Sondereffekte treiben Wachstum an:Wirtschaftsaufschwung trotz Krisen: Das sind die Gründe
von Mischa Ehrhardt
Die Wirtschaft nimmt wieder an Fahrt auf: In diesem Jahr soll sie um über ein Prozent wachsen - doch Sondereffekte spielen eine entscheidende Rolle. Was die Konjunktur antreibt.
Die deutsche Wirtschaft wächst wieder - und einige Mittelständler bleiben zuversichtlich.
25.09.2026 | 2:01 minMan reibt sich die Augen: Der Krieg im Nahen Osten treibt die Energiepreise und damit die Inflation. Aus der Industrie kommen Meldungen von Stellenabbau und Werksschließungen. Und das Niedrigwasser im Rhein stört wichtige Lieferketten. Doch die Wirtschaft wächst. "Wir sollten in diesem Jahr das stärkste Wirtschaftswachstum seit 2022 bekommen", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, gegenüber ZDFheute.
Deutsche Wirtschaft: Sondereffekte sorgen für Aufschwung
In ihrer Herbst-Gemeinschaftsdiagnose gehen die fünf wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute von einem Wachstum von 1,3 Prozent in diesem Jahr aus. Zuversicht speist sich auch aus einer Verbesserung der Stimmung in den Führungsetagen der Unternehmen - der ifo-Index ist fünf Mal in Folge gestiegen.
Doch dieser Aufschwung ist auch bedingt durch Sonderfaktoren. So bemerken beispielsweise Unternehmen der chemischen Industrie eine verstärkte Nachfrage aus Asien. Grund ist die Sperrung wichtiger Seehandelsrouten nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran. Denn mit dem stockenden Ölfluss haben sich die Energiepreise stark erhöht, auch und vor allem in Asien. Dort haben viele die Produktion heruntergefahren - und davon profitieren hiesige Firmen etwa im Bereich chemischer Grundstoffe.
Hohe Spritpreise, Inflation, zu hohe Mieten – eine aktuelle Umfrage zeigt, worüber sich die Deutschen am meisten sorgen.
01.10.2026 | 1:13 minKI und Sondervermögen sorgen für Nachfrage
Die zweite Sonderkonjunktur ist Folge des KI-Booms. Die wichtigsten Spieler der neuen Technologien sitzen zwar in den USA und China. Doch hiesige Exportunternehmen spüren eine erhöhte Nachfrage ihrer Waren und Produkte - etwa für den Bau von Rechenzentren und Serverfarmen.
Auch für die Chipproduktion stammen Maschinen und Komponenten aus Deutschland. Und schließlich fließen mittlerweile auch staatliche Mittel aus den Sondervermögen für Infrastruktur und militärische Aufrüstung.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) stellt am Donnerstag die Herbstprojektion der Bundesregierung vor. Erwartet wird, dass die Regierung wie zuvor führende Wirtschaftsforschungsinstitute für das laufende Jahr nun mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent rechnet.
Hohe Inflation belastet den Konsum
Neben diesen Sondereffekten bremsen natürlich vor allem die hohen Energiepreise die deutsche Wirtschaft. Insbesondere in energieintensiven Branchen klagen Firmen über hohe Belastungen, nachdem die Ölpreise infolge des Iran-Krieges zeitweise wieder über 100 Dollar pro Barrel gestiegen sind. Infolgedessen hat auch die Inflation deutlich angezogen - nach erster Schätzung lag sie im September bei 3,3 Prozent.
Die Folge: Verbraucher halten sich mit Anschaffungen zurück. Die Menschen rechnen angesichts der hohen Inflation mit geringeren Einkommen, entsprechend hoch ist ihre Sparneigung. Sie befindet sich auf einem Niveau, das zuletzt in der großen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 gemessen wurde. Interessanterweise sind es gerade hohe Einkommen im oberen Einkommensviertel, die laut den Konsumforschern des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) am meisten zum Sparen neigen: Sie sehen ihr Erspartes schwinden und halten deswegen ihr Geld zusammen.
Hohe Energiepreise und die unsichere Weltlage dämpfen laut Studie die Konsumlaune in Deutschland. Die Sparneigung ist so hoch wie seit der Finanzkrise von 2008 nicht mehr.
25.09.2026 | 0:24 minAussichten für kommende Jahre durchwachsen
Natürlich zeigt sich Konsumzurückhaltung aber auch bei Haushalten, die vergleichsweise geringe Einkommen haben. Denn tatsächlich treffen diese Haushalte hohe Preise am härtesten, weil sie einen Großteil des Geldes für alltägliche Dinge aufwenden müssen.
So zeichnet sich insgesamt aus Sicht der Bundesregierung ein Nachlassen der aktuellen wirtschaftlichen Dynamik ab. "Die Sonderkonjunktur bei den energieintensiven Industrien, die im Zuge des Konflikts im Nahen Osten von der gestiegenen Auslandsnachfrage getragen wurde, scheint sich zur Jahresmitte abzuschwächen", so das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Monatsbericht September. "Auch in der Binnenwirtschaft deuten Indikatoren für die private Konsumentwicklung vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Energiepreise auf eine nachlassende Dynamik hin."
Auch das stimmt mit den Prognosen der Forschungsinstitute überein. So rechnen sie für 2027 mit einem etwas langsameren Wachstum von 1,1 Prozent, und 2028 nur noch mit 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum.
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