Deutsche Raumfahrt: Eigene Raketen sind entscheidend

Europas Zugang zum Weltall:Warum eigene Raketen für Deutschland so wichtig sind

Frank Bethmann ist zu sehen.

von Frank Bethmann

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Innovative Startups, frisches Kapital und politische Unterstützung: Die deutsche Raumfahrtindustrie ist im Aufschwung. Doch von einer führenden Rolle ist man noch weit entfernt.

Aufnahme der Erde aus dem All

Deutschland arbeitet daran, eigene Trägerraketen ins All zu bringen. Warum das für Europas Unabhängigkeit wichtig ist.

19.06.2026 | 0:57 min

Wer nicht selbst ins All kommt, ist auf andere angewiesen. Genau diese Erkenntnis treibt derzeit die deutsche Raumfahrtindustrie an. Satelliten liefern Navigationsdaten, ermöglichen Kommunikation, überwachen Infrastruktur und werden zunehmend für militärische Aufklärung genutzt. Wer keinen eigenen Zugang zum Weltraum besitzt, macht sich abhängig - von anderen Staaten, allen voran den USA, oder von privaten Konzernen.

Deutschland will das ändern. Rund um München, Augsburg und Bremen ist in den vergangenen Jahren eine neue Generation von Raumfahrtunternehmen entstanden. Startups wie Isar Aerospace, Rocket Factory Augsburg oder HyImpulse Technologies wollen erstmals Raketen "Made in Germany" in den Orbit bringen. Doch der Weg ist noch weit.

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Europas Problem liegt bei den Raketen

Der Rückstand Deutschlands und Europas liegt dabei nicht in erster Linie bei Satelliten oder Forschung. Deutsche Unternehmen gehören seit Jahrzehnten zu den führenden Zulieferern und Herstellern von Raumfahrttechnologie. Das eigentliche Problem ist der Zugang zum Weltraum.

Während die USA und zunehmend auch China regelmäßig Raketen starten, verfügt Europa bislang nur über begrenzte Startkapazitäten. Viele europäische Satelliten gelangen deshalb mit amerikanischen Trägersystemen ins All. Daniel Metzler, Vorstandschef des Raketenherstellers Isar Aerospace, macht deutlich, wie weit Europa trotz seiner starken industriellen Basis bei den Trägerraketen zurückliegt.

Mit nur acht von weltweit 330 Starts ins All vergangenes Jahr ist Europa in der Raumfahrt hinterher.

Daniel Metzler, Mitgründer und Vorstandschef von Isar Aerospace

Publikumstag auf ILA Berlin 2026, Berlin, 13.06.2026

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Raumfahrt wird zur Frage der Souveränität

Und das ist ein großes Problem. Denn wer nicht selbst starten kann, ist im Ernstfall auf fremde Raketen angewiesen. Raumfahrt werde aber zunehmend als Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur verstanden, sagt Marc Steckling, Vizepräsident Raumfahrt beim Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI): "Raumfahrt ist eine strategische Voraussetzung für Europas Handlungsfähigkeit. Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung, Aufklärung, Frühwarnung und Krisenmanagement sind heute auf weltraumgestützte Systeme angewiesen."

Der Krieg in der Ukraine, neue geopolitische Spannungen und die wachsende Bedeutung satellitengestützter Systeme haben die Debatte zusätzlich beschleunigt. Für ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher lautet die Frage inzwischen nicht mehr, ob Europa unabhängiger werden sollte, sondern wie schnell.

Europa hat sich Entscheidungen gegenüber zu exponiert gemacht, die außerhalb seiner Kontrolle liegen.

Dr. Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA

Hintergrund sind jüngste Kurswechsel der USA bei mehreren Raumfahrtprojekten, die auch europäische Programme unmittelbar betreffen. Europa müsse entscheiden, ob es von anderen abhängig bleiben oder selbst zu einer voll handlungsfähigen Raumfahrtmacht werden wolle, so Aschbacher.

Börsengespräch Zimmermann mit Frank Bethmann

Die Bundesregierung und immer mehr deutsche Unternehmen wollen in die militärische Luft- und Raumfahrt investieren. Einschätzungen dazu von ZDF-Wirtschaftsexperte Frank Bethmann.

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Deutsche Raumfahrtindustrie: Rückstand verkleinert, aber noch kein Durchbruch

Bei Isar Aerospace stammen inzwischen rund 60 Prozent der Anfragen aus dem militärischen Umfeld. Das Unternehmen hat bereits mehrere Testkampagnen seiner Spectrum-Rakete absolviert und Millioneninvestitionen eingesammelt. Allein Anfang Juni flossen weitere 270 Millionen Euro in die Firma.

Trotz aller Fortschritte darf man die Lage jedoch nicht beschönigen. Deutsche Raketen haben bislang noch keinen regulären Satelliten erfolgreich in eine Erdumlaufbahn gebracht. Mehrere Teststarts mussten verschoben oder abgebrochen werden. Auch andere deutsche Anbieter kämpfen mit technischen Problemen und Verzögerungen. Noch also ist der große Durchbruch nicht gelungen.

Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Warum Deutschland auf eigene Raketen setzt" am 19.06.2026 um 08:30 Uhr.
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