Rentenreform: Warum die "Rente mit 63" entscheidend ist

Rentenreform in Gefahr?:Warum die "Rente mit 63" entscheidend für Reformpläne ist

von Miriam Hantzsche

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Die "Rente mit 63" ist zum Streitpunkt geworden. Der Widerstand aus den Ländern gegen die Abschaffung wächst. Droht die Rentenreform an diesem zentralen Pfeiler zu scheitern?

Münzen auf Unterlagen der Deutschen Rentenversicherung.

Sollte die "Rente mit 63" abgeschafft werden? Darüber diskutieren Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter (SPD).

06.08.2026 | 11:04 min

Als im Juni das 33-Punkte-Dossier von der Rentenkommission an die Bundesregierung übergeben wurde, zeigte diese sich entschieden: Es war von einem "Gesamtkunstwerk" die Rede, ein Abrücken von einzelnen Punkten durch "Rosinenpicken" sei nicht vorgesehen. Doch diese eine Rosine, die Abschaffung der "Rente mit 63", könnte nun den gesamten Kuchen verderben.

Kritik an den Reformplänen aus allen Richtungen

Ministerpräsidenten aus Ost- und Westdeutschland sprechen sich mittlerweile gegen die Abschaffung aus. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die Pläne weiterhin scharf. Unionsfraktionschef Thorsten Frei beharrt auf ein Festhalten an den Plänen und will schnell Nägel mit Köpfen machen.

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Die Rentenreform sollte vollständig umgesetzt werden - doch aus den Bundesländern kommt weiter Gegenwind. Im Fokus der Debatte steht immer wieder die "Rente mit 63".

05.08.2026 | 2:10 min

Warum die "Rente mit 63" abgeschafft werden soll

Verteidiger des Pakets verweisen auf das hohe Einsparpotenzial. Laut Marcel Thum vom ifo Institut bringt die Abschaffung der "Rente mit 63" einen dreifachen Effekt: mehr Einnahmen durch die längere Einzahlung, weniger Ausgaben durch den späteren Renteneintritt und den Wegfall der Abschlagsfreiheit. Würde man diesen ertragreichen Punkt jetzt aus dem Reformpaket ausklammern, hätte das große Auswirkungen auf die gesamte Reform, erklärt Thum.

Dann steigen die Ausgaben und die ganze Rechnung der Kommission geht nicht mehr auf. Das ist eben ein sehr ausbalanciertes Reformszenario.

Prof. Dr. Marcel Thum, ifo Institut Dresden

Ungefähr zehn Milliarden Euro könnte die Deutsche Rentenversicherung laut Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bei einer Abschaffung für einen einzelnen Jahrgang einsparen.

Die abschlagsfreie Rente können derzeit Menschen in Anspruch nehmen, die mindestens 45 Versicherungsjahre nachweisen können. Dies galt ursprünglich ab einer Altersgrenze von 63 Jahren, diese steigt jedoch schrittweise auf 65 Jahre an. Für den Geburtsjahrgang 1961 beträgt der Grenzwert 64,5 Jahre.

Quelle: AFP


Hat die "Rente mit 63" ihr Ziel verfehlt?

Die ursprüngliche Idee der 2014 eingeführten "Rente mit 63" war, Menschen entgegenzukommen, die sehr früh ins Berufsleben eingestiegen sind und jahrzehntelang Beiträge geleistet haben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) formulierte den Gedanken dahinter als "Anerkennung der Lebensarbeitsleistung".

Ministerpräsidentenkonferenz

Die Rentenkommission hat vorgeschlagen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren zu streichen. Der Entwurf stößt vielerseits auf harte Kritik - in Politik und Gesellschaft.

03.08.2026 | 3:02 min

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in mehreren Studien analysiert, wer von frühzeitiger abschlagsfreier Altersrente profitiert und wer nicht. Demnach wird lediglich eine lange Versicherungszeit belohnt, unabhängig davon, wie belastend die ausgeübte Tätigkeit tatsächlich war.

