Krieg im All: Warum die Bundeswehr den Weltraum überwacht

Militarisierung im Orbit:Bundeswehr: Krieg im All "im Bereich des Möglichen"

von Bernd Weisener

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Was lange Stoff für Science-Fiction-Filme wie Raumschiff Enterprise war, wird immer wahrscheinlicher: Krieg im Weltall. Neben USA, Russland, China rüstet auch Deutschland auf.

In einer Fertigungshalle wird an einer Rakete gearbeitet

Wie gut ist die Bundeswehr auf einen möglichen Krieg im Weltall vorbereitet?

20.04.2026 | 43:54 min

Der Orbit entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Schauplatz geopolitischer Spannungen. Die USA, Russland und auch China kämpfen um eine Vormachtstellung. "Der Weltraum ist kein politisches Vakuum. Das heißt, im Weltraum finden Machtinteressen statt", sagt Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Schon heute verfügen Killer-Satelliten über die Fähigkeit, andere Satelliten auszuschalten. Generalmajor Michael Traut vom Weltraumkommando der Bundeswehr warnt:

Wir müssen auch sehen, dass ein Krieg im Weltraum durchaus im Bereich des Möglichen ist.

Michael Traut, Generalmajor der Bundeswehr

Bundeswehr überwacht Satelliten im Weltraum

Moderne Gesellschaften sind in hohem Maße von Satelliten abhängig - sei es für Kommunikation, Navigation, Wettervorhersagen oder militärische Aufklärung. Diese Infrastruktur ist jedoch extrem verwundbar. Staaten investieren verstärkt in Technologien, die Satelliten stören, manipulieren oder sogar zerstören können. Dazu zählen Anti-Satelliten-Waffen, Cyberangriffe sowie elektronische Störsysteme.

Boris Pistorius

"Die Bedrohungen sind real", so Bundesverteidigungsminister Pistorius (SPD) im Herbst 2025 über die Situation im Weltraum.

26.09.2025 | 15:49 min

Beim Weltraumkommando der Bundeswehr in Uedem am Niederrhein werden militärische und zivile Satelliten überwacht. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

"Also die Bedrohung ist leider täglich real und augenfällig", sagt Generalmajor Michael Traut vom Weltraumkommando der Bundeswehr.

Es gibt ein ganzes Spektrum von Bedrohungen. Weltraumsysteme werden beobachtet, verfolgt, ausgespäht, abgehört. Es wird gestört, jeden Tag.

Michael Traut, Weltraumkommando der Bundeswehr

Angriffe im All: Gefahr für Internet, Strom, Navigation

Und das kann gravierende Folgen auch für die zivile Versorgung auf der Erde haben. Es gehe um Kommunikation, die über den Weltraum läuft und um Internetverbindungen, sagt Bundeswehr Vizeadmiral Thomas Daum. Er ist Inspekteur im Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr.

Collage: Harald Lesch in Kontrollraum

Es wird eng im All: Etwa 6.000 Satelliten kreisen bereits um die Erde und liefern eine Vielzahl an Daten. Harald Lesch zeigt, was sie alles erspähen können - und wem das dient.

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Fehlt der Strom, funktioniert beispielsweise keine Zapfsäule mehr, Lkw können nicht tanken, die Lebensmittelversorgung würde zusammenbrechen.

Auch Navigationssatelliten wie GPS spielen eine wichtige Rolle. Deren Signale werden immer häufiger gestört, so die Bundeswehr. Nicht mit Waffen, sondern mit Funkwellen.

Gerade im Ostseeraum werden fast täglich GPS-Signale gestört, sagt Bundeswehr Vizeadmiral Thomas Daum: "Über den baltischen Raum ist es häufig vorgekommen, dass Flüge, die aus Finnland kommen, die beispielsweise nach Estland gehen, bei schlechtem Wetter, wo sie auf diese Navigationssysteme angewiesen sind, abdrehen mussten und nicht landen konnten, weil es absehbar auf der Seite jenseits der Grenze, also auf der russischen Seite, Störer gibt, die dann dort ihren Unfrieden stiften."

Grafik: Raketenrennen in All - Harald Lesch in Raumanzug.

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21.03.2023 | 29:09 min

Zunahme von Weltraumschrott durch Militarisierung im Orbit

Die zunehmende Militarisierung des Weltraums birgt erhebliche Risiken. Neben der Beeinträchtigung militärischer Systeme und massiven Auswirkungen auf zivile Bereiche besteht zudem die Gefahr, dass zerstörte Satelliten große Mengen an Weltraumschrott erzeugen, der langfristig weitere Missionen gefährdet.

Schon ein drei Millimeter großes Schrottteilchen hat die Zerstörungskraft einer Gewehrkugel. Schon bei fünf Zentimeter großen Stücken ist es so, als würde der Satellit von einem Bus getroffen. Schon jetzt rasen Millionen kleine und größere Teile mit bis zu 30.000 Kilometern pro Stunde um die Erde.

Massive Gefahren für Bundeswehr-Satelliten im All

Das Weltraumkommando der Bundeswehr in Uedem versucht, die eigenen Satelliten so zu steuern, dass sie Kollisionen mit Weltraumschrott durch Ausweichmanöver vermeiden. "Für unsere eigenen Satelliten liegen wir im Bereich von etwa 75.000 Annäherungen, die wir dieses Jahr analysiert haben. Nur für unsere militärischen Satelliten. Daraus kann man schon ableiten, dass man von Langeweile nicht wirklich sprechen kann", sagt Oberstleutnant Thomas Blätte vom Weltraumkommando der Bundeswehr.

Eine Nahaufnahme der Erdkugel im Weltraum, umgeben von einem Kreis aus vielen kleinen, hellen Punkten

Rasend schnell und unkontrolliert: Millionen Schrottteile kreisen im Orbit. Kollisionen sind nahezu unvermeidlich. Das birgt Gefahren - im Weltraum und auf der Erde.

12.02.2024 | 43:50 min

Internationale Abkommen wie der Weltraumvertrag von 1967 bilden zwar eine rechtliche Grundlage für die friedliche Nutzung des Alls, doch viele neue Technologien sind darin nicht ausreichend geregelt. Experten fordern daher dringend eine Weiterentwicklung internationaler Normen und eine stärkere Zusammenarbeit, um eine weitere Eskalation im All zu verhindern.

Über die Aufrüstung im All und deren Folgen berichtete unter anderem ZDFinfo am 20.04.2026 um 05:00 Uhr.

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