Venezuelas Ölreserven: Was eine US-Kontrolle bedeuten würde

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Profitieren Konzerne von Trumps Plänen?:Venezuelas Ölreserven: Was die USA jetzt vorhaben

von Nils Metzger und Katharina Schuster

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Donald Trump will den riesigen Ölsektor Venezuelas für US-Konzerne öffnen. Es geht um die größten Reserven der Welt und Milliarden Dollar. Wer könnte davon am meisten profitieren?

 Seitenblick auf einen Industriepark für Erdöl, 17.03.2022

Venezuela verfügt über die größten bestätigten Ölreserven der Welt.

Quelle: dpa

Die USA wollen die Kontrolle über die riesigen Ölreserven Venezuelas übernehmen, so erklärte es US-Präsident Donald Trump am Samstag. Große US-Ölkonzerne sollten Milliarden Dollar investieren, um die nach Trumps Worten "schwer beschädigte" venezolanische Öl-Infrastruktur zu modernisieren.

Venezuelans in Costa Rica react to the capture of Nicolas Maduro

Nach Maduros Festnahme proklamiert Trump die nach ihm benannte „Donroe Doktrin“ zur US-Dominanz in Lateinamerika.

04.01.2026 | 2:33 min

Was verspricht Trump?

Eine Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhängig und sicher" machen, sagte Trump. Auch Millionen Venezolaner im Exil - inklusive den USA - würden von den geplanten Maßnahmen profitieren. Wie er diese weitreichenden Versprechungen umsetzen wolle, dazu machte der US-Präsident keine präzisen Angaben. Seit Beginn dieses Jahres ist der US-Ölriese Chevron wieder in Venezuela aktiv und fördert Öl im Land.

Venezolaner feiern vor dem Restaurant El Arapazo in Doral, Florida, nach Berichten über einen US-Angriff auf Venezuela und die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Der Sturz Maduros sorgt bei Venezolanern in den USA für Kritik, doch nicht bei allen. Während die einen Angriffe auf ihre Heimat kritisieren, feiern andere das Ende des Diktators.

04.01.2026 | 1:13 min

1976 und 2007 hatten venezolanische Regierungen mehrfach Ölprojekte verstaatlicht und daran beteiligte internationale Konzerne enteignet - darunter solche aus den USA. Ein zentrales Argument war, dass zu wenig des geförderten Wohlstandes im Land selbst ankäme. Die Sorge vieler Beobachter ist nun ein von den USA festgelegtes Machtarrangement, das erneut primär ausländischen Interessen dient.

Demonstranten protestieren vor dem Weißen Haus gegen US-Bombardements in Venezuela.

Vor dem Weißen Haus in Washington und vor der US-Botschaft in Mexiko-Stadt kam es zu Protesten gegen die US-Angriffe auf Venezuela. In Buenos Aires feierten Venezolaner den Sturz des Diktators.

04.01.2026 | 0:21 min

Ob sich die neue Staatsführung unter der frisch vereidigten früheren Vizepräsidentin Delcy Rodríguez dem US-Druck fügen wird, ist unklar. "Wir werden nie wieder Sklaven sein", sagte Interimspräsidentin Rodríguez in einer Rede und verlangte die Freilassung von Maduro.

Schaltgespräch mit Elmar Theveßen

Trump wolle die neue Regierung in Venezuela handverlesen um dort anschließend gute Geschäfte zu machen, sagt ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Washington.

03.01.2026 | 1:21 min

Wie viel Öl hat Venezuela?

Venezuela verfügt über die größten Rohölvorkommen der Welt - rund 303 Milliarden Barrel zu je 159 Liter, so die US-amerikanische Energieinformationsbehörde (EIA). Trotz dieser enormen Reserven liegt die aktuelle Ölproduktion mit etwa einer Million Barrel pro Tag vergleichsweise niedrig.

Die größten Ölvorkommen

ZDFheute Infografik

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Vor 20 Jahren wurden noch fast drei Millionen Barrel täglich gefördert. Schuld daran sind Sanktionen, Missmanagement beim staatlichen Energiekonzern PDVSA und Korruption. Zu den begrenzten Fördermengen kommt auch noch ein Mangel an Raffineriekapazitäten hinzu, um das Rohöl zu verarbeiten. Lateinamerika-Experte Günther Maihold erklärt bei ZDFheute live:

Dieses Raffinerieproblem ist in Venezuela ein besonders großes, weil eben das venezolanische Öl vor allem Schweröl ist und der Aufwand und die Kosten, um daraus entsprechend Benzin und andere Produkte zu erzeugen, extrem hoch sind.

Günther Maihold, Lateinamerika-Experte

"Ein Aufbau dieser Ölanlagen und der entsprechenden Raffinerien bedeutet einen langfristigen Atem. Das wird nicht so einfach über eine kurze Frist möglich sein", so Maihold.

Schaltgespräch mit Nico Lange

Mit dem Angriff auf Venezuela wolle Trump zeigen, dass die westliche Hemisphäre unter seiner Kontrolle liege, so Politikwissenschaftler Lange. Für Putin sei das Grund zur Sorge.

03.01.2026 | 4:30 min

Wer soll von dem Ölgeschäft profitieren?

