Gesundheitsrefom: Was ein angehender Psychotherapeut kritisiert

Interview

Angehender Therapeut kritisiert Koalition:Psychotherapie als "Booster für die Volkswirtschaft"

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Die Regierung will bei Therapiekosten sparen. Ein Psychotherapeut in Ausbildung warnt vor den Folgen und hält entgegen, Psychotherapie sei "extrem produktiv" für die Wirtschaft.

Demonstranten auf einer Demo mit Schildern.

Mit der Gesundheitsreform will die Regierung sparen - auch im Bereich der Psychotherapie. Welche Folgen das haben könnte, analysiert ZDFheute live.

12.07.2026 | 18:31 min

Unruhe unter Therapeuten und Patienten: Manche befürchten gar den Todesstoß für die Psychotherapie. Warum? Die Bundesregierung will im Gesundheitswesen Geld sparen - Kritiker werfen ihr vor: am falschen Ende.

Zum einen steht eine Absenkung des Honorars von Psychotherapeuten um 4,5 Prozent im Raum - die ist aktuell jedoch vorerst ausgesetzt. Und im Rahmen der Gesundheitsreform ist unter anderem eine Streichung der Zuschläge für Kurzzeittherapien vorgesehen. Die Aufregung über die Pläne war groß - nun will die Koalition bei einigen Punkten einlenken. Das reiche aber nicht, sagen die Kritiker.

Jesko Vincent Schulz macht seit vier Jahren eine Ausbildung zum Psychotherapeuten. Bei ZDFheute live mahnt er, dass die Existenz seines Berufsstands auf dem Spiel stehe.

Sehen Sie oben das gesamte Interview oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt der angehende Psychotherapeut Schulz dazu, ...

... wie die Maßnahmen seine Existenz bedrohen könnten

Schulz betont, dass die psychotherapeutische Ausbildung in Deutschland weder von der Bundesregierung noch von den Krankenkassen finanziert wird. Hingegen erwirtschafteten sich angehende Psychotherapeuten ihre Ausbildung selbst durch ihre Tätigkeit in der Ambulanz. Viele Auszubildende müssten sich daher verschulden. Werde weiter gekürzt, sieht Schulz die Psychotherapeuten-Ausbildung in Deutschland in Gefahr. Und:

Es ist ein großer Stoß vor den Kopf für uns, weil es absolut nicht nachvollziehbar ist, wie dieser Beruf immer weiter bespart und kaputt gemacht wird.

Jesko Vincent Schulz, angehender Psychotherapeut

Durch die geplanten Änderungen sei sein Fach wirtschaftlich kaum noch lohnend, "sodass wir diesen Beruf eigentlich nicht weiter ausüben können, ohne Privatpatientinnen und Privatpatienten zu behandeln oder in den Bereich des Coachings oder so einzutauchen". Dies seien aber Tätigkeiten, die viele gar nicht ausüben wollten:

Wir wollen Menschen helfen, die wirklich in Not sind, und vor allem ja auch denen, die es vielleicht nicht so leicht haben in unserer Gesellschaft.

Jesko Vincent Schulz, angehender Psychotherapeut

Collage: Eine Person in Rückenansicht hat frustriert den Kopf in die Hände gestützt. In einem Fensterrahmen vor ihr zeigt sich ein riesiger Überweisungsschein vom Arzt mit der Aufschrift "Psychotherapie". Links davon die Kuppel des Bundestagsgebäudes.

Oft sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz in Deutschland lang. Nun sollen Therapeuten zum 1. April weniger Geld bekommen - minus 4,5 Prozent. Was bedeutet das?

20.03.2026 | 11:58 min

... warum sich Psychotherapie für die Gesellschaft lohnt

Schulz bezeichnet Psychotherapie als "extrem produktiv" für die Wirtschaft, "als Booster im Grunde für die Volkswirtschaft". Mehr als 20 Milliarden Euro würden jährlich durch Krankschreibung und durch Krankheitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen der Volkswirtschaft verloren gehen.

Da ist Psychotherapie ein sehr günstiges Mittel im Grunde, um dagegen zu steuern. Es ist absolut nicht verständlich, wie man da kürzen kann.

Jesko Vincent Schulz, angehender Psychotherapeut

Wartezeiten, Bedarfe, Kapazitäten
:Psychotherapie: Wie gut ist Deutschland versorgt?

Die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland steigt - dennoch müssen viele Menschen auf Therapieplätze warten. Was ein Experte zur Lage sagt und wo es Versorgungslücken gibt.
von Marie Ries
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Therapeutin und Patientin sitzen einander gegenüber, zwischen ihnen eine Einblendung mit einer politischen Karte Deutschlands
Grafiken

... was die Maßnahmen für Patienten bedeuten würden

Schulz sieht auf einen Großteil der Patienten längere Wartezeiten zukommen. Die seien ohnehin schon lang - das könnte sich durch die Maßnahmen aber verschärfen: "Wir gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel der Kapazitäten weiter zurückgehen wird, um Patientinnen und Patienten zu behandeln." Viele Patienten seien "fassungslos", sagt Schulz.

Deutschland steuert durch extrem anspruchsvolle Zeiten für alle Menschen - auch vor allem für die jungen Menschen, die sich einfach nicht gesehen fühlen.

Jesko Vincent Schulz, angehender Psychotherapeut

Die Bundesregierung wolle "metaphorisch gesehen am Rettungsboot" sparen, fasst Schulz zusammen. Und das sei nicht nachvollziehbar für die Menschen.

Das Interview führte ZDF-Moderator Christian Hoch. Zusammengefasst hat es David Metzmacher.

Ein Schild weist auf eine Praxis für Psychotherapie hin.

Psychotherapeutinnen und -therapeuten bekommen seit April weniger Honorar. Sie warnen: Die Kürzung verschärft den Mangel an Therapieplätzen.

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Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 12.07.2026 um 12:30 Uhr.

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