Preisdämpfung läuft Anfang Juli aus:Tankrabatt: Entlastung teils vor der Zapfsäule versickert
von Mario Shabaviz
Ab Juli entfällt die Preisdämpfung für Benzin und Diesel wieder. Seit Mai galt eine Entlastung um 17 Cent pro Liter. Was an der Zapfsäule ankam und wie es weitergeht.
Nach Schätzungen des Ifo-Instituts ist der Tankrabatt nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen. Bei Diesel wurden etwa durchschnittlich 12 Cent pro Liter weitergegeben.
29.06.2026 | 0:24 minAls die USA und Israel am 28. Februar 2026 Iran angriffen, schlug dieser mit dem Beschuss benachbarter Ölförderstaaten und deren Förderanlagen und Raffinerien sowie der De-facto-Blockade der Straße von Hormus zurück.
Die Folgen: ein Ölpreisschock und Lieferprobleme für die ganze Welt. Als "größte Energiekrise der Geschichte" bezeichnete daher Fatih Birol, der Chef der Internationalen Energieagentur IEA, die Situation gegen Ende April.
Steuerentlastung von rund 1,6 Milliarden Euro
Um Millionen Verbraucher und die Wirtschaft angesichts drastisch gestiegener Kraftstoffpreise zu entlasten, führte die Bundesregierung daher zum 1. Mai den Tankrabatt ein. Dieser sollte die Spritpreise um je knapp 17 Cent pro Liter verringern.
Um die Spritpreise nach Beginn des Iran-Kriegs zu senken, hatte die Bundesregierung die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate reduziert. ZDF-Reporter Mario Shabaviz zieht eine Bilanz.
27.06.2026 | 1:32 minDie Bundesregierung hatte die Einführung des Tankrabatts mit dem Ziel einer schnellen, kurzfristigen Entlastung aller Bürgerinnen und Bürger sowie der Wirtschaft begründet. Andere Lösungen, wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale, wären hingegen zeitverzögert angekommen.
Die Entlastung bei den Kraftstoffpreisen sollte zu 100 Prozent an der Zapfsäule landen, so forderte es die Politik. Um all jenen zugutezukommen, die privat oder gewerblich mit ihren Fahrzeugen mobil sein müssen. Das Volumen des Tankrabatts beziffert die Bundesregierung auf etwa 1,6 Milliarden Euro.
ZDFheute Infografik
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Tankrabatt kam nicht voll beim Verbraucher an
Die Monopolkommission der Bundesregierung hat die Spritpreisentlastung genau verfolgt und zieht in ihrem Policy Brief vom Juni eine kritische Bilanz: "Der durchschnittliche geschätzte Preisrückgang über alle Wochen liegt je nach Kraftstoff zwischen 15 und 16 Cent. Bei einem Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro für die Steuersenkung verbliebe so am Ende der Tankrabattperiode eine Differenz von 100 bis 200 Millionen Euro, die nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt."
Auch das Ifo-Institut in München hat mit einem täglichen Preistracker für Super E5, Super E10 und Diesel die Weitergabe des Tankrabatts verfolgt und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.
Für die Benzinsorten E5 und E10 sehen wir eine Weitergabe im Durchschnitt von jeweils über 90 Prozent, für Diesel hingegen ist es etwas weniger, bei etwa 74 Prozent.
Ramona Schmid, Ifo-Institut
Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, hat eine Vermutung, wo die nicht weitergegebenen Anteile des Tankrabatts geblieben sind: "Wir wissen, dass die Wettbewerbsprobleme nicht bei den Tankstellen sind, sondern eher bei den Raffinerien und beim Großhandel. Das hat das Bundeskartellamt in der Sektoruntersuchung letztes Jahr auch festgestellt."
Der Tankrabatt senkte die Preise nur teilweise – bei vielen kam die Entlastung kaum an. Kritik: zu teuer, zu ungenau. Eine Verlängerung der Maßnahme ist nicht geplant.
26.06.2026 | 2:46 minSo wie Duso finden deshalb auch andere Experten: Der Tankrabatt sei in Teilen eine ungewollte Subvention der Mineralölwirtschaft, habe vor allem jenen Autofahrern unnötig geholfen, die es sich leisten könnten, viel mit dem Auto zu fahren. Eine Fortführung oder Neuauflage sei deshalb falsch.
Tankrabatt-Ende: Spritpreise könnten deutlich steigen
Mit dem Wegfall des Tankrabatts dürften ab dem 1. Juli die Kraftstoffpreise schnell wieder steigen. Diese Sorge vieler, die aufs Auto angewiesen sind, ist wohl begründet, denn schon jetzt haben die Preise an den Tankstellen leicht angezogen. Auch Duso geht davon aus, ebenso wie andere Wirtschaftsforscher oder der ADAC.
Sollten die Kraftstoffpreise wieder einmal krisenbedingt schmerzhafte Höhen erklimmen, empfehlen Experten eher, gezielt einkommensschwache Haushalte zu unterstützen, die aufs Auto angewiesen sind, und nicht erneut mit der "Gießkanne" einen weiteren Tankrabatt für alle auszupacken.
Mario Shabaviz ist Redakteur beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO.
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