Kampf gegen Ebola-Epedemie:Ärzte ohne Grenzen: Hilfe im Kongo riskant und kompliziert
von Marcel Burkhardt
Im Konfliktgebiet im Kongo plant Ärzte ohne Grenzen den Aufbau von Ebola-Behandlungszentren. Eine Hilfe unter extremen Sicherheitsrisiken, berichtet Projektleiterin Berthold.
Abgebrannte Behandlungszelte und Misstrauen gegen Helfer: die Verzweiflung in Kongos Bevölkerung ist groß, und das hoch ansteckende Ebola-Virus breitet sich weiter aus.
28.05.2026 | 2:26 minZDFheute: Die Nachrichten aus der Demokratischen Republik Kongo klingen verheerend: Ebola gerate außer Kontrolle, es drohe der größte Ausbruch dieser Krankheit, den es bisher gab. Sie beginnen nun für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" Ihren Einsatz inmitten des Krisengebiets. Auf was haben Sie sich vorbereitet?
Theresa Berthold: Ich muss mich auf viel Ungewissheit einstellen. Die Krankheitsfälle steigen stark und die Lage ändert sich jeden Tag. Als Projektleiterin werde ich wahrscheinlich in der Stadt Goma oder im Ort Mweso medizinische Behandlungskapazitäten aufbauen.
ZDFheute: Wie sieht diese praktische Arbeit aus?
Berthold: Ich arbeite im Team eng mit dem kongolesischen Gesundheitsministerium und lokalen Behörden zusammen. Wir müssen schauen: Was wird am dringendsten gebraucht? Aber auch: Werden wir vor Ort überhaupt akzeptiert? Danach geht es darum, Unterkünfte und Personal zu organisieren und die Logistik aufzubauen.
Wir brauchen Medikamente, Schutzkleidung, Material für die Zentren. Teilweise werden dafür große Zelte errichtet, manchmal bestehende Gebäude genutzt. Das muss alles sehr schnell gehen, dafür trage ich letztlich die Verantwortung.
ZDFheute: Warum sollten die Helferinnen und Helfer nicht akzeptiert werden? Hilfe ist doch so dringend nötig.
Berthold: Wir bewegen uns in einem Konfliktgebiet, mit anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen, besonders im Osten, auch rund um Goma.
Das macht die Lage komplizierter.
Der Kampf gegen Ebola im Kongo stößt an harte Grenzen. ZDFheute live spricht mit einer Hilfsorganisation über die Arbeitsbedingungen vor Ort.
29.05.2026 | 10:30 minZDFheute: Wie kommt das Hilfsmaterial zu den Kranken?
Berthold: Wir müssen bestehende Hindernisse so weit wie möglich aus dem Weg zu räumen. Trotz der schweren Sicherheitsprobleme müssen wir dafür sorgen, sichere Transporte zu organisieren und alle wichtigen Stellen zu informieren, um Checkpoints passieren zu dürfen.
ZDFheute: Müssen Sie sich auch mit den Konfliktparteien an einen Tisch setzen und verhandeln?
Berthold: Entweder gibt es telefonischen Kontakt oder persönliche Treffen, bei denen wir erklären, was wir als Organisation tun und anbieten.
In Afrika breitet sich Ebola aus. Und das viel schneller als in der Vergangenheit. Droht uns eine neue Pandemie, wenn das Virus nicht auf Afrika beschränkt bleibt?
19.05.2026 | 28:23 minUngefährlich ist der Einsatz nicht. Auch wenn wir schon lange vor Ort sind, müssen wir in neuen Gebieten erst Vertrauen aufbauen und neue Akteure erreichen.
Vieles wird vorher gemeinsam mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen besprochen, um einzuschätzen, ob Treffen überhaupt vertretbar sind.
ZDFheute: Unter Fachleuten herrscht die Sorge vor einer "Virus-Welle". Was macht die Situation zusätzlich so herausfordernd?
Berthold: Ich glaube, es sind zwei Dinge: Die Sterblichkeitsrate bei Ebola-Ausbrüchen ist sehr hoch, bei dieser Virus-Variante etwa zwischen 25 und 40 Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Epidemien wirklich extrem hoch.
Die gefährliche Virusinfektion Ebola löst hohes Fieber und Blutungen aus. Fakten und Daten zu bisherigen Ausbrüchen.
21.05.2026 | 1:00 minUnd bei der Bundibugyo-Variante gibt es aktuell keine zugelassenen Impfstoffe. Man kann nur symptomatisch behandeln, also zum Beispiel Fieber senken oder die Menschen stabilisieren.
Aber es gibt keine Impfung zur Vorbeugung und auch kein Medikament, das direkt wirkt. Das ist ein großes Problem.
Hinzu kommt: Es gibt viele Geflüchteten-Camps in der Region. In Nord- und Süd-Kivu leben schätzungsweise rund fünf Millionen Binnenvertriebene, die durch anhaltende Konflikte aus ihren Heimatgebieten vertrieben wurden. Diese Menschen leben beengt unter prekären Bedingungen. Auch das macht Situation so kritisch.
Theresa Berthold von Ärzte ohne Grenzen im Ebola-Schutzanzug (Archiv)
Quelle: Theresa Berthold/MSFZDFheute: Was braucht es jetzt, um die "Virus-Welle" zu brechen?
Berthold: Die medizinische Infrastruktur in den betroffenen Gebieten ist schwach und ohnehin schon überlastet.
Um die Viruswelle zu brechen, braucht es schnelle internationale Unterstützung, eine starke Koordination durch die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Stärkung der lokalen Gesundheitsbehörden.
Außerdem braucht es mehr Diagnostik: Viele Krankheitsfälle sind noch nicht erfasst. Es dauert auch sehr lange, bis die Ergebnisse zurückkommen. Nur wenn wir schneller wissen, was passiert, können wir gezielt reagieren.
Das Interview führte Marcel Burkhardt.
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