Anonyme Hilfe bei mentalen Problemen:Apotheken als Safe Space für Jugendliche
von Jenifer Girke
Suchen Jugendliche Hilfe, wissen sie oft nicht, wohin. Sogenannte Safe-Space-Apotheken sollen erste Orientierung bieten und den Übergang zu fachlichen Angeboten unterstützen.
Immer mehr Jugendliche suchen online Rat - und bleiben oft mit ihren Problemen allein. Mit Safe-Space-Apotheken haben Jugendliche eine direkte Anlaufstelle in belastenden Situationen.
05.05.2026 | 2:52 minMentale Probleme bei Jugendlichen nehmen zu: Laut dem aktuellen Deutschen Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung liegt der Anteil an Schüler*innen mit psychischen Auffälligkeiten bei 25 Prozent und ist damit erstmals seit dem Ende der Corona-Pandemie wieder gestiegen.
Die Jugendbewegung OurGenerationZ (OGZ) befasst sich mit der Frage, wie junge Menschen frühzeitig und niedrigschwellig Unterstützung erhalten können. Ein Ansatz der Initiative ist es, Apotheken als mögliche Anlaufstellen und Schutzräume zu etablieren - sogenannte Safe-Space-Apotheken. Wie das Konzept funktioniert und welche Rolle Apotheker*innen dabei übernehmen.
Jeder sei versorgt, aber der Weg in die nächste Apotheke sei weiter geworden, sagt der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände Thomas Preis.
16.09.2025 | 5:25 minJugendliche empfinden Apotheken als sicheren Raum
Lara Laurenz ist Mitgründerin und Sprecherin der OGZ Deutschland und Vorstandsvorsitzende des Fördervereins OurGenerationZ e. V.. Sie berichtet von zunehmenden Anfragen Jugendlicher, die mit mentalen Problemen zu kämpfen haben. "Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass wir auch offline eine Art Anlaufstelle brauchen", so die 22-Jährige.
Daraus entstand die Idee der Safe-Space-Apotheken. Mittlerweile beteiligen sich bundesweit über 40 Apotheken an dem Projekt.
Viele Apotheken blieben am bundesweiten Protesttag geschlossen. Die Apotheken wollen Druck machen auf die Bundesregierung. Es geht vor allem um höhere Honorare.
23.03.2026 | 2:28 minApotheken als anonyme Anlaufstellen
Gerrit Nattler, Apotheker in Gelsenkirchen, beteiligte sich von Beginn an an der Initiative. Apotheken könnten einen anonymen Zugang ermöglichen, sagt er:
Niemand muss in einer Apotheke seine Versichertenkarte zeigen und seinen Namen nennen.
Gerrit Nattler, Apotheker
Auch für Lara Laurenz ist die Anonymität entscheidend: Jugendliche könnten sich ohne Angst vor Verurteilung oder Weitergabe von Informationen an Eltern oder Freunde anvertrauen. Als weitere Vorteile von Apotheken nennt Nattler die langen Öffnungszeiten sowie die Tatsache, dass dort häufig viele verschiedene Sprachen gesprochen werden.
Die Folgen der Coronapandemie und anhaltende Krisen sorgen bei immer mehr Kindern und Jugendlichen dauerhaft für psychische Probleme. Das zeigen Zahlen der Krankenkasse DAK.
08.12.2025 | 0:25 minSo funktioniert das Prinzip der Safe-Space-Apotheke
In den teilnehmenden Apotheken können Jugendliche kostenlos und anonym ein unverbindliches Gespräch führen, um gemeinsam passende Hilfsangebote zu finden und an Fachstellen vor Ort vermittelt zu werden, zum Beispiel an Fachärzt*innen oder Selbsthilfegruppen. Dort kann ihnen gezielt geholfen werden. Auch Gespräche mit Eltern oder Bezugspersonen sind möglich, wenn das gewünscht ist.
Apotheker kennen sich vor Ort aus und können zum Beispiel zu Drogen- oder Schwangerschaftsberatungsstellen vermitteln.
Lara Laurenz, Mitgründerin und Sprecherin der Jugendbewegung OurGenerationZ (OGZ)
Die Gespräche sollen keine psychologische Beratung, Behandlung oder Diagnostik ersetzen. Sie können als erste Orientierung dienen und dabei unterstützen, innerhalb des Gesundheitssystems die passende Anlaufstelle zu finden.
Jugendliche können sich entweder über Instagram bei der Initiative OurGenerationZ (OGZ) nach der nächstgelegenen Safe-Space-Apotheke erkundigen oder sie gehen direkt dorthin - zum Beispiel, weil sie über Flyer oder in der Schule davon gehört haben.
Zusätzlicher Aufwand und neue Chancen für Apotheken
Entscheidend ist, dass die Apotheke sehr gut vernetzt ist und einen genauen Überblick darüber hat, welche Ärzt*innen und Anlaufstellen es in der Nähe gibt. Das bedeute Mehraufwand, weshalb viele Apotheken vermutlich noch zögerten, so Nattler.
Für ihn sei die Initiative hingegen eine große Chance, denn Apotheken müssten sich in Zeiten von Online-Diensten aus seiner Sicht verändern. "Man merkt überall, dass Apotheken unter Druck stehen", sagt Nattler.
Medikamente nur noch online, keine Fachberatung: Auf dem Land gibt es immer weniger Apotheken. Doch vor allem ältere Patienten sind auf die Versorgung angewiesen.
16.09.2025 | 2:50 minErfahrungen aus dem Apothekenalltag als Grundlage
Schwierige Gespräche gehörten im Apothekenalltag längst dazu, erklärt Nattler. Soziale Kompetenz sei ihm als Apotheker daher wichtig. Auf dieser Basis könnten sie aufbauen, um als Safe-Space-Apotheke auch Jugendlichen mit unterschiedlichen Problemen empathisch zu begegnen.
Zusätzliche Schulungen brauche es trotzdem, gibt der Apotheker zu. Diese seien ein wichtiger Bestandteil im Konzept der Safe-Space-Apotheken. Begleitet wird das Projekt von der Freien Universität Berlin sowie von einem Team aus Psycholog*innen und Ärzt*innen. Sie unterstützen unter anderem dabei, Beratungsgespräche sensibel aufzubauen und zu führen.
Jenifer Girke ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
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