Arbeitgeber "fassungslos":Ringen um "Rente mit 63": Regierung weiter uneinig
Soll die "Rente mit 63" abgeschafft werden oder nicht? Darüber herrscht Uneinigkeit in der Regierung. Die Arbeitgeber zeigen sich "fassungslos" ob der Querelen.
Es gehe darum, "dafür zu sorgen, dass das zukünftige Gesamtsicherungsniveau höher ist", so der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei. Es sei "das Wesen eines Kompromisses, aufeinander zuzugehen".
05.08.2026 | 5:19 minDer neue Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), hat sich im ZDF-Morgenmagazin erneut dagegen ausgesprochen, das Rentenpaket noch einmal aufzuschnüren. Jetzt könne man aber "durchaus etwas runterkühlen", sich den erwarteten Rentenentwurf von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) anschauen und dann weiterdiskutieren.
Und natürlich hat da jeder etwas, was ihm nicht so gut gefällt.
Thorsten Frei, Fraktionsvorsitzender der Union
Es sei "das Wesen eines Kompromisses", aufeinander zuzugehen und Interessen der verschiedenen Parteien abzuwägen. "Aber dass man auf der anderen Seite auch die unterschiedlichen Generationen im Blick behält."
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Der CDU-Politiker verwies auf die Kosten der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren, die sich auf etwa zehn Milliarden Euro jedes Jahr und für jeden Rentnerjahrgang beliefen. "Und deshalb ist sie einfach Bestandteil eines größeren Konzeptes".
SPD-Politiker Bovenschulte: CDU muss eigene Position klären
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) setzt indes auf das Lösen des Rentenstreits im parlamentarischen Verfahren. In der Debatte um die geplante Abschaffung der "Rente mit 63" gebe es nicht nur schwarz oder weiß, sagte Bovenschulte. Über Übergangsfristen und Ausnahmeregeln solle gesprochen werden.
Bovenschulte sagte im Deutschlandfunk, er sei für die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren. Mit diesem "Herzensthema" habe sich die SPD aber in der Rentenkommission nicht durchsetzen können. Mit der "Faust in der Tasche" habe man sich entschieden, das Gesamtpaket deswegen aber nicht infrage zu stellen. Nun werde die Abschaffung der "Rente mit 63" in der CDU infrage gestellt. Diese sei sich im eigenen Lager aber "überhaupt nicht einig" und solle nun zunächst ihre Position klären.
Die Rentenreform sollte vollständig umgesetzt werden – doch aus den Bundesländern kommt weiter Gegenwind. Im Fokus der Debatte steht immer wieder die "Rente mit 63".
05.08.2026 | 2:10 minDer amtierende Bundesratspräsident Bovenschulte stellte heraus, dass noch kein Gesetzentwurf vorliegt. Auf dessen Grundlage sollten im parlamentarischen Prozess, an dem neben dem Bundestag auch der Bundesrat beteiligt sei, die Details ausdiskutiert werden.
Arbeitgeber äußern sich "fassungslos"
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) wiederum warnt vor einem Festhalten an der "Rente mit 63" und einer dauerhaften Unfinanzierbarkeit der gesetzlichen Rente. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter sagte der "Bild":
Dass zentrale Elemente des Rentenpakets schon wieder infrage gestellt werden, bevor sie überhaupt umgesetzt sind, macht mich fassungslos.
Steffen Kampeter, BDA-Hauptgeschäftsführer
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisiert den Widerstand gegen das geplante Aus der "Rente mit 63". Man müsse den Sozialstaat reformieren, so BDA-Chef Kampeter.
05.08.2026 | 2:06 minEine zukunftsfeste Rente brauche "mehr Beschäftigung, mehr Beitragszahler und eine solide Finanzierung - nicht immer neue Versprechen auf Kosten der jüngeren Generation".
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm äußerte sich ähnlich. "Die Rentenreform belastet die junge Generation in der aktuellen Ausgestaltung ohnehin schon zu stark und zusätzlich", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Wenn nun auch die Abschaffung der 'Rente ab 63' entfällt, dann verliert die Reform weiter an Wirksamkeit."
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