Ausgebremst für mehr Sicherheit:Die Niederlande testen Tempolimit auf Radwegen
von Britta Behrendt, Amsterdam
Maximal 20 km/h - eine Gemeinde in den Niederlanden erprobt ein Tempolimit auf Radwegen. Denn die Zahl schwerer Unfälle steigt, oft sind schnellere E-Bikes involviert.
Die Niederlande testen erstmals ein Tempolimit für Fahrräder: Im Ort Houten gilt versuchsweise Tempo 20. Grund sind steigende Unfallzahlen, auch durch die zunehmende Nutzung von E-Bikes.
07.07.2026 | 2:03 minEs ist das fahrradfreundlichste Land der Welt: In den Niederlanden gibt es noch immer mehr Fahrräder als Einwohner, etwa 24 Millionen auf 18 Millionen Bürger und ein erstklassiges Radwegnetz.
Doch es sind es nicht nur die typischen Hollandräder, die besonders gern gefahren werden. Auch E-Bikes und Fatbikes, Räder mit besonders dicken Reifen, nutzen die unzähligen Wege durch das flache Land. Mit Elektroantrieb können sie sehr schnell sein, schneller als die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Eine Helmpflicht gibt es auch in den Niederlanden nicht.
462 Menschen kamen im vergangenen Jahr in Deutschland durch Fahrradunfälle ums Leben, viele davon auf E-Bikes. Besonders ältere Verkehrsteilnehmer sind gefährdet.
27.04.2026 | 0:46 minMehr Unfalltote durch Radunfälle in den Niederlanden
Im Jahr 2025 starben in den Niederlanden 281 Menschen bei Radunfällen. Acht waren Fatbike-Fahrer und mindestens 41 Prozent der Unfallopfer saßen auf einem E-Bike. 81.000 Menschen landeten nach einem Sturz mit dem Rad in einer Klinik: das sind neun Prozent mehr als im Jahr zuvor, meldet das niederländische Statistische Amt in seinem Jahresbericht 2026.
Besorgniserregende Zahlen für die Niederlande, die über eine hervorragende Infrastruktur für Radfahrer verfügen, die auch auf Sicherheit ausgelegt ist. Der Minister für Verkehr hat nun das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 die Zahl der Verkehrstoten auf Radwegen auf Null zu bringen.
Die Bundesregierung will mit einem verpflichtenden Türwarnsystem Unfälle wie das "Dooring" reduzieren. Vor allem sollen Radfahrer vor plötzlich geöffneten Autotüren geschützt werden.
04.12.2025 | 0:22 minKleine Gemeinde will Tempolimit testen
Das kleine Houten in der Nähe von Utrecht hat ein Pilotprojekt gestartet und will überprüfen, ob ein Tempolimit auf Radwegen möglich ist.
"Wir wollen, dass dieser Ort noch verkehrssicherer wird", sagt Verkehrsdezernent Wouter van den Berg. "Hier kommen tausende Radler pro Tag vorbei, außerdem haben wir eine etwas unübersichtliche Kreuzung, wo wir in der Vergangenheit auch schon leider Unfälle hatten."
Auf dem Papier lässt sich ja viel entwerfen, aber wie es in der Praxis funktioniert, muss man ausprobieren. Wir wollen gerne wissen, ob ein Tempolimit funktioniert.
Wouter van den Berg, Verkehrsdezernent
Auf der Fossa Iberica in Houten stehen also Tempo-20-Schilder, Kameras registrieren Geschwindigkeit und das Verhalten der durchfahrenden Radfahrer. Zusätzlich werden die Bewohner zu ihrer Erfahrung befragt. Die Fossa Iberica führt mitten durch den autofreien Ortskern und kreuzt die Straße, die zum Houtener Bahnhof führt.
An der Durchgangsstraße liegen mehrstöckige Wohnhäuser, deren Haustüren direkt auf den relativ schmalen Bürgersteig öffnen. An der Kreuzung liegen Geschäfte und Cafés, an manchen Tagen ist hier auch ein kleiner Markt.
Nach dem Tod von Schauspielerin Wanda Perdelwitz rückt die Sicherheit im Straßenverkehr erneut in den Fokus. Mima-Reporter Sven Rieken zeigt vor Ort, wie eine vorbildliche Fahrradstraße Unfälle verhindern kann.
20.10.2025 | 8:26 minTempolimit für mehr Bewusstsein
20km/h ist die durchschnittliche Radgeschwindigkeit, E-Biker und Rennfahrer, die durchschnittlich 25 km/h fahren können, müssen sich also etwas bremsen, der Rest kann weiterradeln wie bisher. Eine Radarfalle ist nicht vorgesehen. Es gehe vor allem darum, das Verhalten der Radler zu analysieren, so der Verkehrsdezernent. Das Tempolimit solle Radler vor allem zu einem besseren und sozialeren Verhalten animieren.
"Wir fragen uns ein bisschen, ob das Tempolimit die Lösung ist?" fragt Kees Bakker vom Bund der Radfahrer.
Eigentlich wäre es sinnvoller, nach der Raumeinteilung zu schauen. Wo Bewegungsraum knapp ist, kommt es zu Konflikten. Da gibt es eigentlich schon ganz gute Lösungen, eine Höchstgeschwindigkeit fällt dagegen nicht ins Gewicht.
Kees Bakker, Bund der Radfahrer
In Kopenhagen gehört das Fahrrad zum Alltag - oft als Lastenrad für Familien und Transport. Auch Rennen sind dort nicht unüblich. Was macht die Fahrradkultur dort so besonders?
16.06.2026 | 4:31 minErst Houten, dann Amsterdam
Der Bund der Radfahrer plädiert unter anderem für getrennte Radwegspuren für schnelle und langsame Radler, um riskante Überholmanöver zu entschärfen. Solche Maßnahmen wären allerdings für Stadtplaner erheblich aufwendiger als die Einführung eines Tempolimits.
Für das Problem der frisierten Fatbikes und E-Bikes, die es bis auf 45 km/h bringen und für viele Unfälle verantwortlich sind, hat der Pilot in Houten allerdings auch keine Antwort. Für Fatbikes gilt jetzt schon eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Hier würden häufigere Kontrollen helfen, findet auch die Polizei.
Kees Bakker vom Bund der Radfahrer findet es gut, dass man überhaupt etwas ausprobiert. Nach einem weiteren Pilot in Amsterdam, der für September geplant ist, sollen die Daten ausgewertet werden und beraten, ob das Tempolimit breiter eingeführt wird.
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