Aufsichtsrat beschließt Umbauprogramm:Der Rettungsring für Volkswagen?
von Peter Kunz
Einstimmig hat der VW-Aufsichtsrat das größte Sanierungsprogramm in der Konzerngeschichte beschlossen. Kann jetzt der Umbau beginnen?
Der Aufsichtsrat billigt Investitionen von 125 Milliarden Euro, zugleich sollen 50.000 Stellen wegfallen. Für die Beschäftigten an vier Standorten bleibt trotz der Einigung unklar, wie es weitergeht.
04.09.2026 | 1:37 minVolkswagen, Europas größter Autokonzern, ist zur größten Autowerkstatt geworden. Um den Karren wieder flott zu machen, startet der Konzern das größte Umbauprogramm seiner Geschichte. Oder besser: Die brutalste Abspeckkur. Denn alle Sonderausstattungen fliegen raus. Bis zu einem Viertel des Managements soll abgebaut werden, um Kosten zu sparen.
Das Signal: Einigkeit aus Notwendigkeit
Für diesen Freitag hatten manche Medien in Wolfsburg den großen Knall erwartet. Der Vorstand, die Gewerkschaften und das an VW beteiligte Bundesland Niedersachsen stritten bis zuletzt heftig um den richtigen Kurs. Werksschließungen waren im Gespräch, die nun vorerst vermieden oder vertagt sind. Der Aufsichtsrat hat seine Abstimmung darüber einen Tag vorgezogen, auch um Protesten vor den Fabriktoren zu entgehen. Einigkeit aus Notwendigkeit, das ist das Signal nach außen.
Jeder sechste Mensch im Konzern muss in den nächsten Jahren gehen. Weltweit. Zusammen mit dem bereits seit Ende 2024 mit den Gewerkschaften verhandelten Stellenabbau sind das 100.000 Jobs weniger. Dafür haben Betriebsrat und die niedersächsische Landesregierung im Aufsichtsrat eine klare Verpflichtung des Vorstandes eingefordert, Perspektiven für die nicht mehr rentablen VW-Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm zu entwickeln.
Nach der Einigung im VW-Aufsichtsrat müsse man sehen, "was die Ausgestaltung hergibt", berichtet Svenja Bergerhoff aus Hannover.
04.09.2026 | 2:28 minDas größte Umbauprogramm der VW-Firmengeschichte
Dabei wird dann nicht mehr zwingend vom Fahrzeugbau geredet, sondern nur noch von Industriearbeitsplätzen. Rettung über eine Umwidmung von Fabriken Richtung Rüstung oder Robotics. Das ist die automobile Zeitenwende. Oder auch die Produktion von Fahrzeugen, die in China für Volkswagen entworfen und entwickelt werden.
Die Blaupause für Transformation könnte schon am kommenden Montag in Osnabrück vorgestellt werden. Das VW-Werk dort gehört zwar nicht direkt zur Verhandlungsmasse der letzten Wochen, sondern war schon lange ein Auslaufmodell für die Autoproduktion, mit unsicherer Zukunft. Künftig soll das israelische Rüstungsunternehmen „Rafael“ dort Teile für Raketenabwehrsysteme fertigen. Das Land Niedersachsen will sich an dem Projekt beteiligen.
Volkswagens Absichten zur Gesundschrumpfung dienen dazu, Überkapazitäten abzubauen und elf Milliarden Euro an Kosten einzusparen. Geld, das umgewidmet in die Zukunft fließen kann. Denn das größte Umbauprogramm in der Volkswagengeschichte geht einher mit einem ambitionierten Investitionsplan: 125 Milliarden Euro sollen VW wetterfest machen.
8.000 Beschäftigte bangen um die Zukunft des VW-Werks Zwickau. "Wir reden nicht über Subventionen", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer Ende August. Er fordert weniger Regulierungen und niedrigere Kosten.
31.08.2026 | 6:10 minFrust über Kommunikation bleibt
Gewerkschaft, Betriebsrat und die niedersächsische Landesregierung als Anteilseigner betrachten den Einstimmigkeitsbeschluss im Aufsichtsrat als Erfolg. Damit sei Schlimmeres verhindert worden. Vor allem die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, über die Werksschließungen ohne weitere Konditionen erzwungen werden könnten. Die Mitbestimmung bei VW wäre dann womöglich Geschichte geworden.
Der Zorn der Gewerkschaft über das Kommunikationsverhalten des Vorstandes allerdings wird dennoch bleiben. Wobei Volkswagen-Chef Oliver Blume damit doch sein Ziel erreicht haben mag: Durchgestochene, alarmierende Kahlschlagpläne und maximale Drohszenarien haben dazu geführt, dass alle beim Sparprogramm jetzt aus Angst vor dem Schlimmsten erstmal auf einer Linie sind.
Bei einer weiteren Betriebsversammlung Ende August stellte sich VW-Chef Oliver Blume den Fragen der Belegschaft in Emden und Zwickau.
26.08.2026 | 0:20 minEs kann also losgehen mit dem Umbau. Wäre zu wünschen, dass er funktioniert. Denn das Geschäftsmodell Deutschland hängt am Automobil und seiner Zukunft. Und bisher macht die Autowerkstatt VW auch keine Miesen, fährt jährlich schließlich noch Gewinn ein.
Peter Kunz ist Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen in Hannover.
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