Raumfahrt: Wie Deutschland bei Satelliten und Raketen aufholt

Aufbruch ins All:Wo Deutschland in der Raumfahrt aufholt

von Christoph Söller

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Deutsche Satelliten, eigene Raketen, milliardenschwere Investitionen: Deutschlands Raumfahrtbranche wächst und strebt nach Unabhängigkeit von den USA. Kann das gelingen?

ISS - 2026

Der Wettbewerb um den Wirtschaftsraum „Weltall“ ist in vollem Gange. Unternehmer und Ingenieure aus Europa wollen unabhängig werden und auch Deutschland will vorne mitspielen.

09.08.2026 | 2:39 min

In dem Reinraum tragen sie weiße Schutzanzüge und Mundschutz. In Handarbeit setzen sie kleine Satelliten made in Germany zusammen - bis zu 100 pro Jahr. Es ist komplexe Technologie, kaum größer als eine Schuhschachtel.

Das junge Unternehmen Spire Global Germany aus München baut Satellitenkonstellationen, die Hochfrequenzdaten sammeln, zum Beispiel für Wettervorhersagen oder um Schiffs- und Flugzeugbewegungen zu verfolgen. Spire ist eines von inzwischen mehr als 120 sogenannten "New Space Start-ups" in Deutschland, die kommerzielle Raumfahrtprojekte oder -technologien entwickeln.

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Aufbruchstimmung in Europa

Der Österreicher Peter Platzer hat das Satellitenunternehmen 2012 in den USA gegründet und bezeichnet sich selbst als "pathologischen Optimisten". Seit drei Jahren gibt es Spire auch in Deutschland - es will dazu beitragen, dass Europa unabhängiger wird von der amerikanischen Vormachtstellung im All.

Europa und Deutschland haben bereits jetzt schon alles, was wir brauchen. Was uns fehlt, ist das Selbstvertrauen, unsere Fähigkeiten auch umzusetzen und zwar in der Geschwindigkeit, die die Weltlage von uns erwartet.

Peter Platzer, Spire-Gründer

Navigationsgeräte, Geldgeschäfte, Telefongespräche, Internet - unser Alltag auf der Erde hängt längst von Satelliten im All ab. Der Großteil der etwa 15.000 Satelliten im Weltraum kommt aus den USA. Kein anderes Land gibt so viel Geld für Raumfahrt aus wie die Vereinigten Staaten.

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Doch die Europäer streben nach Unabhängigkeit. "Es gibt eine Aufbruchstimmung und ich glaube auch, dass sie sich weiterentwickeln wird, sodass wir vielleicht schon in fünf Jahren von souveränen europäischen Fähigkeiten im Weltall sprechen werden", meint Platzer.

Milliarden für Weltraumsicherheit

Schon jetzt setzen deutsche Raumfahrtunternehmen etwa 3,5 Milliarden Euro pro Jahr um, Tendenz steigend. Die Bundeswehr will 35 Milliarden Euro bis 2030 in Weltraumsicherheit investieren. In der Raumfahrt gehören zivile Nutzung und militärische Interessen eng zusammen.

"Dual use" nennt sich dieses Prinzip - Anwendungen für zivile Zwecke mit der technischen Möglichkeit für den militärischen Einsatz. Satelliten braucht es auch für die Steuerung von Drohnen, Feindüberwachung und Flugabwehr. Der Krieg in der Ukraine hat die Europäer wachgerüttelt.

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Expertin: Bundeswehr als Innovationsmotor

Die öffentlichen Gelder bestärken die Euphorie, die in der deutschen Space-Branche herrscht. Weltraum-Expertin Chiara Manfletti von der Technischen Universität München erklärt:

Die Raumfahrt war immer sicherheitsrelevant und für das Militär interessant. Die Bundeswehr kann als wichtiger Kunde Innovationsmotor sein und Anforderungen an die Industrie stellen.

Chiara Manfletti, TU München

Das sei für den Weltraum-Sektor sehr wichtig und würde dazu beitragen, dass dieser innerdeutsche oder innereuropäische Markt stärker wird, sagt Manfletti.

Militärs, Unternehmer, Forscher und Ingenieure arbeiten daran, dass Deutschland zur Weltraum-Nation wird. Neben Satellitenunternehmen wie Spire und anderen, bräuchte es dazu auch die Fähigkeit, diese Satelliten eigenständig ins All zu transportieren. Unter anderem Isar Aerospace will deutsche Trägerraketen entwickeln, um Nutzlasten in niedrige Erdumlaufbahnen zu befördern. Im März 2025 gab es einen ersten erfolgreichen Start.

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Datenübertragung: Know-how aus Hessen

Doch eigene Raketen und Satelliten nützen wenig, wenn ihre Daten nicht an die Erde übertragen werden. Das hessische Unternehmen Mtex Antenna Technology baut hochpräzise Parabolantennen und Radioteleskope für Bodenstationen. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen mit diesem speziellen Know-how.

Auch Gründer und Geschäftsführer Lutz Stenvers sieht eine Aufbruchstimmung in der Branche.

Wir haben brillante Wissenschaftler und Ingenieure. Wenn jetzt noch das große Geld in den Markt kommt, wird der Boom weitergehen.

Lutz Stenvers, Mtex Antenna Technology

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Trotz der positiven Stimmung bleibt es ein langer Weg, bis Deutschland und Europa wirklich unabhängige Raumfahrt betreiben können. Die USA, China und Indien sind nach wie vor die größten Wettbewerber.

Seit dem ersten Test einer Rakete von Isar Aerospace vor mehr als einem Jahr musste das Münchner Unternehmen mehrmals den Start einer weiteren Trägerrakete verschieben. Von den 35 Milliarden Euro, die das Bundesverteidigungsministerium ausgeben will, ist erst ein Bruchteil vergeben worden. Die Herausforderungen, so scheint es, sind mindestens genauso groß wie die Euphorie.

Christoph Söller berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Bayern.

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Über dieses Thema berichtete das heute journal am 09.08.2026 ab 21:45 Uhr.
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