Und: Besonders Frauen, Geringverdienende und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen haben im Durchschnitt weniger Chancen auf eine durchgängige lange Erwerbsbiografie.

Die Gewinner bei der Rente mit 63 sind eher Angestellte bei Banken, Versicherungen, oder dem öffentlichen Sektor. Die haben durchgängige Erwerbsbiographien und gute Einkommen.

Prof. Dr. Marcel Thum, ifo Niederlassung Dresden

Ein Smartphone liegt auf einem Tisch, im Hintergrund arbeitet eine Frau an einem Laptop.

Frauen verdienen in Deutschland weiterhin weniger als Männer. Eine Rolle spielen dabei die Löhne, aber auch Teilzeit und der gewählte Beruf, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen.

26.02.2026 | 0:32 min

Was, wenn die "Rente mit 63" bleibt?

Sollten die Reformpläne nun allerdings kippen, sehen Experten das gesamte Konstrukt der Rentenreform in Gefahr. Und diese soll zum einen Kosten sparen, aber auch diejenigen entlasten, die es wirklich brauchen - so betont es auch Marcel Fratzscher im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Wenn man die abschlagsfreie Rente beibehält, heißt das: Alle anderen, auch Menschen, die von Altersarmut bedroht werden, werden noch weniger haben und werden noch länger arbeiten müssen.

Marcel Fratzscher, Präsident Deutsches Institut für Wirtschafsforschung (DIW)

Eine Frau hat ihre Unterarme auf einen Schreibtisch gestützt, die Hände sind an ihrem Kopf. Um sie herum sind brennende Geldscheine.

Unser Rentensystem steckt in einer Zwickmühle. Müssen wir jetzt doch alle bis 70 arbeiten? Das fragt WISO - Wirtschaft erklärt mit Florian Neuhann.

25.05.2026 | 10:15 min

Die "Schutzrente" - eine mögliche Alternative?

An die Stelle der "Rente ab 63" soll laut Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales eine Sonderregelung treten, die den gesundheitlichen Aspekt mehr in den Fokus rückt: Für diejenigen, die lange eingezahlt haben und kurz vor der Rente aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können, soll es die "Schutzrente für langjährige Beitragszahler" geben. Sie sollen nicht auf andere Tätigkeiten verwiesen werden, sondern früher in Rente gehen können.

Ein älteres Paar geht im Stadtzentrum spazieren.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisiert den Widerstand gegen das geplante Aus der "Rente mit 63". Man müsse den Sozialstaat reformieren, so BDA-Chef Kampeter.

05.08.2026 | 2:06 min

Konkret ist dieser Vorschlag allerdings noch nicht. An welchen Kriterien sich diese "Schutzrente" bemisst, muss jetzt ausgearbeitet werden.

Laut DGB-Rentenkommission muss es möglich sein, dass Menschen, die es aus gesundheitlichen Gründen nicht schaffen, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten, einen früheren sozial abgesicherten Übergang in die Rente ermöglicht bekommen. Dies sei aber kein Ersatz für die Rente für besonders langjährig Versicherte - beides müsse möglich sein.

Miriam Hantzsche ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

Mirko Drotschmann vor grauem Hintergrund, links ein Schaubild eines Jungen, der auf einem angedeuteten Zeitstrahl zu einem alten Mann wird, daneben die Zahl 70.

Länger arbeiten, mehr Einzahler und Beiträge in Fonds anlegen - das Rentenreformpaket sieht einige Neuerungen vor. MrWissen2go Mirko Drotschmann sieht sich die Pläne genauer an.

02.07.2026 | 10:52 min

Über dieses Thema berichteten verschiedene Sendungen, etwa "heute - in Deutschland" am 05.08.2026 ab 14 Uhr und das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 06.08.2026 ab 05:30 Uhr.

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