Mentale Gesundheit: Wie junge Menschen sich gegenseitig helfen

Mentale Gesundheit in den Niederlanden:Hier hört zu, wer den Schmerz kennt

Renée Severin

von Renée Severin

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Wenn junge Menschen mental leiden, fehlt ihnen oft der Zugang zu Therapie. Auch Hemmungen sind oft groß. Eine Initiative in Maastricht setzt hier an - Betroffene hören einander zu.

Eine Mutter läuft mit ihrem Kind an der Hand an einem Fluss entlang, im Hintergrund sieht man einen Mann mit einem Kind.

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25.07.2026 | 25:10 min

Während der Corona-Pandemie beginnt für Femke ein harter Kampf: Die heute 24-Jährige erkrankt an einer Essstörung. "Ich habe die meiste Zeit online verbracht, all die Models gesehen, Mädchen und Bilder von Körpern", erinnert sie sich. Rund um die Uhr habe sie gekämpft, Essen allgegenwärtig: "Du bist so allein damit." Femke beginnt eine Therapie, doch:

Ich weiß, wie schwer es ist, sich Hilfe zu suchen.

Femke

Deshalb entscheidet sie sich damals, anderen zu helfen und ihre Erfahrungen zu nutzen. Als Freiwillige hört sie anderen in Maastricht zu, wenn sie ein Problem haben. "Einmal kam ein Mädchen hierher, sie hat nicht viel gesagt. Ich wusste sofort, dass sie eine Essstörung hat." Genau das ist die Idee hinter @ease - einer Anlaufstelle für junge Menschen, die ergänzen soll, was im Gesundheitssystem fehlt.

Eine Frau läuft lächelnd mit einem Surfbrett in der Hand auf die Kamera zu.

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25.07.2026 | 17:54 min

Kein Ersatz für Psychotherapie

Dahinter steckt Peer-to-Peer-Support: Menschen, die oft selbst Erfahrungen mit mentalen Problemen haben, sind für andere Betroffene da. Tagsüber warten Gleichaltrige, sogenannte Peers, in Maastricht auf Youngster, also junge Menschen, die etwas belastet. Das gibt es so bisher in zwölf niederländischen Städten und richtet sich an junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren.

@ease füllt eine Lücke.

Arianne Westhuis, Direktorin “@ease"

Arianne Westhuis ist die Direktorin von @ease. Gegenüber ZDFheute erklärt sie: "Es geht vor allem darum, vorzubeugen, bevor die Probleme immer schlimmer werden." Dafür gebe es sonst keine Anlaufstelle. Das Konzept kommt ursprünglich aus Australien, gibt es so ähnlich etwa auch in Dänemark.

Das Angebot soll Psychotherapie nicht ersetzen, sondern ihr zuvorkommen. "Wir schlagen eine Brücke zum System", so Westhuis. Obwohl die Grundidee ist, schon bei milderen Problemen zu helfen, kommen oft Youngster mit ernsten Problemen, Essstörungen sind nur ein Beispiel.

Montage - Vivien rechts im Bild greift mit ihren Händen an die Kapuze ihres Hoodies und schaut nach unten.

Angst, die nicht aufhört: Vivien versucht, einen Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. "37°Leben" begleitet sie im Alltag und in Therapie auf der Suche nach neuen Wegen.

21.06.2026 | 27:07 min

Gesprächsangebot ohne Termin, Diagnose und Warteliste

Größtenteils finanziert durch Spenden, können Youngster ohne Termin und anonym vorbeikommen, ohne Warteliste oder Diagnose vom Arzt. Die Kommunen stellen die Locations.

Neben dem Gesprächsangebot finden regelmäßig auch verschiedene Aktivitäten wie Koch- oder Spieleabende statt, um die Hemmschwelle, über Probleme zu reden, zusätzlich zu senken, aber auch um eine Lösung gegen Einsamkeit zu bieten. Oft unterschwellig spiele Einsamkeit in fast jedem Gespräch hier eine Rolle, berichtet Femke. Sie hört Betroffenen bei @ease zu. Das Gefühl staue sich bei vielen auf. "Aber darüber zu reden, kann helfen, dass es sich nicht mehr so schwer anfühlt", so Femke.

Berlin: Eine Frau steht in ihrer Wohnung an einem Fenster.

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27.07.2026 | 2:31 min

Universität Maastricht begleitet @ease

Psychologin Sophie Leijdesdorff begleitet die Initiative mit der Universität Maastricht: "Wir wissen, dass die meisten psychischen Erkrankungen sich früh im Leben entwickeln", deshalb wolle man dort ansetzen, in einer Lebensphase, die so wichtig für die eigene Entwicklung sei.

Für sie ist es befreiend, das erste Mal über ihre Probleme zu sprechen und zu sehen, dass sie nicht die einzigen sind, die so fühlen.

Sophie Leijdesdorff, Psychologin Universität Maastricht

Per Fragebogen halten die Peers bei @ease fest, wie sich die Youngster fühlen. Das Angebot sei demnach nicht so offiziell, da die Betroffenen nicht mit Psychologen, sondern mit Gleichaltrigen sprechen, erläutert Leijdesdorff - ohne Termin, ohne Überweisung. Außerdem müssten sie sich nicht mit Fragen zur Krankenkasse und Bezahlung herumschlagen.

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Psychologen oder Psychiater als Back-Up

In der Anlaufstelle stehen zudem Psychologen und Psychiater zur Verfügung. Gestellt werden sie in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen in der jeweiligen Stadt. Als Stütze für die Freiwilligen gehen sie jedes Gespräch im Anschluss noch mal durch - und stehen zur Seite, wenn sie Unterstützung brauchen.

Die Profis können gemeinsam mit den Freiwilligen die Warnsignale erkennen.

Arianne Westhuis, Direktorin @Ease

Denn jede dritte bis vierte Person, die @ease aufsucht, hat Suizidgedanken. Auch darüber müsse gesprochen werden können, so Direktorin Arianne Westhuis.

Hilfe bei akuten psychischen Schwierigkeiten und bei Suizidgedanken:




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Wollen Angebot in den Niederlanden erweitern

Künftig soll das Angebot in den Niederlanden weiter ausgeweitet werden. "Wir wollen, dass die Betroffenen uns per Fahrrad oder zu Fuß erreichen können." In der Pandemie kam schon ein Chat dazu, den die Standorte abwechselnd betreuen.

Derzeit gibt es 250 aktive Freiwillige im ganzen Land. Die Hälfte studiert Psychologie oder Medizin. Auch Femke will später Therapeutin werden: "Weil ich weiß, wie schwer es ist, sich Hilfe zu suchen."

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Über dieses Thema berichtete die Sendung heute in europa am 27.07.2026 ab 16:00 Uhr.

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