Preissprung bleibt aus:Warum der US-Angriff auf Venezuela keine Öl-Rallye auslöst
von Frank Bethmann
Geopolitische Schockwellen - stabile Märkte: Der jüngste US-Angriff auf Venezuela sorgt für Aufregung, aber nicht für steigende Ölpreise. Im Gegenteil. Experten erklären, warum.
Dass es den USA mit dem Angriff in Venezuela auch um die dort lagernden Ölreserven geht, daraus macht die Trump-Regierung selbst ja keinen Hehl. Welche Bedeutung aber hat das Öl aus Venezuela auf dem Weltmarkt?
05.01.2026 | 1:54 minMan hätte es anders erwarten können: Eine militärische Attacke auf ein Ölförderland hat in der Vergangenheit häufig genug Preisanstiege ausgelöst. Insbesondere dann, wenn es sich wie bei Venezuela um das Land mit den größten Ölreserven der Welt handelt. Sofort stand stets die Versorgungsfrage im Raum: Wird das Öl jetzt knapp?
Doch dieses Mal ist es anders. Trotz der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro und militärischer Operationen in Venezuela blieb ein Preissprung aus, fielen die Ölpreise am Montag sogar leicht. Der Preis für die US-Sorte WTI notierte bei 57,09 Dollar pro Barrel, der für die in Europa wichtige Marke Brent bei 60,58 Dollar pro Barrel.
Venezuela nur für ein Prozent der Weltölversorgung verantwortlich
Arne Lohmann Rasmussen, Chief Analyst bei A/S Global Risk Management, erklärt die Entwicklung: "Obwohl es sich um ein gewaltiges geopolitisches Ereignis handelt, ist immer noch zu viel Öl auf dem Markt, und deshalb werden die Ölpreise nicht explodieren."
Tatsächlich steht Venezuela, obwohl es über derart riesige Vorkommen verfügt, noch nicht einmal für ein Prozent der Weltölversorgung.
Nach dem militärischen Vorgehen der USA in Venezuela reagiert die Bundesregierung zurückhaltend auf den Militärschlag. Kanzler Merz und Außenminister Wadephul bezeichnen die Lage am Montag als "komplex".
05.01.2026 | 1:48 minÜberangebot am Weltmarkt
Zudem fällt der Umbruch des südamerikanischen Landes in eine Zeit, in der der Ölmarkt bemerkenswert entspannt ist. Trotz aller Krisen: "Es gibt ein Überangebot an Rohöl", bestätigt auch Steffen Bukold, "und ob Venezuela nun exportiert oder nicht, das ändert daran nichts."
ZDFheute Infografik
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Der Chef der Hamburger Beratungsfirma EnergyComment stützt sich dabei auf Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris. "Die sagt, dass wir in diesem Jahr ungefähr mit einem Überangebot von vier Prozent rechnen müssen, also vier Millionen Barrel pro Tag. Venezolanisches Öl macht knapp eine Million aus. Also selbst wenn es ganz entfallen würde, stünde immer noch ein großes Überangebot an Rohöl zur Verfügung."
Heizen und Tanken wird voraussichtlich nicht teurer
Außerdem spielen weitere Faktoren eine Rolle. Die Qualität des venezolanischen Rohöls gilt als überwiegend gering. Den Weg auf den europäischen Markt findet es daher kaum, noch nicht einmal für Nebenprodukte wie sie im Asphalt verwendet werden.
Für den deutschen Markt ist es überhaupt nicht relevant.
Steffen Bukold, Chef der Beratungsfirma EnergyComment
Heizen und Tanken, so Bukold, dürfte sich daher in Deutschland nicht weiter verteuern.
Nach dem Einsatz des US-Militärs in Venezuela am Samstag berät heute darüber der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung. Auch in Venezuela wird das Geschehene noch verarbeitet.
05.01.2026 | 1:40 minExperte: "Einen wirklichen Krieg ums Öl gab es nur einmal"
Ganz generell stellt Bukold fest, dass sich die Mechanismen am Ölmarkt verändert haben. "Einen wirklichen Krieg ums Öl gab es nur einmal", so Bukold, "ganz kurz, und das war 1990, als der Irak Kuwait überfallen hat, um sich die Ölreserven dort zu sichern."
In den letzten 20 Jahren, so der Experte weiter, gab es kaum noch riesige Preissprünge aufgrund von geopolitischen Risiken.
Das läge aber daran, dass sich die Zeiten geändert haben. "Im letzten Jahrzehnt waren die Ölpreise deutlich höher. Das Barrel kostete über 100 Dollar", erinnert er.
Der US-Militäreinsatz in Venezuela sei ein Verstoß gegen die im Völkerrecht festgelegte "territoriale Souveränität und politische Unabhängigkeit", sagt der Völkerrechtler Christoph Safferling.
05.01.2026 | 5:32 minDie Schieferölrevolution, besser bekannt als Fracking, habe dauerhaft die Preise gesenkt und tue das auch weiterhin. "Zusammen mit der etwas abflachenden Nachfrage gibt es insgesamt keinen Mangel an Öl", so Bukold.
Das sollte allerdings nicht zu dem Irrglauben führen, dass es mit dem Öl immer so weiter geht. Die Importabhängigkeiten von wenigen Förderländern bleiben - und werden auch in Zukunft Risiken mit sich bringen.
Frank Bethmann ist Moderator und Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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