Blutspende in Deutschland:Wer Blut spenden darf und warum Blut knapp wird
von Marion Geiger
Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Täglich werden 15.000 Spenden benötigt. Doch die Vorräte sind knapp. Woran das liegt.
Die Hitze und die Sommerferien führen laut DRK zu rund 15 Prozent weniger Blutspenden. Ein Problem vor allem an Unikliniken, denn eine Mindestanzahl an Blutkonserven muss stets verfügbar sein.
22.07.2026 | 1:51 minWer darf Blut spenden?
Für eine Vollblutspende kommen gesunde Erwachsene ab 18 Jahren infrage, die mindestens 50 Kilogramm wiegen. Eine gesetzliche Höchstaltersgrenze gibt es nicht mehr. Ob jemand spenden darf, wird vor jeder Spende individuell geprüft, das legt eine Richtlinie der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut fest.
Den Spendern werden Fragen zu Vorerkrankungen, Reisen oder Lebensumständen gestellt. Ziel ist es, Risiken für Spender und Empfänger zu minimieren, darunter auch Infektionsrisiken. Manche Menschen dürfen dauerhaft kein Blut spenden, andere nur vorübergehend, etwa nach Infektionen. Zusätzlich erfolgt eine kurze ärztliche Untersuchung. Grundsätzlich dürfen Männer höchstens sechsmal, Frauen höchstens viermal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden.
Die Reserven der Blutspenden schrumpfen. Mit zuletzt 3,59 Millionen Spenden liegt Deutschland unter dem jährlichen Bedarf von rund 3,7 Millionen, Kliniken bitten dringend um neue Spender.
20.01.2026 | 1:30 minWofür werden Blutspenden eingesetzt?
Blutpräparate werden vor allem zur Behandlung schwerer Krankheiten benötigt, aber auch für Verletzte nach Unfällen und fallweise bei Geburten. Laut Deutschem Rotem Kreuz verteilt sich die Nutzung der Blutpräparate auf diese Gebiete:
- 19 Prozent bei Krebserkrankungen
- Jeweils 16 Prozent bei Herzerkrankungen sowie Magen- und Darmkrankheiten
- 12 Prozent bei unfallbedingten Verletzungen
- Weitere größere Anteile betreffen Leber- und Nierenkrankheiten (6 Prozent), Blutarmut und Blutkrankheiten (5 Prozent) sowie Komplikationen bei Geburten und Erkrankungen von Knochen und Gelenken (je 4 Prozent)
- Der Rest verteilt sich auf weitere Einsatzgebiete.
Winter, Grippewellen und Wetterchaos: Warum gerade diese Faktoren die Blutversorgung massiv belasten und welche Folgen der Mangel für Patient*innen hat, erklärt Dr. Christoph Specht.
21.01.2026 | 6:33 minWarum werden Blutspenden in Deutschland oft knapp?
Um den Bedarf zu decken, sind täglich rund 15.000 Spenden nötig. Einige Blutbestandteile sind nicht lange haltbar, Blutplättchen, also Thrombozytenkonzentrate, sogar nur wenige Tage. Große Vorräte lassen sich daher nicht anlegen.
In Ferienzeiten spenden weniger Menschen, weil sie häufig im Urlaub sind. Zudem können Reisen in bestimmte Regionen zu vorübergehenden Sperren führen, etwa wegen Malaria-Risiken. Auch extreme Wetterlagen wie Hitze oder Glatteis können die Menschen vom Weg zur Blutspende abhalten und die Versorgung zusätzlich belasten.
Ist Blutspenden bei Hitze bedenklich?
Hitze an sich ist kein Ausschlusskriterium, sagt Dr. Roland Conradi von der Transfusionszentrale der Universitätsmedizin Mainz: "Wenn die Leute, die spenden, gut trinken, ist es kein Problem. Aber es ist ganz wichtig, dass die Spender vor und nach der Spende viel trinken."
Obwohl der Bedarf steigt, spenden immer weniger Menschen Blut - speziell zur Reisezeit. Wie kann man dem Mangel an Blutkonserven in Deutschland bestmöglich vorbeugen?
13.06.2025 | 5:10 minWas passiert, wenn zu wenig Blut zur Verfügung steht?
Wenn Kliniken nicht genügend Blutkonserven zur Verfügung haben, müssen geplante Eingriffe abgesagt bzw. verschoben werden. Ein gewisser Vorrat ist zudem wichtig, um für jeden einzelnen Patienten die optimal passende Blutkonserve raussuchen zu können. "Die wichtigsten Blutgruppensysteme werden selbstverständlich immer beachtet, ein größerer Vorrat ermöglicht aber eine noch bessere Abstimmung mit weiteren Blutgruppensystemen", erklärt Dr. Conradi.
Wo sind Blutspenden möglich?
Blutspenden sind in Städten und ländlichen Regionen möglich, an Universitätskliniken, in kommunalen Krankenhäusern, bei gemeinnützigen Organisationen oder privaten Unternehmen.
Größter Anbieter ist das Deutsche Rote Kreuz, das nach eigenen Angaben rund 75 Prozent der Blutversorgung abdeckt und dafür jährlich etwa 40.000 Termine organisiert, regelmäßig auch in kleineren Orten.
Blutspenden kann zunächst Überwindung kosten, doch es kann vielen Menschen helfen.
27.12.2025 | 2:38 minGibt es eine Aufwandsentschädigung?
Das Deutsche Rote Kreuz zahlt keine Aufwandsentschädigung und beruft sich auf einen ethischen Kodex, demzufolge Blutspenden freiwillig und unentgeltlich sein sollen. Einige Universitätskliniken und private Dienste handhaben das anders.
An der Mainzer Universitätsmedizin zum Beispiel bekommen Spendende für eine Vollblutspende eine Aufwandsentschädigung von 27,50 Euro. Es ist keine Bezahlung für das gespendete Blut, eine solche wäre nicht erlaubt.
Marion Geiger berichtet aus dem ZDF-Studio in Mainz.
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