstrauen gegen Helfer des Roten Kreuzes - die Verzweiflung in der Bevölkerung ist groß. Währenddessen breitet sich das hoch ansteckende Virus weiter aus.
28.05.2026 | 2:26 minZDFheute: Sehen Sie inzwischen sichtbare Fortschritte bei der Eindämmung der Epidemie oder breitet sich das Virus eher ungebremst aus?
Berthold: Vor Ort bei uns in Beni stehen wir noch ganz am Anfang. Viele Menschen kommen sehr spät oder gar nicht in die Gesundheitszentren, sodass die Chancen einer Heilung schlecht stehen und oft auch schon Menschen im Umfeld der Personen angesteckt wurden.
In den vergangenen Wochen sind die Zahlen weiter gestiegen und eine Eindämmung ist aktuell leider noch nicht in Sicht.
Theresa Berthold, Projektkoordinatorin
ZDFheute: Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es aktuell noch keine zugelassenen Impfstoffe und kein Medikament, das direkt wirkt. Was nutzen die Ärztinnen und Ärzte dann, um den betroffenen Menschen zu helfen?
Berthold: Die Frage wird mir tatsächlich auch von den Menschen vor Ort hier sehr oft gestellt. Auch wenn es noch keine Impfung und keine Medikamente gegen das Bundibugyo-Virus gibt, können wir die Symptome behandeln.
Das heißt, dass wir den Patientinnen und Patienten beispielsweise Medikamente gegen Durchfall oder Erbrechen geben können, damit der Körper entlastet wird. Das wiederum spart Energie, die das Immunsystem benötigt, um das Virus selbst zu bekämpfen.
Das Interview führte Marcel Burkhardt.
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