KI in der Industrie: Eine Chance für den Standort Deutschland

KI in der deutschen Industrie:Warum die Fabrik wichtiger sein könnte als der Chatbot

von Arlette Geburtig

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Deutschland liegt bei der Entwicklung von KI-Modellen weit zurück. Doch in der Anwendung könnte die deutsche Wirtschaft punkten - wenn KI schneller in die Produktion kommt.

Ein Prozess in einer Fabrik ist zu sehen.

Deutschland baut zunehmend KI in industrielle Prozesse ein. Warum gerade das für die Wertschöpfung von KI wichtig ist.

28.06.2026 | 1:03 min

Der wirtschaftliche Wert von Künstlicher Intelligenz entsteht nicht nur in Chatbots und Suchmaschinen - sondern vor allem dort, wo sie in reale Wertschöpfung eingebettet wird: in Fabriken, Maschinen und industrielle Prozesse. Genau hier liegt eine Stärke des Standorts Deutschland.

Zwei Welten der KI

Ist von KI die Rede, geht es oft um Consumer-KI: Sprachmodelle, Bildgeneratoren oder Assistenzsysteme für Büroarbeit. In der Industrie dagegen kommt eine andere Form zum Einsatz.

Hier wird KI genutzt, um:
  • Produktionsprozesse zu optimieren,
  • Fehler in Echtzeit zu erkennen,
  • Maschinen vorausschauend zu warten,
  • Lieferketten effizienter zu steuern.

Diese "Industrial AI" basiert auf Technologien wie Machine Learning, Computer Vision oder eingebetteter ("Embedded") KI - also Systemen, die direkt in Maschinen integriert sind.

Wirtschaftsgespräch zwischen dem Moderator Heinz Wolf und der Wirtschaftsexpertin Valerie Haller

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05.06.2026 | 1:34 min

Deutschlands Chancen in Sachen KI

Wie weit diese KI-Technologien in deutschen Unternehmen bereits genutzt werden, ist jedoch schwer zu greifen. Das ifo Institut misst zwar regelmäßig den KI-Einsatz in Unternehmen. Erfasst wird dabei aber jede Form von KI-Nutzung - von Text- und Büroanwendungen bis hin zu industriellen Anwendungen in Produktion und Planung.

In der Konjunkturumfrage vom Mai 2026 gaben 54,5 Prozent der Unternehmen an, KI zu nutzen. Ein Jahr zuvor waren es rund 41 Prozent.

Nutzung von KI in deutschen Unternehmen

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"Das ist eine fundamentale Verschiebung im Umgang mit der Technologie", sagt Klaus Wohlrabe, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomie und Befragungen. KI werde zunehmend Teil des Unternehmensalltags.

Deutschlands Stärke: die Fabrik

Für Katharina Hölzle vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO liegt Deutschlands Stärke traditionell in der Industrie.

Die Zukunft liegt in der Verbindung von Fertigung und Digitalisierung - und genau diese Verbindung können wir besser als fast alle anderen.

Prof. Dr. Katharina Hölzle, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Tatsächlich verfügt Deutschland über klare Vorteile: jahrzehntelang gesammelte Maschinen-, Prozess- und Sensordaten sowie das Know-how von Ingenieuren und Fachkräften.

Interview mit Daniel Abbou vom KI-Bundesverband

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KI findet an der Maschine statt

Ökonom Wohlrabe beobachtet, dass KI in der Industrie zunehmend über klassische Büroanwendungen hinausgeht und immer häufiger bei Qualitätskontrolle, Produktionsplanung und vorausschauender Wartung eingesetzt wird. Entscheidend sei, sie stärker in die Produktionsprozesse zu integrieren.

Für besonders zukunftsfähig hält Hölzle die Embedded KI: "Industrial AI wird nicht im Browser entschieden, sondern an der Maschine." Ihr Vorteil: Daten bleiben besser geschützt, und die Abhängigkeit von externen Anbietern ist geringer. Niemand kann den Dienst einfach abschalten.

Im Critical-Tech-Index der Harvard Kennedy School liegt Deutschland bei Künstlicher Intelligenz auf Platz vier von 26.

Gleichzeitig zählen deutsche Fabriken zu den am stärksten automatisierten der Welt - Roboterdichte weltweit Platz 3, 449 je 10.000 Beschäftigte.

Quellen: Belfer Center, 2025; IFR, World Robotics 2025, Daten 2024


Abhängigkeit von Technologie aus dem Ausland

Die Industrie nutzt verschiedene KI-Technologien. Die Anwendungen stammen oft aus Europa, doch die Basis - wie KI-Chips, Sprachmodelle, Cloud-Infrastruktur - meist aus den USA.

Damit das tragfähig bleibt, brauchen wir eine souveräne Infrastruktur, souveräne und eigene Modelle sowie offene Datenräume - sonst läuft die beste Industrie-KI weiter auf fremden Wolken.

Prof. Dr. Katharina Hölzle, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Viele Unternehmen stehen noch am Anfang. Sie testen Anwendungen und prüfen, wie sich KI sinnvoll integrieren lässt.

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Hand an Smartphone, KI-Apps auf Bildschirm

Vom Projekt zum Wettbewerbsvorteil

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus ersten Anwendungen flächendeckende Lösungen zu machen. Hölzle sieht dabei vor allem Hindernisse durch fehlende KI-Kompetenzen, fehlende Fachkräfte und beim Zugang zu Daten. Zudem fehle häufig noch der Mut, neue Technologien konsequent einzusetzen.

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Die Chance des Industriestandorts

Trotzdem könnte Deutschland am Ende zu den Gewinnern der KI-Transformation gehören, glaubt Hölzle: "Gewinnen können wir dort, wo KI in die Wertschöpfung geht: in der Fertigung."

Gemeint sind damit vor allem höhere Produktivität, bessere Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität durch Kontrolle über zentrale Technologien.

Ob das gelingt, hängt weniger davon ab, ob neue KI-Modelle in Deutschland entstehen. Entscheidend ist, wie schnell und konsequent Unternehmen KI in ihre Produktionsprozesse integrieren.

Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Ob daraus tatsächlich nachhaltige Wettbewerbsvorteile entstehen, ist offen.

Arlette Geburtig ist Redakteurin im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute in dem Beitrag "Künstliche Intelligenz für Maschinen" am 28.06.2026 um 05:55 Uhr.

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