Hausärzte gegen Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Debatte um Krankenstand:Hausärzte gegen Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

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Nach der Kritik von Kanzler Merz an der telefonischen Krankschreibung warnen Hausärzte vor einer Abschaffung. Die Regelung entlaste Praxen und schütze Patienten vor Ansteckungen.

Ein Mann hält ein Taschentuch in einer Hand und ein Telefon mit dem Schriftzug «Arzt» in der Anderen.

Kanzler Merz kritisiert die telefonische Krankschreibung als möglichen Grund für den hohen Krankenstand. Gewerkschaften warnen jedoch vor Fehlschlüssen.

20.01.2026 | 2:15 min

In der Debatte um die Höhe des Krankenstands in Deutschland haben die Hausärzte die Bundesregierung vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gewarnt.

"Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Wer die telefonische Krankschreibung abschafft, der trägt die Verantwortung dafür, dass sich in Zukunft wieder unzählige Patientinnen und Patienten ohne Not in die Praxen schleppen müssen.

Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Mehr als 14 Krankentage sammelt der Durchschnittsbeschäftigte im Jahr. Kanzler Merz begründet das auch mit der telefonischen Krankschreibung. Krankenkassen weisen das zurück.

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Bundesregierung prüft telefonische Krankschreibung

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand der Deutschen kritisiert. Im Schnitt kämen die Beschäftigten in Deutschland auf drei Wochen Krankschreibung.

Als Ursache hierfür sieht Merz auch die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Diese Möglichkeit war 2021 während der Corona-Pandemie geschaffen worden, der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) etablierte sie dauerhaft.

Am Montag kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Überprüfung der telefonischen Krankschreibung an.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), spricht bei einer Pressekonferenz der Gesundheitsverbände zu politischen Forderungen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bestätigt Kanzler Merz in seiner Aussage, wonach sich die Deutschen zu häufig krankmelden würden. Der Vorsitzende Gassen sagte, Merz habe völlig recht.

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Beier: Telefon-Krankschreibung "kein regelfreier Raum"

Beier sprach hingegen von einem bewährten Instrument zum Bürokratieabbau. Die telefonische Krankschreibung "entlastet unsere Praxen und schützt unsere Patientinnen und Patienten vor Ansteckungen im Wartezimmer", sagte er dem RND und versicherte:

Sie ist kein regelfreier Raum, wie gerne behauptet wird.

Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes

Er warf den Arbeitgebern vor, deren Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung habe keine belastbare Grundlage. "Es bleibt nur zu hoffen, dass die Politik sich an die Fakten hält, statt auf das Arbeitgebermärchen hereinzufallen", sagte er.

Beier stellte klar, dass es für die Krankschreibung per Telefon klare Regeln gebe. So müssten die Patienten in der Praxis persönlich bekannt sein. Die Krankschreibung dürfe zudem maximal fünf Tage lang sein.

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SPD- und Grünen-Politiker gegen Abschaffung

Auch der Grünen-Politiker Janosch Dahmen verteidigte die telefonische Krankschreibung und warnte vor den Folgen einer Abschaffung. Die telefonische Krankschreibung "entlastet Praxen, reduziert unnötige Arztkontakte und verhindert in der Infektsaison volle Wartezimmer", sagte Dahmen, selbst Arzt und Sprecher der Grünen für Gesundheitspolitik, der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe).

Wer die telefonische Krankschreibung abschaffe, "produziert mehr Bürokratie und mehr Belastung, für Ärztinnen und Ärzte genauso wie für Patientinnen und Patienten."

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Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, verteidigte die telefonische Krankschreibung ebenfalls gegen Kritik aus der Union. "Die telefonische Krankschreibung ist kein 'Freifahrtschein', sondern eine eng begrenzte, ärztlich verantwortete Regelung für leichte Erkrankungen", sagte Pantazis den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochausgabe).

Wer krank ist, soll sich auskurieren können und wer das System stabil halten will, muss Krankheiten verhindern, nicht Kranke unter Generalverdacht stellen.

Christos Pantazis, SPD-Politiker

Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 20.01.2026 um 21:45 Uhr.

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