Junge Akademiker auf Jobsuche :Vom Hörsaal in die Arbeitslosigkeit - was tun?
von Daniel Thoma
Guter Uni-Abschluss - trotzdem kein Job: Inzwischen erhalten viele Akademiker trotz zahlreicher Bewerbungen nicht einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Woran liegt das?
Immer mehr junge Menschen finden trotz Uni-Abschluss keinen Job - auch in Fachbereichen, in denen die Jobchancen bisher als gut galten. Was hinter der Jobkrise steckt, analysiert ZDFheute live.
03.02.2026 | 36:32 minImmer mehr junge, gut ausgebildete Akademiker finden nach der Uni keinen Job. Die Zahl der unter 30-Jährigen, die trotz Uni-Abschluss arbeitslos sind, hat sich zwischen 2022 und 2025 fast verdoppelt. Betroffen sind auch Fachbereiche, in denen die Jobchancen bisher als besonders gut galten, beispielsweise in den Ingenieurswissenschaften.
"Da sieht es in bestimmten Sektoren jetzt nicht so gut aus im Berufseinstieg", sagt Bildungsökonom Malte Sandner. Der Experte sieht aktuell einige Probleme für Akademiker, die jetzt auf den Arbeitsmarkt kommen.
Bei den Einstellungen sehen wir, dass manche Berufe, die früher sehr gute Chancen hatten, heute eben nicht mehr so gute Einstiegschancen haben.
Malte Sandner, Bildungsökonom
Künstliche Intelligenz trägt zur Entwicklung bei
Das liege zum einen an neuen Entwicklungen wie der künstlichen Intelligenz, die in vielen Unternehmen nun die Aufgaben übernehme, die früher Berufseinsteigern zugefallen wären. Außerdem führe die aktuelle wirtschaftliche Flaute dazu, dass Unternehmen weniger einstellten, so der Experte.
Aktuell liege es vor allem an der schwächelnden Konjunktur, dass viele Akademiker keinen Job finden, sagt Bildungsökonom Sandner.
03.02.2026 | 8:37 minLaut Generationenforscher Rüdiger Maas liege das Problem aber zum Teil auch bei den Studierenden und den Universitäten selbst. So sei schon die Vorstellung, dass es unbedingt ein Studium brauche, falsch. In vielen Bereichen würden Unternehmen junge Menschen mit Berufsausbildung bevorzugen, weil diese schon in "jungen Jahren selbstständig agieren mussten", so der Experte.
Es sind auch viele an der Uni, die da gar nicht so viel verloren haben.
Rüdiger Maas, Generationenforscher
Nach der Uni bevorzugen viele Teilzeit
Außerdem gebe es bei vielen Uni-Absolventen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt einige "Übersetzungsfehler". So hätten etwa 62 Prozent eine "völlig andere Vorstellung" von der Arbeitswelt, als die, die sie dann tatsächlich vorfänden, sagt Maas und nennt als Beispiel, dass viele sich nach der Uni aktiv auf Teilzeit bewerben, weil ihnen Freizeit genauso wichtig sei.
Was können Bewerber also tun, um nach der Uni die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern? Karriereberaterin Anja Robert vom Career Center der Uni Aachen empfiehlt, bei Bewerbungen "den Blick mehr zu öffnen". Aktuell verschiebe sich der Arbeitsmarkt. Während beispielsweise die Automobilbranche weniger Chancen biete, suchten Unternehmen etwa im Rüstungsbereich stärker. Für Bewerber sei es ratsam, auch andere Branchen in den Blick zu nehmen.
Die Zahl der Akademiker, die keinen Job finden, steigt. Das klingt wie ein Widerspruch, wenn man auf der anderen Seite immer wieder vom "Fachkräftemangel" hört.
07.10.2025 | 5:35 minGute Bildung weiterhin beste Arbeitslosenversicherung
Ich würde also immer empfehlen, zu gucken: Was kann ich von meinem erlernten Wissen adaptiv auf andere Bereiche übertragen?
Anja Robert, Karriereberaterin vom Career Center der Uni Aachen
Tatsächlich gelte weiterhin: Eine gute Bildung sei die beste Arbeitslosenversicherung. So liege die Akademiker-Arbeitslosenquote in Deutschland auch in Krisenzeiten konstant unter vier Prozent und damit deutlich unter der insgesamten Durchschnittsquote von 6,6 Prozent.
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