Megaprofit für Energiekonzerne:Wer ist schuld am Spritpreisschock zu den Ferien?
von Andreas Weise
Die Energiekonzerne melden große Gewinnsteigerungen. Die Benzinpreise liegen deutlich über der Zwei-Euro-Marke - trotz gesunkenem Ölpreis. Liegt es wieder an den Sommerferien?
Die Spritpreise liegen wieder über der Zwei-Euro-Marke - ausgerechnet zur Reisezeit. Was hinter dem Anstieg steckt und welche Faktoren die Preise nach oben treiben.
01.08.2026 | 0:34 minUrlaubszeit, Reisezeit - und wer jetzt tanken muss, blickt skeptisch auf die Preise an den Zapfsäulen. Circa 2,15 Euro für E10-Benzin und circa 2,20 für Diesel lassen den Kunden deutlich weniger Geld im Portemonnaie als noch vor einem Monat.
Im Juni kostete der Liter E10 im Schnitt 1,87 Euro und Diesel knapp 1,82. Doch der Tankrabatt der Bundesregierung ist seit dem 1. Juli passé und so kostet Diesel nun knapp 40 Cent mehr, bei E10 sind es immer noch knapp 30 Cent.
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Hohe Spritpreise: Ist der "Ferieneffekt" schuld?
Am früher oft beobachteten Ferieneffekt, der die Preise zu Beginn der Hauptreisezeit nach oben schnellen ließ, liegt es laut ADAC diesmal nicht. Durch das Einrichten der Markttransparenzstelle sei dieser Effekt abgeschwächt.
Die Markttransparenzstelle sorgt dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich jederzeit online über alle Preise an allen Tankstellen in Deutschland informieren können. Seit der Einführung der Markttransparenzstelle hätten sich die Schwankungen nach Angaben des ADAC zunehmend auf den Tagesverlauf verlagert, anstatt an einem bestimmten Tag wie dem Ferienbeginn durchzuschlagen.
Mit Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen begann die größte Reisewelle des Sommers. Inzwischen haben nun alle Bundesländer Sommerferien.
18.07.2026 | 0:20 minWegfall des Tankrabatts
Im Moment schlägt zum einen der Wegfall des Tankrabatts von circa 17 Cent pro Liter zu Buche. Die Bundesregierung hatte von Anfang an darauf bestanden, dass dieser nur für zwei Monate gelten würde. Sicher auch in der Hoffnung, dass der Krieg zwischen den USA und Iran und die dadurch angespannte Lage auf den internationalen Energiemärkten dann schon Vergangenheit wären.
Aber der Konflikt dauert immer noch an. Das allein reicht jedoch nicht aus, um die derzeit hohen Preise zu erklären. Der Weltmarktpreis für Rohöl war zwischenzeitlich zwar wieder bei 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) angelangt, liegt aber nun wieder darunter.
Im Nahen Osten kündigen die USA und Iran weitere gegenseitige Angriffe an. Wie die militärischen Spannungen die Spritpreise in Deutschland beeinflussen können, berichtet Frank Bethmann.
15.07.2026 | 1:05 minGemessen daran fällt laut ADAC-Sprecher Alexander Römer der Rückgang der Kraftstoffpreise insbesondere beim Benzin bislang zu gering aus.
Die Entwicklung der vergangenen Tage zeigt, dass sinkende Rohölpreise bislang nur unzureichend an die Autofahrer weitergegeben werden.
Alexander Römer, Unternehmenssprecher ADAC
Raffinerien mit Rekordaufschlägen bei Diesel
Gewinner sind Mineralölkonzerne wie TotalEnergies. Der französische Konzern präsentierte nun ein Quartalsergebnis von sechs Milliarden Dollar netto. Gewinne, die vor allem aus dem Raffineriegeschäft kommen.
Laut Steffen Bukold von EnergyComment, einem Beratungs- und Forschungsbüro aus Hamburg, führen die von den Raffinerien kalkulierten Aufschläge zu den hohen Tankstellenpreisen: "Ein Fass Rohöl kostet 80 bis 90 Dollar. Dieselbe Menge Diesel verlässt die Raffinerie im Moment für 150 bis 160 Dollar je Fass, also einem Preisaufschlag von 70 Dollar je Fass. Normal wäre ein Aufschlag von 20 Dollar." Dies überträfe sogar noch die Margen, die im ersten Jahr des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 erzielt wurden, so Bukold.
Hohe Sprit Preise machen kreativ. Um etwas Geld zu sparen, kann man zum Beispiel den eigenen Fahrstil anpassen. Wie das geht, zeigt der Mima-Service.
23.04.2026 | 3:09 minMehr Diesel- und Benzinexporte treiben Preise nach oben
Eine Rohölknappheit für Europa und Nordamerika ist derzeit nicht zu erkennen. Doch zum Beispiel in Asien sieht das anders aus:
Die Raffinerien exportieren seit dem Beginn der Iran-Krise im März große Mengen Diesel und Benzin in Märkte, die weniger gut versorgt sind.
Dr. Steffen Bukold, EnergyComment
Dadurch sei das Angebot an Diesel und Benzin in Deutschland reduziert und die Preise zögen an, so Bukold.
Was tun bei den hohen Spritpreisen?
Neben dem - zeitlich begrenzten - Tankrabatt wurde 2026 auch die Zwölf-Uhr-Regel eingeführt. Sie besagt, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag - um zwölf Uhr - die Preise erhöhen dürfen.
Das sorgt auf der einen Seite für teilweise atemberaubende Preissprünge um genau zwölf Uhr, andererseits auch dafür, dass kurz vor High Noon oft am günstigsten getankt werden kann. Um 11:30 Uhr zu tanken heißt oft, zu deutlich günstigeren Preisen zu tanken.
Wer ein Auto fährt, das nach 2010 gebaut wurde, sollte außerdem überlegen, ob nicht statt des immer circa fünf Cent teureren E5-Benzins auch E10 getankt werden kann. Autos ab diesem Baujahr können den Kraftstoff ohne Probleme vertragen. So kann man die Urlaubskasse trotz hoher Spritpreise ein wenig entlasten.
Andreas Weise ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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