VW-Sparpläne: Belegschaft pfeift Konzernchef Blume aus

Betriebsversammlung in Wolfsburg :VW-Belegschaft pfeift Konzernchef Blume aus

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Mehr als 10.000 Beschäftigte protestieren gegen die VW-Sparpläne und viele pfeifen Konzernchef Oliver Blume in Wolfsburg aus. Er verteidigt den Umbau, lässt Details aber offen.

Berlin: Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group

Nach Wochen der Unsicherheit über Sparpläne stellt sich VW-Chef Blume den Fragen der Beschäftigten. Im Mittelpunkt stehen mögliche Stellenstreichungen bei Volkswagen.

25.08.2026 | 0:22 min

Volkswagen-Chef Oliver Blume stößt mit seinem Umbauplan für Europas größten Autobauer auf massiven Protest der Beschäftigten. Blume erklärte am heutigen Dienstag auf der Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg einmal mehr, dass VW unter großem Druck von US-Zöllen, geopolitischen Risiken und neuen Rivalen Kosten senken und schlanker werden müsse.

Das Aus von vier deutschen Werken sei keine beschlossene Sache. Es sollten vielmehr "belastbare Perspektiven" für alle Standorte geschaffen werden. Laut Mitteilung sagte Blume:

Unser Anspruch ist klar: Wir kämpfen um industrielle Perspektiven und um Beschäftigung für unsere Standorte.

Oliver Blume, Volkswagen-Chef

Schaltgespräch mit ZDF-Reporterin Svenja Bergerhoff  zur Befragung von VW-Chef Blume

Das Vertrauen in den Vorstand sei laut Betriebsratschefin Cavallo beschädigt, aber nicht irreparabel, berichtet ZDF-Reporterin Bergerhoff.

25.08.2026 | 1:04 min

Belegschaft pfeift Blume aus

Mehr als 10.000 Mitarbeitende in und vor der Halle quittierten seine Rede Teilnehmern zufolge mit Pfiffen und bekundeten ihren Protest mit Schildern und Transparenten. Parolen wie "Tarifbruch stoppen!" und "Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur!" hielten Vertrauensleute der IG Metall dem Management auf der Bühne entgegen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo verurteilte die kürzlich von Blume genannte Zahl von weiteren 50.000 abzubauenden Stellen, die theoretisch hergeleitet worden sei, um an der Börse gut anzukommen. "Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten!", kritisierte sie in ihrer von frenetischem Applaus begleiteten Rede, dass bislang kein genauer Plan vorliege.

Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt. Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt.

Daniela Cavallo, Betriebsratschefin

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Niedersachsens Regierungschef kritisiert geplante Einsparungen

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies kritisierte den Sparkurs des VW-Konzernvorstands. Wie die Arbeitnehmervertreter lehnte Lies zudem die vom Management vorgeschlagenen Fabrikschließungen ab.

"Es geht jetzt nicht um die Frage der Werksschließung", sagte er. Der Vorstand müsse Konzepte vorlegen, wie die Kapazität an den bestehenden Standorten besser ausgeschöpft werden könne - durch attraktivere Fahrzeuge, aber auch durch "Ergänzungen", wie etwa Rüstungsproduktion.

Die Arbeitnehmerbank und die Vertreter des Landes hatten im Aufsichtsrat Blumes Umbauplan zunächst verhindert. Am 4. September soll das Kontrollgremium erneut darüber beraten.

Betriebsräte fordern Klarheit

Bis Anfang nächster Woche finden in allen deutschen VW-Werken zusätzliche Betriebsversammlungen statt - die Betriebsräte fordern Klarheit über die vom Management geplanten Einschnitte. Blume betonte:

Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen.

Oliver Blume, Volkswagen-Chef

Die Konzernmarken hätten den Auftrag, gemeinsam mit den Werken konkrete Optionsräume zu erarbeiten. Für die VW-Werke in Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm gebe es noch keine "wettbewerbsfähige" Belegung für die 2030er Jahre.

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Blume: 50.000 Stellen "theoretische Rechengröße"

Blume machte deutlich, dass die Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion sinken müssten, da sie 30 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen lägen. Dabei sei die von ihm früher genannte Zahl von 50.000 Stellen, die zur Disposition stünden, keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße.

"Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international - in insgesamt rund 170 Gesellschaften", ergänzte der VW-Chef.

Würden wir in Deutschland weitermachen wie bisher, hätten wir dauerhaft einen Nachteil von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Genau deshalb stehen wir unter großem Handlungsdruck.

Oliver Blume, Volkswagen-Chef

Details seiner Sparpläne, die der Betriebsrat gefordert hatte, blieb der Konzernchef weiter schuldig. Es solle auch künftig "so weit wie möglich" auf freiwilliges Ausscheiden über Renteneintritte und einvernehmliche Vereinbarungen gesetzt werden, versicherte Blume. Die Arbeitnehmervertretung lehnt Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen strikt ab.

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Über das Thema berichtete heute Xpress am 25.08.2026 um 10:18 Uhr.

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