Krankschreibung ab erstem Tag: Was Unternehmen dazu sagen

Schärfere Regeln für Arbeitsunfähigkeit:Attest ab erstem Krankheitstag: Was Unternehmen dazu sagen

Laura Ozdoba

von Laura Ozdoba

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Die Pläne für schärfere Krankschreibungsregeln werden nicht nur politisch diskutiert. Auch in der Wirtschaft stoßen sie auf gemischte Reaktionen. Stimmen aus Baden-Württemberg.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegt zusammen mit einem Kugelschreiber und einer elektronischen Gesundheitskarte auf einem Tisch.

Nach den Plänen der schwarz-roten Koalition könnte eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig schon ab dem ersten Tag der Krankheit fällig werden.

Quelle: dpa

Die umstrittenen Pläne der schwarz-roten Koalition, die Regeln für Krankschreibungen zu verschärfen, stoßen auf gemischte Reaktionen in deutschen Unternehmen. Ein Stimmungsbild aus Baden-Württemberg - zwischen Zurückhaltung, Kritik und Zustimmung.

Ein Sprecher des Verbands "Unternehmer Baden-Württemberg" (UBW) etwa bezeichnet die Reformvorhaben als "wichtiges gesellschaftliches Signal". In allen Teilen der Bevölkerung brauche man wieder eine "positivere Einstellung zu Arbeit und Leistung".

Wir können uns keinerlei Missbrauch mehr leisten und diesen auch nicht länger dulden.

Sprecher "Unternehmer Baden-Württemberg"

Verband: Klares Signal an "schwarze Schafe"

Der Verband vertritt verschiedene Arbeitgeberverbände und Unternehmen in Baden-Württemberg. In der geplanten Pflicht, ab Tag eins einer Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen zu müssen, sieht man dort ein "klares Signal" - an diejenigen wenigen "schwarzen Schafe", die das System ausnutzten - zulasten der Produktivität von Unternehmen sowie der Kolleginnen und Kollegen.

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Auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung begrüße man. Die Regelung war in der Corona-Pandemie eingeführt worden, um eine Überlastung der Arztpraxen zu vermeiden. "Allerdings hat sie als Nebeneffekt den Zugang zu einer AU-Bescheinigung und damit einen möglichen Missbrauch erleichtert", so der UBW-Sprecher. Eine Analyse der Barmer-Krankenkasse zeigt jedoch, die Bedeutung der telefonischen Krankschreibung ist sehr niedrig: 2025 machten sie 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankschreibungen aus.

Mit Blick auf den hohen Krankenstand in den Unternehmen in Deutschland setzten die Vorhaben der Bundesregierung "an den richtigen Punkten an", so der UBW-Sprecher.

Krankheitsbedingte Ausfälle in Deutschland

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Krankheit: Individuelle Lösungen und Vertrauen in Mitarbeitende

Einen hohen Krankenstand nimmt auch das Industrie-Unternehmen ebm-papst wahr. Der Weltmarktführer für Ventilatorentechnik zieht jedoch gegenteilige Schlüsse - und betont gegenüber ZDFheute das Vertrauen in seine Mitarbeitenden und deren Eigenverantwortung.

Aus unserer Sicht führt eine verpflichtende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag nicht automatisch zu weniger Fehlzeiten und kann sogar längere Krankschreibungen begünstigen.

Sprecherin ebm-papst

"Daher befürworten wir, dass Unternehmen auch künftig selbst entscheiden können, welche Regelung für ihren Betrieb sinnvoll ist, und diese beispielsweise über Betriebsvereinbarungen festlegen können", so eine Sprecherin.

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Ziehl-Abegg: Reguläre Krankschreibung dauert oft länger

Auch das Unternehmen Ziehl-Abegg, das im Bereich Luft-, Regel- und Antriebstechnik tätig ist, setzt auf individuelle Lösungen. "Wir haben schon bisher eine Krankmeldung ab dem ersten Tag in den Arbeitsverträgen", sagt ein Sprecher gegenüber ZDFheute.

Normalweise fordere man dies allerdings nicht ein. "Denn die Erfahrung zeigt: Hat ein Mitarbeitender wirklich an einem Montagmorgen schwere Kopfschmerzen und kann nicht arbeiten, dann ist er oder sie sehr oft am Dienstag wieder fit." Eine reguläre Krankschreibung sorge hingegen oft für einen Arbeitsausfall von drei Tagen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundeskanzler Friedrich Merz, Bundesministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas, Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil

Die Reformpläne der Koalition sorgen für Kritik. Unter anderem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.

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Verschärfte Krankschreibungsregeln: Viele Firmen zurückhaltend

Längst nicht alle Unternehmen haben bereits eine klare Haltung zur Frage, wie sie die verschärften Krankschreibungsregeln bewerten, reagieren gegenüber ZDFheute stattdessen mit Zurückhaltung.

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Das Familienunternehmen Stihl gibt an, es sei "entscheidend, wie die gesetzlichen Regelungen letztlich ausgestaltet werden". Und weiter: "Sobald diese konkret vorliegen, werden wir mögliche Auswirkungen prüfen."

Ähnlich sieht man es bei Bosch: Man verfolge die politische Debatte aufmerksam:

Als tarifgebundenes Unternehmen richten wir uns nach dem Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie.

Sprecherin von Bosch

"Sollte es zu einer Gesetzesänderung kommen, werden wir diese und etwaige weitere darauf aufbauende Änderungen intern prüfen", gibt die Sprecherin an.

Reformvorhaben muss noch durch den Bundestag

Eine Gesetzesänderung könnte allerdings noch auf sich warten lassen. Zuvor muss das Reformvorhaben durch den Bundestag. Und ob es dort Erfolg haben wird, ist angesichts der Kritik - nicht nur aus der Opposition, sondern auch von den Regierungsparteien selbst - noch nicht besiegelt.

Laura Ozdoba ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.

Das ZDF berichtet seit dem 02.07.2026 mehrfach in verschiedenen Sendungen über das von der Regierung geplante Reformpaket, etwa bei ZDFheute live am 03.07.2026 ab 13:29 Uhr und bei "maybrit illner" am 02.07.2026 ab 19:25 Uhr.

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