Ärzte ohne Grenzen:Ebola: Was die Lage im Kongo so schwierig macht
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm: Im Kongo und in Uganda trifft Ebola auf tiefes Misstrauen, eine schlechte Gesundheitsversorgung und eine sehr mobile Bevölkerung.
"Das Problem ist, dass wir keine Behandlungsmöglichkeit haben", sagt Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen.
26.05.2026 | 5:47 minDer Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda weitet sich immer mehr aus. Die Zahl der mutmaßlichen Todesfälle liegt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen bei 220, die der Verdachtsfälle im Kongo bei mehr als 900. Die meisten von ihnen befinden sich in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes.
Die Lage in den betroffenen Gebieten sei "sehr besorgniserregend", sagte Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Das liege zum einen daran, dass die Fallzahlen sehr hoch seien. Zum anderen gebe es für den Virustyp aus der Ebola-Familie keine Behandlungsmöglichkeiten, keinen Impfstoff, und die Diagnostik sei sehr kompliziert und dauere lange.
Im Kongo steigt die Zahl der Ebola-Toten auf mehr als 200. Es gibt zudem rund 900 Verdachtsfälle.
25.05.2026 | 0:32 minEbola: Ärzte ohne Grenzen will Vertrauen in Bevölkerung stärken
Insgesamt sei die medizinische Lage in der Region durch Bürgerkriege und mangelndes Vertrauen in staatliche Institutionen schwierig, betonte Katzer. Ärzte ohne Grenzen arbeite mit daran, das Vertrauen in die Maßnahmen zu erhöhen.
Quelle: ZDF
Dazu seien mehrere Hundert Menschen angestellt worden, die auch erklären, wie gefährlich das Virus ist und warum Schutzmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Das betreffe vor allem Angehörige von Patienten im Kongo, die sie im Krankenhaus pflegen wollten.
Was hier klassisch Pflegepersonal übernimmt, sind oft die Angehörigen, das gehört dazu.
Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland
Deshalb versuche Ärzte ohne Grenzen, die Angehörigen mit einzubeziehen. Doch die Tatsache, dass die Sterblichkeit hoch sei und es keine Behandlungsmöglichkeiten gebe, trage nicht dazu bei, das Vertrauen in der Bevölkerung zu erhöhen.
Wir können vor allen Dingen Fieber senken, wir können Schmerzen lindern, aber den Virus selber können wir nicht bekämpfen.
Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland
Nach der Corona-Pandemie seien viele Menschen verunsichert. Doch das Ebola-Risiko für Deutschland und Europa werde als sehr gering eingeschätzt, so Infektiologin Prof. Marylyn Addo.
22.05.2026 | 5:11 minDer Osten der Demokratischen Republik Kongo zählt seit Jahren zu den instabilsten Regionen Afrikas. Besonders die Provinzen Ituri sowie Nord- und Südkivu werden immer wieder von bewaffneten Konflikten erschüttert. Zahlreiche Rebellengruppen kämpfen dort um Macht, Einfluss und den Zugang zu Rohstoffen. Zu den aktivsten Gruppen gehören die islamistische Allied Democratic Forces (ADF) sowie die M23-Miliz. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Dörfer, Vertreibungen und schweren Menschenrechtsverletzungen.
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Die Gewalt erschwert auch die Arbeit von Ärzten und Hilfsorganisationen massiv: Straßen gelten als unsicher, manche Regionen sind kaum erreichbar, Gesundheitszentren wurden zerstört oder aufgegeben.
Katzer: Erste Ebola-Fälle wurden falsch diagnostiziert
Dass der Virus so lange unentdeckt blieb, führt der Experte darauf zurück, dass er sehr schwer nachweisbar ist. Gängige schnelle Nachweismethoden funktionierten dabei nicht. Außerdem sei das Gesundheitssystem im Kongo "extrem schlecht".
Daher wurden die ersten Fälle ja falsch diagnostiziert und dann auch falsch behandelt. Der Ausbruch hat sich weit ausgeweitet.
Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland
Zur Ausbreitung beigetragen hat laut Katzer, dass der Osten des Kongo eine Bergbauregion sei, in der die Menschen immer wieder Arbeit suchten und dann nach Hause zurückkehrten. Zudem reisten viele Einwohner im Kongo wegen der besseren Gesundheitsversorgung in Uganda ins Nachbarland, um sich behandeln zu lassen.
Katzer forderte mehr Unterstützung für die WHO und die lokalen Behörden. Auch die Bundesregierung solle mehr humanitäre Hilfe für die Region zur Verfügung stellen sowie vorhandenes Wissen zur Behandlung und Diagnose von Ebola.
Geführt hat das Interview Philip Wortmann, zusammengefasst hat es Katia Rathsfeld.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ausbruchs einer seltenen Ebola-Variante im Osten der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Unter folgendem Konto können Hilfen für Menschen vor Ort gespendet werden:
Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spendenkonto: Commerzbank
IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
Stichwort: ZDF Nothilfe Ebola
Im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe haben sich Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe zusammengeschlossen.
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