Trump gibt an, die venezolanische Öl-Infrastruktur modernisieren zu wollen. Zugleich sollen auch die USA davon profitieren. Er wirft Venezuela vor, im Zuge einer Verstaatlichung amerikanische Ölanlagen beschlagnahmt zu haben, die man nun zurückholen wolle.

Erlöse aus dem Ölverkauf könnten nach Trumps Worten die Kosten einer Übergangsphase decken, in der Washington vorübergehend die Führung in Venezuela übernehmen will. Angesichts der bislang ablehnenden Haltung der Führung in Caracas ist nun die Frage, ob Trump eine Invasion des 28 Millionen Einwohner zählenden Landes anstrebt - militärische Vorbereitungen dafür sind bislang nicht angelaufen. Zugleich stellt Trump klar, dass das US-Ölembargo gegen Venezuela vorerst bestehen bleibt.

Die Grafik zeigt eine Karte von Venezuela und amerikanisches Militär vor der Küste


"Für Öl könnte dies ein historisches Ereignis werden", erklärt Phil Flynn, "Senior Market Analyst" bei der Price Futures Group gegenüber CNN. "Das Maduro-Regime und [der ehemalige venezolanische Präsident] Hugo Chávez haben die venezolanische Ölindustrie im Grunde genommen geplündert."

Venezuela könne für die USA besonders attraktiv sein, da es geografisch naheliege und über große Schwerölvorkommen verfüge, die US-Raffinerien effizient verarbeiten könnten.

Wenn dies tatsächlich weiterhin reibungslos verläuft und US-Unternehmen die Erlaubnis erhalten, zurückzukehren und die venezolanische Ölindustrie wieder aufzubauen, könnte dies eine entscheidende Wende für den globalen Ölmarkt bedeuten.

Phil Flynn, Ökonom

Kubaner in Havanna nehmen an einer Solidaritätskundgebung mit Venezuela teil, nachdem die USA Präsident Nicolas Maduro gefangen genommen und aus Venezuela ausgeflogen haben.

Mehrere lateinamerikanische Regierungen haben den US-Militäreinsatz in Venezuela kritisiert. In Kuba gingen Zehntausende gegen die gewaltsame Entmachtung von Präsident Maduro auf die Straße.

04.01.2026 | 0:18 min

Wie geht es mit dem Ölpreis weiter?

Welche Auswirkungen die US-Intervention in Venezuela auf die weltweiten Energiepreise haben wird, ist derzeit noch unklar. Da Öl-Futures am Wochenende nicht gehandelt werden, sind die kurzfristigen Auswirkungen auf den Ölpreis schwer einzuschätzen. Am Sonntagabend werden die Ölmärkte erstmals auf die Nachricht reagieren.

Wie sich die Preise entwickeln, hänge laut Helima Croft, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei "RBC Capital Markets", davon ab, ob Trump den angekündigten Umbau des venezolanischen Ölsektors tatsächlich umsetzen könne. Gegenüber CNN betont sie:

Alles hängt davon ab, ob Venezuela der jüngeren Geschichte US-geführter Regimewechsel widerspricht.

Helima Croft, RBC Capital Markets

Bob McNally, Präsident der in Washington ansässigen Beratungsfirma Rapidan Energy Group, erwartet zunächst nur begrenzte Effekte, solange es nicht zu größeren Unruhen kommt. Entscheidend sei, wie schnell ein proamerikanisches Venezuela seine Ölproduktion steigern könne, erklärt der Ökonom bei CNN.

Erwartungen könnten dabei schneller steigen als die tatsächlichen Fördermöglichkeiten. "Venezuela kann eine große Rolle spielen - aber nicht in den nächsten fünf bis zehn Jahren", so McNally.

Menschen stehen vor einem Supermarkt in Caracas, Venezuela, am 3. Januar 2026 Schlange. US-Präsident Trump gab bekannt, dass US-Streitkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und seine Frau während einer Reihe groß angelegter Angriffe auf Caracas am 3. Januar 2026 erfolgreich gefangen genommen haben.

Armut trotz Ölreichtum: Das Leben in Venezuela war schon vor dem Sturz Maduros durch die USA schwer. Die Situation trieb viele Menschen zur Flucht – unter anderem in die EU.

03.01.2026 | 1:20 min

Welche Konzerne sind in der besten Ausgangslage?

Unter den US-Konzernen wäre Chevron in der besten Ausgangslage, um von einer Öffnung zu profitieren, da das Unternehmen als einziger US-Ölgroßkonzern noch im Land aktiv ist. Ein starkes Interesse an einer Rückkehr dürfte jedoch vor allem Conoco-Phillips haben. Der Konzern habe nach einer Verstaatlichung vor fast zwei Jahrzehnten noch Ansprüche von mehr als zehn Milliarden Dollar, sagte Francisco Monaldi vom Baker Institute der Rice University.

Die Geschichte zeige jedoch, dass ein solches Engagement nicht zwangsläufig US-Firmen zugutekäme, warnte der Energieexperte Ed Hirs von der Universität von Houston. "Die USA haben bei den Regimewechseln im Irak und in Libyen keinerlei Nutzen aus dem Öl gezogen. Ich fürchte, die Geschichte wird sich in Venezuela wiederholen."

Quelle: mit Material von dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, etwa heute journal am 03.01.2026 ab 21:58 Uhr, heute Xpress am 03.01.2026 um 09:28 Uhr sowie ZDFheute live um 11 Uhr.

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