Hin zum klimafreundlichen Güterverkehr:Lkw-Hersteller sind sauer auf Politik
von Anne-Kirstin Berger und Svenja Dohmeyer
Elektro- und Wasserstoff-Lkw sind verfügbar, sagen die Hersteller. Doch fehlende Lade- und Tankmöglichkeiten bremsen den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe.
Elektro oder Wasserstoff: Welche Technik bringt den Lkw-Verkehr weg vom Diesel? Zwei Speditionen zeigen, was alternative Antriebe kosten, wie weit sie kommen und wo die Infrastruktur fehlt.
14.09.2026 | 4:29 minKarin Rådström ist sauer. Die Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck ist eine freundliche Frau, will lieber geduzt werden als gesiezt. Doch wenn es um die Elektro-Wende beim Lkw-Verkehr geht, wird sie wütend. "Ich kann mich selbst nicht mehr hören: Es geht einfach viel zu langsam!"
Die Lkw-Branche soll klimafreundlich werden und zwar schnell. Auf der Nutzfahrzeugmesse "IAA Transportation" in Hannover zeigen Hersteller Elektro-Lkw mit immer größeren Reichweiten, schnelle Megawatt-Ladesysteme und Brennstoffzellen-Motoren. "We deliver" - "Wir liefern", ist das Motto der Hersteller - womit sie indirekt auch sagen, wer aus ihrer Sicht nicht liefert: die Politik.
Ob das Elektro-Lkw sind, ob das Wasserstoff mit Brennstoffzelle ist, es steht alles zur Verfügung.
Hildegard Müller, Präsidentin Verband der Automobilindustrie
Es hapere dabei, es in den Markt zu bringen - "und da ist insbesondere die Herausforderung, dass die Lade- und Wasserstoff-Tank-Infrastruktur nicht zur Verfügung steht", erklärt die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller.
Elektro-Lkw kommen voran, doch zu wenige Ladepunkte bremsen den Umstieg. ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann warnt: „Wenn’s in dem Tempo weitergeht, wird’s schwierig."
15.09.2026 | 1:30 minFehlende Ladepunkte bremsen den Markt
Mehr als sechs Millionen Lkw sind auf Europas Straßen unterwegs, überwiegend mit Dieselmotor. Die Flotte soll Schritt für Schritt weniger CO2 ausstoßen, so sehen es EU-Verordnungen vor. 2030 treten strengere Grenzwerte in Kraft. In der Pflicht sind dabei die Hersteller: Wenn sie die Emissionen neuer Lkw nicht deutlich verringern, drohen ihnen Strafen.
Um die Ziele zu erreichen, müsste etwa ein Drittel aller neu zugelassenen Lkw emissionsfrei sein, rechnet der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. 2025 lag der Anteil in der EU aber bei unter fünf Prozent.
Den Herstellern droht also eine Bestrafung für etwas, das nicht in ihrer Verantwortung liegt - so sehen sie es. "Unsere Kunden sind zwar im Prinzip bereit, E-Lkw zu kaufen. Aber sie scheuen die Investition, weil sie nicht sicher sein können, ob sie die Lkw dann auch überall laden können", so Rådström.
Die EU-Länder haben sich dazu verpflichtet, diese Infrastruktur für Lkw zu bauen, aber es geht einfach viel zu langsam.
Karin Rådström, Daimler Truck Vorstandsvorsitzende
Bund startet Ausbau des Schnellladenetzes
Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU), seit Juli im Amt, nutzt die Messe in Hannover für einen "Startschuss für die Umsetzung des Lkw-Schnellladenetzes". An 350 Raststätten entlang der Autobahnen sollen Ladesäulen für Lkw entstehen. "Als Bund geben wir eine Milliarde Euro dafür aus, weil wir wissen, wie wichtig es ist, jetzt bei der Ladeinfrastruktur auch für Lkw voranzukommen", so Bilger.
Allerdings: Bilgers Vor-Vorgänger Volker Wissing hat den gleichen "Startschuss" vor gut zwei Jahren schon einmal verkündet. Es folgte eine Ausschreibung, nun soll die Umsetzung beginnen. Wann die ersten Lkw an den neuen Säulen laden werden, lässt der Minister offen. "Es geht jetzt richtig schnell los", verspricht er auf der IAA.
Viele Bundesländer haben die Fahrverbote für Lkw an Sonntagen gelockert. Dadurch kam es bisher zu kaum mehr Verkehr, da Unternehmen diese Maßnahme nur zurückhaltend nutzen.
18.08.2026 | 0:23 minWasserstoff-Antrieb als mögliche Alternative
Die Hersteller setzen nun auch darauf, dass es bei einer anderen Zukunftstechnologie besser läuft als bei Elektro-Lkw: Fahrzeuge im Wasserstoff-Antrieb. Die gibt es bisher kaum auf Deutschlands Straßen, doch sie könnten eine Ergänzung zu Lkw mit Elektrobatterie sein - vorausgesetzt, der Wasserstoff stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Wasserstoff-Lkw laden schneller und haben eine größere Reichweite als E-Lkw, außerdem bräuchte es für die Tank-Infrastruktur keinen langwierigen Stromnetzausbau. Allerdings ist die Technik bisher sehr teuer.
Unternehmen von Energie-Erzeugern über Tankstellenbetreiber bis hin zu Fahrzeugherstellern wollen nun gemeinsam daran arbeiten, dass wasserstoffbetriebene Fahrzeuge wettbewerbsfähig werden. Es gehe darum, aus den Fehlern zu lernen, die bei der Elektromobilität gemacht wurden, damit Fahrzeuge, Tankstellen und Treibstoff gleichermaßen verfügbar seien.
Das Verkehrsministerium hat Anfang des Jahres ein Förderprogramm für die Wasserstoff-Mobilität aufgelegt. 220 Millionen Euro stehen bereit - Bewerbungen gab es für mehr als das Doppelte.
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