Epidemie im Kongo:NGO: Jedes vierte Ebola-Opfer ein Kind
Save the Children warnt vor einer hohen Dunkelziffer bei minderjährigen Opfern, da die Laborkapazitäten nicht ausreichten. Neben Ebola drohe den Kindern auch ein weiteres Risiko.
Abgebrannte Behandlungszelte und Misstrauen gegen Helfer des Roten Kreuzes, die Verzweiflung in der Bevölkerung ist groß. Während sich das hoch ansteckende Virus weiter ausbreitet.
28.05.2026 | 2:26 minBei mindestens jedem vierten bestätigten Ebola-Todesopfer in der Demokratischen Republik Kongo handelt es sich nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children um ein Kind. Unter den bisher in dem zentralafrikanischen Land bestätigten 17 verstorbenen Ebola-Patienten waren vier Kinder, so ein Sprecher.
Die tatsächliche Zahl dürfte angesichts von knapp 240 Verdachtsfällen verstorbener Patienten noch deutlich höher liegen - in der besonders betroffenen Region Ituri gibt es derzeit noch keine Laborkapazitäten, die schnell Gewissheit über eine Ebola-Infektion verschaffen können.
Die kongolesischen Behörden haben bereits 131 Todesfälle durch das Ebola-Virus gemeldet. ZDF-Korrespondentin Anna Feist berichtet über die aktuelle Entwicklung der Epidemie.
20.05.2026 | 1:07 minEbola-Nothilfe: Den Kindern droht weiteres Risiko
"Ich habe im Laufe der Jahre mehrere Ebola-Ausbrüche erlebt, aber noch nie so eine schnelle Ausbreitung", sagte Babou Rukengeza, Leiter der Ebola-Nothilfe von Save the Children in der Demokratischen Republik Kongo. "Viele Länder haben ihre Hilfsgelder gekürzt und wir spüren die Folgen davon bereits vor Ort."
Das heißt, es müssten nicht so viele Menschen sterben.
Babou Rukengeza, Save the Children
Kinder sind in der von Armut, bewaffneten Konflikten und Mangelernährung betroffenen Region derzeit noch einem weiteren Risiko ausgesetzt, so Rukengeza: Das Risiko, an Malaria zu sterben, steige. Denn die ersten Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen und Unwohlsein ähneln denen von Ebola. Aus Angst vor einer Ansteckung mieden aber viele Menschen Gesundheitszentren. "Dadurch sterben Kinder an Malaria, obwohl die Krankheit behandelbar wäre."
Ebola ist eine schwere Viruserkrankung, die häufig tödlich verläuft. Erste Symptome sind Fieber, Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen. Später können Durchfall, Erbrechen und innere Blutungen auftreten. Übertragen wird das Virus durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Verstorbener - etwa Blut, Speichel oder Erbrochenem. Eine Übertragung über die Luft gilt als ausgeschlossen. Beim aktuellen Ausbruch im Kongo handelt es sich um die seltenere Bundibugyo-Variante des Virus, gegen die bislang kein zugelassener Impfstoff existiert.
Es fehle vor Ort an ärztlichem Material und am Vertrauen der Menschen in den Staat. Hilfe suchten sie bei den Kirchen, sagt Tropenmedizinerin Dr. Gisela Schneider.
28.05.2026 | 4:12 minUN: Deswegen sind Frauen mehr betroffen
UN Women hatte vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass zudem der Anteil von Frauen und Mädchen unter den Betroffenen bei vorangegangenen Ebola-Ausbrüchen überdurchschnittlich hoch gewesen sei. "Frauen sind Mütter, Tanten und Schwestern, die sich um Kinder kümmern", sagte Sofia Calltorp, Leiterin der humanitären Maßnahmen der UN-Organisation.
Sie sind Töchter, die sich um ihre Älteren kümmern. Sie sind Krankenschwestern und [...] Geburtshelferinnen, die Frauen bei der Geburt ihrer Kinder unterstützen.
Sofia Calltorp, UN Women
Auch seien es Frauen, die sich um verstorbene Angehörige kümmern würden und die Beerdigungen vorbereiteten.
USA erhöhen Ebola-Hilfen
Derweil erhöhen die USA ihre Hilfen im Kampf gegen den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda um 80 Millionen Dollar - umgerechnet rund 68,6 Millionen Euro. Damit steigen die US-Hilfszusagen seit Beginn des Ausbruchs auf mehr als 112 Millionen Dollar, wie das US-Außenministerium mitteilte.
Das zusätzliche Geld soll unter anderem für Schutzausrüstung für Mitarbeiter des Gesundheitswesens, Ebola-Testkits, Unterstützung bei Gesundheitskontrollen an Flughäfen und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen verwendet werden.
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