Psychische Erkrankungen sind Treiber:Krankheitskosten in Deutschland über halbe Billion Euro
Im Jahr 2024 beliefen sich Krankheitskosten in Deutschland auf 528,5 Milliarden Euro. Besonders große Unterschiede gibt es vor allem zwischen den Geschlechtern und im Alter.
Die durch Krankheit entstehenden Kosten sind 2024 auf rund 566 Milliarden Euro gestiegen, wie das Statistische Bundesamt meldet. Das ist ein Anstieg um 7,6 Prozent zum Vorjahr.
08.10.2026 | 0:35 minDie Krankheitskosten in Deutschland haben im Jahr 2024 die Marke von einer halben Billion Euro überschritten. Insgesamt beliefen sich die direkten Kosten auf 528,5 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 7,6 Prozent zum Vorjahr entspricht, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.
Rechnerisch entfielen damit auf jeden Einwohner Kosten von 6.330 Euro. In den Zahlen sind Ausgaben für medizinische Behandlungen, Pflege, Prävention und Rehabilitation enthalten, nicht jedoch indirekte Folgen wie Arbeitsausfälle.
Frauen mit deutlich höheren Pro-Kopf-Kosten als Männer
Besonders große Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern. Die Pro-Kopf-Kosten für Frauen lagen mit 6.960 Euro um 22,5 Prozent höher als für Männer mit 5.680 Euro. Die Statistiker führen dies vor allem auf die höhere Lebenserwartung von Frauen und den damit verbundenen größeren Anteil an älteren und hochbetagten Menschen zurück. Zudem fallen Kosten im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt an.
Lange wusste sie nicht, was mit ihr los war. Dann bekam Simone Förster die Diagnose Depression. Wie sie mit ihrer Erkrankung lebt.
02.10.2026 | 5:19 minDie teuersten Krankheitsbilder unterscheiden sich ebenfalls: Bei Frauen verursachten psychische und Verhaltensstörungen wie Demenz die höchsten Kosten, bei Männern waren es Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Über 65-Jährige: Mehr als die Hälfte der gesamten Krankheitskosten
Ein entscheidender Kostentreiber ist das Lebensalter. Mehr als die Hälfte der gesamten Krankheitskosten von 284,3 Milliarden Euro entfiel auf die Altersgruppe der über 65-Jährigen. Während die Kosten für 15- bis 29-Jährige bei durchschnittlich 2.390 Euro lagen, stiegen sie für Menschen über 85 Jahre auf 30.150 Euro pro Person.
Insgesamt verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 69,4 Milliarden Euro die höchsten Kosten, dicht gefolgt von psychischen und Verhaltensstörungen mit 68,7 Milliarden Euro. Insgesamt entfiel mehr als die Hälfte der Kosten auf fünf große Krankheitsgruppen, wie Herz-Kreislauf-Leiden, psychische Störungen, Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, des Verdauungssystems sowie Neubildungen wie Krebs.
In Finnland leben ältere Menschen in Pflegefamilien statt in Heimen. Das Modell bietet persönliche Betreuung, mehr Alltagsteilhabe und gilt als günstige Alternative zur klassischen Pflege.
21.07.2026 | 2:15 minAOK: Psychische Erkrankungen befeuern Ausfälle im Job
Zu einem Treiber für Fehlzeiten im Job entwickeln sich nach einer Auswertung der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) zusehends psychische Erkrankungen - und das mit langen Ausfallzeiten.
Deswegen waren im vergangenen Jahr 403 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Kassenmitglieder zu verzeichnen, wie der AOK-Bundesverband nach eigenen Versichertendaten mitteilte. Im Jahr 2016 waren es noch 284 Tage je 100 Mitglieder.
Deutlich häufigere Ursache für Krankmeldungen sind demnach zwar weiterhin Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Grippe. Krankschreibungen aus diesem Grund dauerten aber im Schnitt nur 5,7 Tage. Dagegen fehlten Beschäftigte bei psychischen Erkrankungen 2025 im Schnitt 28,5 Tage je Fall. Für die Analysen wurden Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten ausgewertet.
Ständige Sorgen und Verantwortung belasten pflegende Angehörige - auch seelisch. Was Betroffene tun können, um psychisch stabil zu bleiben.
06.10.2026 | 5:26 minSoziale Berufe stark betroffen
Von psychischen Erkrankungen seien insbesondere Beschäftigte in sozialen Berufen betroffen, erläuterte der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Helmut Schröder. An der Spitze stehen demnach Beschäftigte in Call-Centern, gefolgt von Beschäftigten in der Pflege und Kinderbetreuung.
Pflegende Angehörige sollten auf körperliche und psychische Anzeichen einer Überlastung achten. Dazu gehören dauerhafte Verspannungen, Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Schlafstörungen, aber auch eine erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen oder Antriebslosigkeit.
Zudem können Gefühle wie Einsamkeit, Angst, Trauer oder Wut auftreten sowie das Gefühl, wertlos zu sein. Betroffene sollten unbedingt in der Hausarztpraxis abklären lassen, ob ihre Beschwerden eine körperliche Ursache haben oder ob sie auf die Belastungen des Pflegealltags zurückzuführen sind.
Mit Blick auf die Ursachen für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out wies die AOK auf ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren hin. Dazu gehörten Belastungen durch allgemeine politische Krisen, Verdichtung und "Entgrenzung" der Arbeit durch ständige Erreichbarkeit oder Belastungen wegen der Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung.
Arbeit nicht nur Risikofaktor
Die Chefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, betonte zugleich, Arbeit sei nicht nur ein Risikofaktor, sondern auch ein Schutzfaktor. "Sie gibt Struktur, Orientierung und Stabilität und kann zum persönlichen Sinnerleben beitragen."
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