Spitzengespräch mit Kanzler Merz:Deutsche Wirtschaft fordert Tempo und Entschlossenheit
von Peter Aumeier
Kanzler Merz trifft auf eine angespannte Wirtschaft - beim Spitzengespräch in München. Globale Konflikte verschärfen ungelöste Strukturprobleme. Was fordern die Verbände?
Thomas Prinz ist Unternehmer aus Thüringen. Auf der Handwerksmesse wird er Kanzler Merz treffen und ihm seine Erfindung vorstellen. Für den Mittelstand hat er klare Forderungen.
06.03.2026 | 1:16 minEigentlich ist es seit 1965 ein jährlicher Standardtermin des amtierenden Kanzlers: das Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft auf der Handwerksmesse in München. Dieses Jahr, zehn Monate nach Vereidigung, ist es für Kanzler Friedrich Merz ein Gradmesser für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik. Gerade in weltpolitisch aufgewühlten Zeiten. Auch wenn es im Tonfall freundlich sein wird, sind sich die wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände einig: Es geht um Tempo und Entschlossenheit.
"Ein Jahr großer Reformen", fordert Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Deutschland sei nach wie vor in "schwerem Fahrwasser", sagt er gegenüber ZDFheute. Wichtig sei es jetzt, dass der angefangene Reformkurs konsequent weitergegangen werde:
Deutschlands Wirtschaft muss wieder auf den Wachstumspfad gelangen. Dazu brauchen wir Reformen für die gesamte Breite der Unternehmen.
Peter Adrian, DIHK-Präsident
Während die Industrie in Süddeutschland mit der Wirtschaftsflaute kämpft, kann der Norden ein moderates Wachstum verzeichnen. Woher kommt der Erfolg in allgemeinen Krisenzeiten?
19.11.2025 | 2:52 minBDA: Sachlichkeit beim Thema Teilzeit
Mehr Tatkraft fordert Arbeitgeberchef Rainer Dulger: "Die Bundesregierung muss endlich eine Reformagenda auf den Tisch legen, die diesen Namen auch verdient."
Beim Streitthema Teilzeitarbeit setzt Dulger auf mehr Sachlichkeit: "Wir sollten nüchtern darüber sprechen, wie wir Anreize setzen können, damit sich mehr Arbeit lohnt. Nach dem Motto: Teilzeit ist gut - Vollzeit ist besser."
... findet jährlich anlässlich der Internationalen Handwerksmesse in München statt. Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) treffen sich hier mit dem Bundeskanzler. Das Gespräch ist vertraulich und behandelt aktuelle gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Themen.
Um dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben zu können, müsse in Deutschland, so Dulger, das Arbeitsvolumen erhöht werden. Zumal die geburtenstarken Jahrgänge nun nach und nach in Rente gingen:
Deutschland verliert Arbeitskräfte, während der Bedarf gleichzeitig steigt. Das ist eine strukturelle Herausforderung, die wir nicht wegdiskutieren können.
Rainer Dulger, BDA-Chef
Teile der CDU wollen das Recht auf Teilzeit einschränken. Gefährdet reduzierte Arbeitszeit den gesellschaftlichen Wohlstand oder ist sie der Schlüssel zur persönlichen Work-Life-Balance?
21.02.2026 | 12:56 minHandwerksverband dringt auf Tempo
Ähnliche Töne auch von Jörg Dittrich, dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): Die Phase "wohlklingender Reformankündigungen ohne im Betriebsalltag spürbare Wirkung und ohne stringente Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen" müsse ein Ende haben. Zwar habe die Bundesregierung die angespannte wirtschaftliche Lage dem Grunde nach erkannt, sagt er und ergänzt:
Doch Tempo, Prioritätensetzung und Durchschlagskraft der bisherigen Maßnahmen reichen erkennbar nicht aus, um der Wirtschaft nachhaltig neuen Schwung zu verleihen.
Jörg Dittrich, Präsident des ZDH
Wie die Chefs der anderen Verbände macht Dittrich im Vorfeld deutlich, dass noch schneller gehandelt werden müsse, auch bei den großen Reformvorhaben. Aus Sicht des Handwerks zähle vor allem die Reform der sozialen Sicherungssysteme zu den dringendsten Aufgaben.
Im Handwerk fehlen rund 200.000 Fachkräfte. Auf der Handwerksmesse in München geht es auch darum, mehr Frauen für den Beruf zu gewinnen. 2024 lag ihr Anteil unter den Azubis bei etwa 17 Prozent.
05.03.2026 | 2:29 minWorauf ein Unternehmer aus Thüringen setzt
Wettbewerbsfähigkeit ist auch für Peter Leibinger vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zentral, um Wohlstand, Resilienz und Souveränität zu erhalten: "Unser Produktivitätsrückstand auf die USA ist vor allem auf Defizite im Technologiebereich zurückzuführen. Deshalb müssen in Deutschland und Europa Innovation und Forschungsgeist gestärkt werden."
Dafür müssen wir Regulierung abbauen und gleichzeitig eigene Stärken ausbauen: Durch Abbau der Hürden im EU-Binnenmarkt.
Peter Leibinger, BDI-Präsident
Die EU sollte von China, aber auch den USA unabhängiger werden, so Jörg Wuttke, ehemaliger Präsident der Europäischen Handelskammer in China.
25.02.2026 | 6:53 minUnd dann wird Friedrich Merz noch mit einem Wirtschaftsvertreter sprechen, den viele noch nicht auf dem Zettel haben: Thomas Prinz, Erfinder und Unternehmer aus Thüringen. Denn der Kanzler wird bei seinem Rundgang auf der Handwerksmesse auch einen Stopp an seinem Stand machen.
Prinz hat einen innovativen thermischen Wärmespeicher entwickelt, der mit Hilfe von Sand Energie über längere Zeit speichern kann. Unternehmer Prinz wünscht sich vor allem niedrigere Steuersätze:
Dass auch unsere Arbeitnehmer mehr Geld in der Tasche haben und dass es sich wirklich für die Leute lohnt, zu arbeiten.
Thomas Prinz, Unternehmer
Peter Aumeier ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Bayern.
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