Friedrich Merz unter Druck: Brandbrief vom Mittelstand an Kanzler

Exklusiv

Kritik an Gitta Connemann:Ein Brandbrief des Mittelstands an Kanzler Merz

Florian Neuhann

von Florian Neuhann

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"Blankes Entsetzen": In einem Brief an Kanzler Friedrich Merz attackiert der Mittelstandsverband dessen Wirtschaftspolitik scharf - und zählt eine Personalie an.

Christoph Ahlhaus

Mit deutlichen Worten wendet sich der Mittelstandsverband in einem Brandbrief an Kanzler Merz und kritisiert die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung der vergangenen Monate.

07.02.2026 | 1:59 min

Die Post, die das Bundeskanzleramt am Donnerstagabend erreichte, hat es in sich. Ein Schreiben voll gepfefferter Kritik am Hausherrn, an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) - und insbesondere an dessen Wirtschaftspolitik. Absender des Briefs, der ZDFheute exklusiv vorliegt, ist Christoph Ahlhaus. Er ist Vorsitzender des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft und Parteifreund von Merz.

Christoph Ahlhaus

Nach seinem Brief an Kanzler Merz und der Kritik an dessen Wirtschaftspolitik will BVMW-Vorsitzender Ahlhaus auch weiter „den Finger in die Wunde legen“. Mehr Tempo sei nötig.

07.02.2026 | 5:15 min

Mit viel Hoffnung, so schreibt Ahlhaus in dem Brief, hätten die Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland auf das Ende der Ampel-Regierung reagiert. Viele hätten Merz im Wahlkampf unterstützt und optimistisch auf die von Merz angekündigte Wirtschaftswende geblickt.

Nicht einmal neun Monate nach Ihrer Wahl zum Bundeskanzler ist diese Euphorie dem blanken Entsetzen über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gewichen.

Brief des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft an Kanzler Merz

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, spricht bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts 2026 der Bundesregierung.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat in ihrem Jahreswirtschaftsbericht die Konjunkturprognose statt der erwarteten 1,3 Prozent auf 1 Prozent gesenkt.

28.01.2026 | 1:33 min

Mittelstandsverband: Solche Enttäuschung bei Unternehmen "noch nie gemessen"

In dem Schreiben bezieht sich Ahlhaus, der von August 2010 bis März 2011 für die CDU Erster Bürgermeister von Hamburg war, auf eine aktuelle Umfrage seines Verbandes unter 1.200 mittelständischen Unternehmen. 64 Prozent der befragten Unternehmen glauben demnach nicht mehr daran, dass die angekündigte Wirtschaftswende gelingen werde. 79 Prozent geben an, sie würden nicht einmal mehr ein "engagiertes Bemühen" der Bundesregierung erkennen, für den Mittelstand relevante Probleme anzugehen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nimmt an einer Sitzung des Bundeskabinetts teil. Seine Partei wurde in der Diskussion um den Sozialstaat von mehreren Gewerkschaften kritisiert.

Mehrere Gewerkschaften haben die CDU für den Vorwurf mangelnder Arbeitsbereitschaft kritisiert. Ob in Deutschland zu wenig gearbeitet wird, ist auch Thema des aktuellen Politbarometers.

06.02.2026 | 1:18 min

Eine solche Enttäuschung, schreibt Ahlhaus an Kanzler Merz, habe man "noch nie gemessen". Die Zahlen seien ein "Alarmsignal", Merz solle sie als "Hilfeschrei" begreifen. Ahlhaus fordert Merz auf, seine Richtlinienkompetenz für dringend notwendige Reformen zu nutzen, denn es sei hinlänglich bekannt, was der Wirtschaftsstandort jetzt brauche.

Wir wollen keine PR-Gipfel und Placebo-Diskussionsrunden mehr.

Brief des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft an Kanzler Merz

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) ist eine Lobbyvertretung der mittelständischen Wirtschaft mit Sitz in Berlin. In dem parteipolitisch unabhängigen Verband sind knapp 26.000 Unternehmerinnen und Unternehmer organisiert. Geschäftsführer ist seit 2023 der CDU-Politiker Christoph Ahlhaus.


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Verband fordert Entlassung der Mittelstandsbeauftragten Gitta Connemann

Besondere Kritik bekommt in dem Schreiben schließlich eine Person, die sich in der Bundesregierung eigentlich um die Belange des Mittelstands kümmern soll: die CDU-Politikerin Gitta Connemann, Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand.

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05.02.2026 | 0:28 min

Connemann hatte vor ein paar Tagen mit einem Antrag für den CDU-Parteitag Ende Februar für Aufsehen gesorgt, in dem ihre Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) forderte, den Anspruch auf von ihr so genannte "Lifestyle-Teilzeit" abzuschaffen. An dem Antrag hatte es auch innerhalb der CDU heftige Kritik gegeben. Mittlerweile hat Connemann die Wortwahl öffentlich bedauert.

Ihrem Ansehen unter mittelständischen Unternehmen aber hat das offenbar nachhaltig geschadet. "Zu Gitta Connemann hat der deutsche Mittelstand (…) weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch ein Rest an Kompetenzvermutung", heißt es in dem Schreiben an Kanzler Merz. Schließlich fordert Ahlhaus seinen Parteifreund Merz auf, "diese personelle Besetzung kritisch zu hinterfragen". Übersetzt: Gitta Connemann zu entlassen.

Marcel Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), vor einer Grafik einer Anzeige: "Wir suchen in Teilzeit"

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VDA-Präsidentin verteidigt Connemann

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, zeigte sich sehr verwundert über die scharfe Kritik. Der VDA und seine Mitgliedsunternehmen aus dem automobilen Mittelstand nähmen Connemann als engagierte und stets an den Herausforderungen des Mittelstandes interessierte Politkerin wahr. "Mit hoher Kompetenz und positiver Streitbarkeit für den Mittelstand gehört sie zu den stärksten Vertretern der Bundesregierung - sie ist für uns eine wichtige, zuverlässige und vor allem kompetente Ansprechpartnerin."

Die Bundesregierung wies die Kritik zurück. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte zu dem Brandbrief: "Für uns erwachsen daraus keine Konsequenzen." Zur Kritik an Connemann hob er hervor, man sei sehr zufrieden mit ihrer Arbeit.

Florian Neuhann leitet das ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete zuletzt das ZDF heute journal update am 07.02.2026 um 00:45 Uhr.

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