"Als Sparringspartner eingesetzt":Minister Wildberger nutzte KI für Texte und Reden
Digitalminister Karsten Wildberger hat für Reden und Texte auf die Hilfe von Künstlicher Intelligenz zurückgegriffen. Sein Ministerium bestätigte den Einsatz als Arbeitswerkzeug.
Karsten Wildberger hielt auch im Bundestag Reden, die offenbar zu größeren Teilen mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt wurden (Archivfoto).
Quelle: ddpBundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) gerät wegen Texten, bei deren Erstellung Künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt wurde, in den öffentlichen Fokus.
Ein Ministeriumssprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Wildberger KI als Arbeitswerkzeug nutze.
Minister Wildberger nutzt es als Unterstützung, weil er überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich maßvollen Umgang mit KI schnell lernen muss.
Sprecher des Digitalministeriums
Der Sprecher weiter: "Das gilt für die Wirtschaft, die Verwaltung und auch für die Politik."
Ministerpräsident Voigt wird vorgeworfen, einen Gastbeitrag in der FAZ mithilfe von KI erstellt zu haben. Die Zeitung hat den Artikel zurückgezogen und im Archiv gesperrt.
11.06.2026 | 0:30 minRedaktionen nicht über KI-Einsatz informiert
"Die Zeit" hatte berichtet, Wildberger habe "offenbar" mehrere Reden und Gastbeiträge für Zeitungen zu großen Teilen von Künstlicher Intelligenz schreiben lassen. Die Texte seien mit einer Analysesoftware entsprechend untersucht worden. Dem Ergebnis zufolge stammte laut "Zeit" ein unter Wildbergers Namen im "Handelsblatt" veröffentlichter Artikel aus dem April 2026 fast vollständig von einer KI, ein Beitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) vom März zum überwiegenden Teil.
Die "Zeit" fand mithilfe einer softwaregestützten Analyse mehrere Textpassagen, die den Einsatz einer KI-Software vermuten lassen, weil sie für KI-Texte typische Merkmale aufwiesen. In einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" etwa nutzte Wildberger 25 Gedankenstriche, immer wieder Dreischritte¹, Verneinungen² sowie schiefe Sprachbilder³, die teils bedeutungslos wirkten. Beispielhaft führt die "Zeit" folgende Passage aus Wildbergers "Handelsblatt"-Text auf:
"Ein Projekt hat einen Anfang, ein Ende und ein Budget¹. Ein Produkt hat einen Lebenszyklus, eine Nutzerbasis und einen Markt¹. Das klingt nach Semantik. Ist es nicht². Es ist der Unterschied zwischen einer Lösung, die nach Abschluss verwaist, und einer, die wächst³."
Eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington, D. C. im Juli 2025 stammte laut "Zeit" komplett von einer KI, mehrere Reden im Bundestag zu größeren Teilen.
Gegenüber den Redaktionen von "Handelsblatt" und "FAS" habe das Ministerium den KI-Einsatz nicht offengelegt. Dies bestätigte der Sprecher: "Eine gesonderte Offenlegung gegenüber den Redaktionen erfolgte nicht - weil Minister Wildberger KI als unterstützendes Arbeitsmittel betrachtet, über dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablegt als über Textverarbeitung, Recherche-Tools oder redaktionelle Unterstützung."
Auch vor der Justiz macht KI nicht halt - in Zukunft soll sie Prozesse deutlich beschleunigen. Sie unterstützt, sortiert und wertet aus - soll aber keine Richter ersetzen.
11.06.2026 | 3:51 min"Mensch muss prüfen, ändern und entscheiden"
Der Ministeriumssprecher erklärte weiter, jede Rede beginne mit einer Vorbesprechung des Redenreferats mit dem Minister zu Struktur, Wirkung und Kernaussagen. Danach erarbeite das Redenreferat Inhalt, Argumentation und Struktur.
"KI kann als Sparringspartner eingesetzt werden: um Gedanken zu ordnen, alternative Formulierungen zu prüfen, Kürzungen vorzuschlagen oder die Struktur zu schärfen", erklärte er. Die Überprüfung und Validierung müsse aber immer gesondert durch Menschen erfolgen, um Fehler und sogenannte Halluzinationen auszuschließen. "Bevor etwas in eine Rede übernommen wird, muss ein Mensch prüfen, ändern und entscheiden", so der Sprecher.
Zuvor war bereits der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) in die Kritik geraten, weil mehrere seiner Reden und Gastbeiträge für Medien oder Teile davon mit Hilfe von KI erstellt worden sein sollen, so etwa eine Rede zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und eine Neujahrsansprache.
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