Galeria beantragt Insolvenz - zum vierten Mal seit 2020

Angeschlagene Warenhauskette :Galeria beantragt Insolvenz - zum vierten Mal seit 2020

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Droht Galeria endgültig das Aus? Die Warenhauskette hat erneut Insolvenz beantragt. "Haarsträubende Managementfehler" hätten zu dieser Entwicklung geführt, kritisiert Verdi.

Symbolbild: Warenhauskette GALERIA

Die Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beantragt. Alle 83 Filialen sollen vorerst geöffnet bleiben. Unklar ist aber, ob auf längere Sicht Arbeitsplätze wegfallen und Standorte schließen.

02.10.2026 | 0:19 min

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen ZDFheute mit. Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, erklärte Galeria in einer dem ZDF vorliegenden Mitteilung.

Zu den Hintergründen machte der Warenhausbetreiber auf Nachfrage zunächst keine weiteren Angaben. Ob und welche Standorte schließen müssen, ist offen. Die rund 12.000 Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen.

83 Filialhäuser besitzt die Galeria-Kette noch, der Umsatz ist in den letzten Jahren um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Zum vierten Mal stellt Galeria einen Insolvenzantrag, 12.000 Jobs stehen auf der Kippe. ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet.

02.10.2026 | 1:24 min

Verdi kritisiert: "Haarsträubende Managementfehler"

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht für die Beschäftigten "eine völlige Ungewissheit". "Die Beschäftigten haben es schon lange befürchtet: Galeria hat heute das vierte Insolvenzverfahren innerhalb von nur sechs Jahren eröffnet, ganz ohne eine Erklärung zu den Umständen", erklärte die Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel, Silke Zimmer, in einer Mitteilung.

"Haarsträubende Managementfehler" hätten zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren seien durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Schnelle Aufklärung sei nötig, wie es für die 12.000 Beschäftigten weitergehe.

Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen.

Silke Zimmer, Verdi-Bundesfachbereichsleiterin Handel

Galeria-Insolvenz: "Das Geschäftsmodell ist überholt"

Prof. Gerrit Heinemann (Wirtschaftswissenschaftler Hochschule Niederrhein) zum Insolvenzantrag der Warenhauskette Galeria

02.10.2026 | 7:06 min

Neue Eigentümer seit 2024

Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen.

Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa unter Führung des österreichischen Investors René Benko. Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen.

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Um dem Rückgang der Kaufhäuser zu begegnen, brauche es "eine klare Positionierung, eine klare Marke, sehr viel Service und ein Erlebnis in der Immobilie", so Prof. Jörg Funder, Handelsexperte an der Hochschule Worms.

07.08.2026 | 4:39 min

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte ihren Sitz von Essen nach Düsseldorf.

Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen

Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.

Rene Benko steht mit verschränkten Armen im dunklen Anzug vor einer Wand mit einem silberfarbenen Relief. Er schaut ernst in die Kamera.

Mehr zur Benko-Pleite sehen Sie hier in der Doku: "Spiel mit Milliarden".

10.06.2024 | 43:34 min

Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.

Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es.

Schriftzug auf einem Gebäude eines Galeria Kaufhofs.

Galeria sichert sich eine Kreditlinie über 160 Millionen Euro bis 2029 und treibt den Umbau voran. Weitere Filialen stehen auf der Kippe.

25.06.2026 | 0:39 min

Experte: Anzahl der Insolvenzen ungewöhnlich

Dass ein Unternehmen so oft in so kurzer Zeit Insolvenz anmeldet, ist dabei ungewöhnlich. "Ich kenne kein Unternehmen, egal in welcher Zeit, egal in welcher Branche, das überhaupt vier Mal insolvent gegangen ist", sagt Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Er könne sich nicht erklären, warum es nochmal Geld für Galeria gebe.

Der Zeitpunkt der Insolvenz überrascht Roeb hingegen nicht. Man stehe kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, der "wichtigsten und umsatzträchtigsten Phase des Jahres". Es sei auch die Phase, in der Rechnungen für bestellte Ware eingingen. Lieferanten wollten bezahlt werden, doch die Umsätze kommen erst in einem Monat, im Rahmen des Weihnachtsgeschäftes, erklärt Roeb.

Mit dem Insolvenzgeld wolle man die Weihnachtszeit überstehen. Aber:

Ich denke, dass es dann spätestens nächstes Jahr zur gleichen Zeit wieder eine ähnliche Problematik geben wird.

Thomas Roeb, Professor für Handelsbetriebslehre an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Ob Galeria dieses Mal überhaupt Insolvenzgeld erhält, ist noch unklar. Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte zwar den Eingang des Insolvenzantrags, machte aber zunächst keine weiteren Angaben.

83 Filialhäuser besitzt die Galeria-Kette noch, der Umsatz ist in den letzten Jahren um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Frankreichs Regierung will mit einem Sparhaushalt Milliarden sparen. Wie kann es da gelingen, auf die Proteste zu reagieren ? Dazu ZDF-Korrespondent Thomas Walde.

02.10.2026 | 1:21 min

Einzelhandel in der Krise

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen, deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen EHI zufolge einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria demnach mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch zwei Milliarden Euro um.

Die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut EHI seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben Galeria unter anderem die Handelsketten Müller und Woolworth enthalten.

Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz. Ein Aus für Galeria würde jedoch zugleich das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.

Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Zuletzt kamen weitere prominente Fälle hinzu. So traf es unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die zahlreiche Filialen schließen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb ein. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt, etliche Filialen werden von anderen Händlern weiterbetrieben.

In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.

Quelle: dpa


Quelle: dpa, ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheuteXpress in dem Beitrag "Galeria stellt erneut Insolvenzantrag" am 02.10.2026 um 12:13 Uhr.

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