Abbau von Stellen und Zukunft der Werke:Volkswagen: Aufsichtsrat stimmt Sanierungsplan zu
Einigung in Wolfsburg: Der Aufsichtsrat von VW stimmt dem Sanierungsplan für den Autobauer zu. Zehntausende Stellen sollen wegfallen. Bei vier Werken ist die Zukunft offen.
VW plant bis 2030 massive Einschnitte: 50.000 Stellen sollen wegfallen, Werke könnten neu genutzt werden. Gleichzeitig soll die Modellpalette bis 2035 halbiert werden.
03.09.2026 | 1:14 minDer Aufsichtsrat von Volkswagen hat dem Sanierungsplan des Vorstands zugestimmt. Die Abstimmung sei einstimmig erfolgt, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Sitzung des Präsidiums gegenüber ZDFheute mit. Der Sanierungsplan sieht eine "konzernweite Anpassung der Beschäftigtenzahl in Höhe von rund 50.000 abzubauenden Stellen - inkl. Management-Positionen" vor, so das Papier.
Peter Kunz, Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen, erklärt: "Diese Zahl ergibt sich rechnerisch aus den elf Milliarden Euro, die der Konzern einsparen muss." Zu den Stellen sagt Kunz: "Es sind 50.000 weltweit, zusätzlich zu den 50.000 abzubauenden Stellen in Deutschland, die der Konzern schon seit Ende 2024 über alle Marken hinweg mit den Gewerkschaften verhandelt und beschlossen hatte."
In Zwickau ist wie auch an anderen VW-Standorten offen, wie es nach 2030 weitergehen soll. Dabei war es das erste Werk, das auf E-Mobilität setzte. Jetzt bangen 8.000 Beschäftigte um ihre Jobs.
31.08.2026 | 2:46 minZukunft von vier VW-Werken unklar
Für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne "aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung" gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden - hier prüfe man "alternative Verwendungsmöglichkeiten", teilte VW mit. Für die europäischen Werke solle bis Ende Juni 2027 ein mit dem Zielbild zu vereinbarendes Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden.
"Bei der Suche nach Perspektiven für die Werke, die nicht mehr ausgelastet sind, ist ausdrücklich nicht mehr von Automobilarbeitsplätzen die Rede, sondern von Industriearbeitsplätzen. Rüstung, Robotics, alles ist möglich", ordnet Kunz ein. "Auch, dass in China entwickelte VW-Modelle künftig in Deutschland gebaut werden könnten."
Das wäre ein Paradigmenwandel.
Peter Kunz, Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen
Volkswagen Deutschland würde dann eine Art verlängerte Werkbank von Volkswagen China. "Die beschlossenen Sanierungspläne von Volkswagen sehen wohl auch eine Investitionsoffensive von bis zu 125 Milliarden Euro vor. Das Geld für die Zukunft zusammenzuhalten, bedingt die radikalen Einschnitte jetzt."
8.000 Beschäftigte bangen um die Zukunft des VW-Werks Zwickau. "Wir reden nicht über Subventionen", sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er fordert weniger Regulierungen und niedrigere Kosten.
31.08.2026 | 6:10 minBlume spricht von "starkem Signal"
Der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume sieht in der Zustimmung des Aufsichtsrates "ein starkes Signal für die Zukunft des Volkswagen Konzerns". In den nächsten Jahren investiere man eine "dreistellige Milliardensumme" in die Wettbewerbsfähigkeit des Autobauers.
Die Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo, hält die Umsetzung des Plans für "eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen".
VW-Konzernchef Blume musste sich in Wolfsburg den Fragen der Beschäftigten zum Sparprogramm stellen. ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann ordnet ein.
25.08.2026 | 1:13 minIG Metall und VW-Betriebsrat: Vorstand muss Hausaufgaben machen
IG Metall und der Konzernbetriebsrat betonten in einer ersten Reaktion, mit der Einigung sei eine Eskalation verhindert worden. Der Vorstand müsse jetzt seine Hausaufgaben machen. In einer gemeinsamen Erklärung von IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratschefin Cavallo heißt es:
Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen war nicht zielführend.
Mitteilung von IG Metall und dem VW-Betriebsrat
Eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente ist laut Benner und Cavallo vom Tisch, der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen sei damit erfolgreich abgewehrt.
Kein Werk wurde aufgegeben, und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt.
Mitteilung von IG Metall und dem VW-Betriebsrat
"Vielmehr müssen jetzt für alle Standorte konkrete Lösungen erarbeitet werden - dabei sehen wir weiterhin ausdrücklich den Vorstand in der Pflicht", betonten Benner und Cavallo. Vor zwei Monaten waren die Spar- und Zukunftspläne des Vorstands erstmals im Aufsichtsrat behandelt worden - und dort am Widerstand der Arbeitnehmer und des Landes gescheitert.
Die IG-Metall-Vorsitzende Benner kritisiert den VW-Vorstand. Dieser hatte einen weiteren Stellenabbau und mögliche Werksschließungen ins Gespräch gebracht.
01.09.2026 | 0:44 minLies will "langfristige Perspektiven"
Für Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies geschieht die Umsetzung der Sanierung laut einer Konzernmitteilung angesichts "enormer" Herausforderungen im Wettbewerb: "Wir investieren kräftig in Zukunftsfähigkeit und wir verbessern die Wettbewerbsfähigkeit."
Gleichzeitig werden wir für unsere Standorte langfristige Perspektiven entwickeln.
Olaf Lies, Ministerpräsident in Niedersachsen
Der Wirtschaftsminister des Landes, Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne, kündigte noch im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung Widerstand gegen die Umbaupläne des Vorstands an. "Mit einem Aushebeln des VW-Gesetzes und dem Schleifen der Mitbestimmung, um maßlosen Stellenabbau und Werksschließungen durchzusetzen, wird sich die Landesregierung nicht abfinden", sagte Tonne dem Newsletter Industrie und Handel des Nachrichtenmagazins Politico am Donnerstag.
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