Telefonische Krankschreibung vor dem Aus?

FAQ

Telefonische Krankmeldung vor dem Aus:Ist der Krankenstand in Deutschland wirklich so hoch?

von Dorthe Ferber und Dominik Rzepka

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Nach Kritik von Kanzler Merz am hohen Krankenstand in Deutschland prüft Ministerin Warken, die telefonische Krankmeldung abzuschaffen. Die DGB-Chefin nennt die Idee "Unsinn".

Friedrich Merz am Rednerpult der CDU

Kanzler Merz kritisiert, in Deutschland gebe es fast drei Wochen Fehltage durch Krankheit. "Ist das wirklich richtig?"

17.01.2026 | 0:56 min

Worum geht es?

Um die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Eingeführt wurde sie 2021 während der Corona-Pandemie. Der damalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die telefonische Krankschreibung dauerhaft etabliert - ab Dezember 2023.

Was könnte sich ändern?

Die telefonische Krankschreibung könnte wieder abgeschafft werden. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigt an, die Regelung zu überprüfen. Die "niedrigschwellige Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung" könne "missbräuchlich ausgenutzt werden", sagt Warken dem Tagesspiegel.

Deshalb haben sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag etwa darauf verständigt, Missbrauch auszuschließen.

Nina Warken, CDU

Es brauche nun "praktikable Lösungen", so Warken.

Grafik: BKK-Gesundheitsreport 2025

Grafik: BKK-Gesundheitsreport 2025

Quelle: ZDF

Was hat Kanzler Merz mit der Debatte zu tun?

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Debatte am Wochenende gestartet. Die Deutschen seien im Schnitt 14,5 Tage im Jahr krank, kritisierte er. Eine Ursache dafür sei "sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen".

Inzwischen hat Merz nachgelegt. Bei den 14,5 Tagen seien die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht dabei. Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher.

Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch.

Friedrich Merz, CDU

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), spricht bei einer Pressekonferenz der Gesundheitsverbände zu politischen Forderungen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bestätigt Kanzler Merz in seiner Aussage, wonach sich die Deutschen zu häufig krankmelden würden.

18.01.2026 | 0:23 min

Warum sind die Krankheitstage in Deutschland höher als in anderen Ländern?

Im Schnitt waren Beschäftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben, im Jahr 2024 lag die Zahl bei 19,7 Fehltagen. Im internationalen Vergleich erfasst Deutschland Krankentage besonders vollständig. Ein Grund ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, nach deren Einführung 2022 der Krankenstand um fünf Prozent gestiegen ist.

Auch verlangen viele Unternehmen ein ärztliches Attest ab dem ersten Arbeitstag.

Zudem erleichtern 100 Prozent Lohnfortzahlung in den ersten sechs Wochen und Krankengeld bis zu 72 Wochen die Krankmeldung. Ländern mit weniger Lohnfortzahlung und Karenztagen, also Krankheitstagen, an denen zunächst kein Geld gezahlt wird, haben auch weniger Krankmeldungen. Auch die Demografie spielt eine Rolle: Belegschaften in Deutschland sind älter als im OECD-Schnitt und ältere Beschäftigte haben höhere Ausfalltage.

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Welche Kritik gibt es an Merz?

In den sozialen Medien gibt es seit dem Wochenende scharfe, zum Teil sarkastische Kritik an Merz, der unter anderem als herzloser Besserverdiener dargestellt wird.

Kritik an Merz' Vorstoß kommt auch von der Chefin des Deutschen Gewerkschaftbundes. Yasmin Fahimi sagt ZDFheute:

Das ist kompletter Unsinn und ehrlich gesagt auch ein unanständiger Generalverdacht gegenüber den Beschäftigten, die sich krank melden.

Yasmin Fahimi, DGB

Auch Fahimi verweist auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitserklärung. Sie erfasse jeden einzelnen Krankheitstag - anders als in vergangenen Jahren. "Das ist aber ein rein statistisches Phänomen und nicht wirklich ein gesellschaftspolitisches Problem", sagt Fahimi.

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Wie argumentieren die Befürworter?

Unterstützung bekommt Merz hingegen von der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände. Deren Chef, Steffen Kampeter, sagt ZDFheute, der Krankenstand in Deutschland sei sehr, sehr hoch.

Das ist unfair und ungerecht gegenüber den Beschäftigten, die diese Ausfälle dann durch mehr Arbeit leisten müssen.

Steffen Kampeter, BDA

Außerdem spricht sich Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger dafür aus, die telefonische Krankschreibung wieder abzuschaffen und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall neu zu regeln.

Könnte die telefonische Krankschreibung einfach wieder abgeschafft werden?

Merz kann die telefonische Krankschreibung kritisieren, aber nicht einfach abschaffen. Die telefonische Krankschreibung wurde unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dauerhaft im Sozialgesetzbuch (SGB 5) verankert, es müsste durch eine Verordnung oder ein Gesetz geändert werden.

Im schwarz-roten Koalitionsvertrag wurde vereinbart, Missbrauch durch die niedrigschwellige Möglichkeit auszuschließen. Das will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) nun prüfen.

Sollte sie am Ende eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung befürworten, wird sie auch den Koalitionspartner SPD davon überzeugen müssen. Die SPD aber ist dagegen und sieht in der telefonischen Krankschreibung auch ein Mittel, Arztpraxen zu entlasten.

Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress in dem Beitrag "14,5 Krankentage: Wirklich notwendig?" am 17.01.2026.

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