Gebühren für Wasserstraßen:Straße von Hormus: Diskussion um Maut belastet Schifffahrt
von Helge Hoffmeister
Die Nationale Maritime Konferenz tagt in diesem Jahr in schwierigen Zeiten. Nachdem Iran die Straße von Hormus blockiert und eine Gebühr verlangt hat, findet die Idee Nachahmer.
Die Deutsche Marine bereitet sich auf einen möglichen internationalen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus vor. Dafür gelten einige Bedinungen - vor allem eine Waffenruhe.
23.04.2026 | 2:41 minEs sind unruhige Zeiten, in denen sich Bundesregierung und Branchenvertreter auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden versammeln. Die Sicherheit für Schifffahrt, Häfen und Wirtschaft steht 2026 besonders im Fokus. Denn die Blockade der Straße von Hormus, Angriffe auf Schiffe und die Forderungen nach einer Maut haben hohe Wellen in der internationalen Seeschifffahrt geschlagen.
Die Nationale Maritime Konferenz (NMK) ist das größte Branchentreffen der maritimen Wirtschaft. Organisiert vom Bundeswirtschaftsministerium, versammeln sich am 29. und 30. April Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Verbänden und Gewerkschaften, um über Herausforderungen, Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit zu sprechen. Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
In diesem Jahr veranstaltet Emden das Treffen, wo auch die erste Konferenz am 13. Juni 2000 stattfand. Seitdem wird die Konferenz alle zwei Jahre in einer deutschen Hafenstadt veranstaltet.
Indonesien bringt Maut für Straße von Malakka ins Spiel
Schon Überlegungen können den internationalen Seehandel erschüttern. So passiert in der vergangenen Woche, als Indonesiens Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa eine mögliche Maut für die Straße von Malakka in den Raum stellte. Rund 30 bis 40 Prozent des Welthandels durchlaufen diese Meerenge in Südostasien. Andere Anrainerstaaten wie Malaysia und Singapur warfen jedoch ein, dass eine einseitige Entscheidung nicht möglich sei.
Die Idee für Mautgebühren hat sich Indonesien von Iran abgeschaut. Deren Zentralbank gab vergangene Woche bekannt, erste Zahlungen für die Durchfahrt von Frachtern in der Straße von Hormus erhalten zu haben, ohne genaue Zahlen zu nennen. Ende März waren Sicherheits-Gebühren von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Schiff im Gespräch gewesen.
Ein iranischer Frachter, der die US-Blockade an der Straße von Hormus durchbrechen wollte, wurde vom US-Militär beschossen. Der Iran sieht das als Verstoß gegen die Waffenruhe.
20.04.2026 | 1:49 minWasserstraßen müssen laut Seerecht frei sein
Die Geschehnisse am Golf markieren einen Präzedenz-Fall im internationalen Seerecht. Natürliche Wasserstraßen wie die Straße von Hormus unterliegen dem UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS). Es garantiert das Recht auf freie, friedliche und unbehinderte Schifffahrt, auch in Meerengen.
Iran hat das Seerechtsübereinkommen allerdings nie ratifiziert. Dennoch hebt Valentin Schatz, der an der Leuphana Universität Lüneburg zu Seerecht forscht, hervor, dass Iran das Recht der friedlichen Durchfahrt in der Vergangenheit nie bestritten habe. Für die Meerenge gelte damit Völkergewohnheitsrecht.
Eine allgemeine Gebühr für die Durchfahrt kann nicht ohne die Zustimmung der betroffenen Staaten eingeführt werden, ohne dass Iran dabei Völkerrecht verletzt.
Prof. Valentin Schatz, Experte für Seerecht an der Leuphana-Universität Lüneburg
Zwar sei denkbar, dass sich einige Staaten freiwillig mit Iran auf Gebühren einigen, erläutert Schatz. Für die internationale Staatengemeinschaft sei das aber zutiefst unwahrscheinlich. Neben erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen könne eine Gebühr eine Erosion der rechtlichen Grundprinzipien der globalen Schifffahrtsordnung auslösen, erklärt der Seerechts-Experte.
2.000 Schiffe stecken am Golf fest
Deutschland profitiert als Exportnation von Freihandel und internationalem Seerecht. Durch die Straße gelangen zum Beispiel Maschinen und Pharma-Produkte aus Deutschland in die Golf-Länder. Aber auch Früchte, Gemüse und Fleisch aus Südamerika sowie Textilien, Möbel und Haushaltsgeräte aus Asien gehören zu wichtigen Importgütern für die Region.
In der Straße von Hormus sitzen immer noch Schiffe der deutschen Reederei Hapag-Lloyd fest. Für die Crews sei das traumatisch, sagt Sprecher Nils Haupt bei ZDFheute live.
08.04.2026 | 9:13 minAktuell stecken laut Verband Deutscher Reeder noch rund 2.000 Schiffe am Golf fest. Vier gehören der deutschen Reederei Hapag-Lloyd. Sie haben noch keine offiziellen Informationen von Iran über eine Maut erhalten. Eine langfristige Zahlung von Gebühren sei aber sehr unrealistisch.
Eine solche Gebühr würde eine katastrophale Verteuerung von Transporten mit sich bringen.
Nils Haupt, Pressesprecher von Hapag-Lloyd
Doch die Straße von Hormus ist als Schiffsroute für den Gütertransport alternativlos. Die Güter über den Landweg zu bewegen, sei undenkbar, sagt Haupt: "So viele Lkw, wie sie brauchen würden für teilweise tagelange Transporte, gibt es im ganzen Mittleren Osten nicht."
Bei künstlichen Wasserstraßen wie dem Panama-Kanal oder dem Suez-Kanal handelt es sich um souveräne Staatsgebiete, die den Staaten erlauben, Gebühren für die Durchfahrt zu stellen. Diese können abhängig von der Schiffsgröße bis zu einer Million Dollar kosten. Die Kanäle zu umfahren, würde die Reedereien viel Zeit und extra Treibstoff kosten.
Ausnahmegebühren für schwierige Passagen
In Ausnahmefällen können auch in natürlichen Wasserstraßen Gebühren für Dienstleistungen auftreten. Lotsen und Schlepper helfen, wenn eine Passage besonders schwierig und unsicher ist oder den Schutz der Umwelt gefährdet. Ein Beispiel ist Australien, das Lotsendienste am Great Barrier Reef verpflichtend vorschreibt.
Für die Straße von Hormus sei dies nicht denkbar, stellt Seerechtsexperte Schatz klar: "Diese ist grundsätzlich weder besonders schwierig zu durchfahren noch aus Umweltgründen von der Weltschifffahrtsorganisation als besonders empfindliches Meeresgebiet anerkannt." Ob weitere Gebühren erhoben werden, hängt auch davon ab, wie lange der Krieg und die Blockade andauern.
US-Präsident Trump hat die auslaufende Waffenruhe vorzeitig verlängert. Iran war nicht daran beteiligt. ZDFheute live schaut auf die aktuellen Entwicklungen in Iran und der Straße von Hormus.
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